BilderEmotionenFotografieKünstler-die-wir-liebenNacktSelbstportraitSofia Masini

Künstler, die wir lieben: Sofia Masini und ihre tiefergreifenden Selbstportraits

Sofia Masini hat Selbstportraits gemacht, allein und nackt. Emotionen pur!

Sofia Masini ist eine italienische Fotografin aus Mailand. Ihre fotografischen Interessen reichen von Nacktfotografie, über Landschaftsaufnahmen bis zu Selbst-Portraits, in denen sie die wohl purste Form des Ausdrucks von Gefühlen eben nur diesem einen überlässt: Ihrem eigenen Körper. In einer Umbruchsphase in ihrem Leben hat sie selbst erlebt, wie man die Kontrolle über Situationen verlieren kann. Was gibt es da naheliegenderes, als die Fotografie dafür zu nutzen, die Gefühle, die in ihr vorgingen, festzuhalten und offen zur Schau zur stellen? Jeder von uns kennt solche Gefühle. Seien es Ärger, tiefe Trauer, Leere, das „Sich-verstecken-Wollen“ oder auch Stärke und Entschlossenheit! Schaut dir an, wie Sofia jedes einzelne dieser Gefühle fotografisch festgehalten hat.

 

ZEITjUNG: Was hat dich zu deiner Fotoserie inspiriert?

Es ist in einer schwierigen Übergangszeit passiert. Eine Menge Dinge veränderten sich und ich hatte die Kontrolle über die Situation nicht. Folglich wünschte ich mir, mich lebendig zu fühlen, mich als die Person zu sehen, die ich bin. Um dieses Ziel zu erreichen, war die Fotografie das beste Mittel.

 

Welche bestimmten Stimmungen und Gefühle möchtest du in deinen Fotos zum Ausdruck bringen?

Jedes Foto des Projekts ist verschieden. Jedes ist der Ausdruck von etwas Unbewusstem, der Summe unterschiedlicher Emotionen. Gefühle, wie Verlust, Ärger, Melancholie, aber auch Stärke und Entschlossenheit. Ich glaube, dass die Fotoserie viele emotionale Beständigkeiten beibehält, aber ich mag es, dem Betrachter die Freiheit zu lassen, die Sprache, die die Fotos sprechen jedes Mal aufs Neue selbst zu interpretieren. Meine Herausforderung war, den Körper selbst sprechen zu lassen.

 

Warum hast du dich entschieden, auf den Selbstportraits nackt zu sein?

Ich entschied erst einmal, einige Selbstportraits aufzunehmen, weil ich das Bedürfnis verspürte, allein, ohne jemand anderen, zu arbeiten. Ich bin eigentlich sehr schüchtern. Ich entschied, auf den Fotos nackt zu sein. Es erlaubte mir, die Kernaussage von dem zu finden, was ich versuchte auszudrücken, ohne irgendwelche Filter zu verwenden. Es ist typisch, in der Fotografie mit anderen zusammen zu arbeiten, aber es führt zu Erwartungen und Bedürfnisse der anderen. Das ändert schließlich deine Arbeit.

 

Was definiert ein gutes Foto für dich?

Ein gutes Foto ist eines, das etwas zum Ausdruck bringt, etwas sagen will, egal was. In guten Bildern ist eine Kraft… Ich kann nicht genau beschreiben, was es ist oder wie man es realisiert, aber ich bin sicher, dass es eine bestimmter Typ starker Faszination ist, den man fühlen kann. Das gibt der Fotografie eine universelle Sprache.

 

Die Räume, die du für deine Fotos gewählt hast, sind so gut wie leer. Was ist die Idee dahinter?

Zu der Zeit zog ich von meinem vorherigen Haus in ein neues, was es mir erlaubte, mich selbst in der Mitte der Umgebungen wiederzufinden, die ich besser kannte, wo jetzt die Möbel fehlen. Ich reflektierte in diesen leeren Räumen sofort. Sie waren einst so vertraut und nun so fremd. Auf eine bestimmte Art und Weise reflektierte ich in dieser Zeit die Beziehung, die ich zu mir selbst hatte.

 

Hast du deinen Körper auf den Fotos mit einem Bearbeitungsprogramm bearbeitet? Wenn nein, warum nicht?

Ich habe meinen Körper nicht bearbeitet. Das habe ich absichtlich nicht getan, um Imperfektionen sichtbar zu lassen. Ich beabsichtigte, dass mein Körper menschlich aussieht. Eben wie mein eigener Körper und nicht der von jemand anderem.

 

Was denkst du, welche Konsequenzen hat es, dass wir jeden Tag so viele (mit Photoshop o.Ä.) bearbeitete Fotos sehen?

Ich denke nicht, dass Nachbearbeitung ein wirkliches Problem ist. Sogar im 19. Jahrhundert wurden Fotos in der Dunkelkammer verändert. Was mir jetzt allerdings Angst bereitet, ist, dass die Leute scheinbar vergessen haben, dass Fotografie keine Realität ist, auch wenn es da eine starke Verbindung gibt. Jedes Foto ist eine Interpretation von etwas und sollte auch als solche behandelt werden.

 

Kommentare

Sag was dazu

Das könnte Dich auch interessieren