White Saviorism: Stefanie Giesinger hat aus ihrem Shitstorm gelernt

Stefanie Giesinger auf der Berlinale 2020. Bildquelle: Martin Kraft via Wikimedia; Verwendung unter CC BY-SA 4.0

Stefanie Giesinger bekam 2019 während ihrer Reise nach Malawi auf Instagram einen Shitstorm. Grund dafür war ihre Darstellung der dort lebenden Menschen und wie sie sich als weiße, westliche Person dadurch als sogenannter „white savior“ inszenierte. Stefanie war sich damals dessen nicht bewusst und von den heftigen Anfeindungen verletzt. Jetzt hat sie mit AufKlo darüber gesprochen, was sich seither geändert hat und wie sie jetzt zu dem Shitstorm steht. Dabei macht sie deutlich, dass er berechtigt war.

2019 reiste Stefanie Giesinger mit der Eismarke „Lycka“ nach Malawi, um dort ein gemeinsames Projekt zu besuchen. Zusammen mit Lycka hat sie die Eissorte „Himbeer Chocolate Split“ auf den Markt gebracht, deren Gewinn zu 100% gespendet wird. Ziel ist es, mit dem erwirtschafteten Geld zehn Schulen im Distrikt Dedza in Malawi ein Jahr lang komplett zu finanzieren. Zuvor hat die Marke schon in Burundi und Malawi, in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe, den Zugang zu regelmäßigen und abwechslungsreichen Mahlzeiten ermöglicht. Denn über den Kauf der regulären Eissorten wird automatisch jeweils eine Mahlzeit für Schulkinder gespendet. Durch den Verkauf der Eissorte von Stefanie Giesinger konnten bisweilen sogar über 100.000 € eingenommen und gespendet werden – also ein voller Erfolg, wenn da nicht die Sache mit dem Shitstorm wäre…

„Ich mache gerne etwas für die Gesellschaft und sehe das als meine Pflicht. Ich habe eine Vorbildfunktion, dementsprechend ist natürlich der Druck groß, dass ich das Richtige mache. Aber auch, weil ich Menschen nicht verletzen will.“ Bildquelle: Stefanie Giesinger (@stefaniegiesinger) • Instagram-Fotos und -Videos

Denn der gute Zweck der Reise und des Produkts sind in den Hintergrund geraten. Stefanie Giesinger wurde im Vorfeld weder von Lycka aufgeklärt und sensibilisiert, noch hat sie sich selbst darüber informiert, inwiefern man als weiße Person durch Hilfsprojekte (oder auch Freiwilligendienste, wie sie viele junge Menschen machen), Rassismen reproduzieren und sich rassistisch verhalten kann. Die zumeist guten Absichten dahinter sind dabei (leider) irrelevant. Das bekam auch Stefanie Giesinger zu spüren. Ihre Community und Aktivist*innen machten sie darauf aufmerksam und kritisierten zum Teil sehr scharf ihre Darstellung auf Instagram. Der Vorwurf: Sie inszeniere sich als sogenannte weiße Retterin. Neben der berechtigten Kritik an ihrer Darstellung des Projekts und der dort lebenden Menschen, hat sie jedoch auch Hassnachrichten und Morddrohungen erhalten. Wir möchten hiermit betonen, dass diese absolut verwerflich und nicht tolerabel waren und sind!

Stefanie Giesingers Shitstorm
Stefanie Giesinger wurde 2019 heftig kritisiert und hat einen Shitstorm für ihre Selbstdarstellung auf Instagram bekommen. Screenshot: YouTube- Video von AufKlo, funk

Denkt intersektionalen Feminismus und setzt sich für Gleichberechtigung jeglicher Form ein. Nach ihrem Studium der Theater- und Kommunikationswissenschaft baut sie sich jetzt – auf dem Weg zur Schauspielerei – ein zweites Standbein als Autorin auf.