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Stellungswechsel: Warum ist Sex während der Periode für uns ein Tabu?

Unsere Sexkolumnistin hat sich die Frage gestellt, weshalb sie Sex während der Periode eigentlich ablehnt und warum viele Frauen es ihr gleichtun.

Sex und Feminismus, das passt nicht zusammen? Doch, wie unsere Kolumne „Stellungswechsel“ beweist. Nadine Kroll befasst sich mit den Fragen, die junge Menschen und speziell Frauen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ganz besonders beschäftigen. Es geht um gesellschaftlichen Wandel, Selbstbestimmtheit, neugewonnene Freiheiten, Frauenrechte und natürlich ums Ficken, kurz: um sexpositiven Feminismus und darum, dass sich niemand für seinen Körper oder seine Vorlieben schämen muss.

Fakt ist: Ich mag keinen Sex während meiner Periode. Das Einzige, was ich mir einführe, während ich blute, ist ein Tampon oder meine Menstruationstasse. Finger, Penisse und Dildos kommen in dieser Zeit nicht einmal in die Nähe meiner Vagina, und auch Gesichter, Zungen, generell andere Menschen, haben sich währenddessen von meiner Vulva fernzuhalten. Ich bin zwar Hardcore-Feministin, die ihre monatliche Blutung zelebriert, aber Sex in diesem Zeitraum finde ich doch irgendwie eklig, auch wenn ich es nicht eklig finden will.

„Periodenblut ist eklig!“

Schuld daran sind zum einen Teil meine Eltern, die mir nie beigebracht haben, dass die Menstruation etwas total Normales ist. Ganz im Gegenteil: sie behandelten das Thema so, als gäbe es so etwas wie monatliche Blutungen nicht, was sich unter anderem daran zeigte, dass man statt von Regelbeschwerden nur von „Bauchschmerzen“ sprach und Hygieneprodukte auf dem Kassenband im Supermarkt immer unter einem Haufen anderen Kram versteckte, um sie zuhause dann ganz hinten in den Badezimmerschrank zu räumen, wo kein Besucher sie durch Zufall entdecken konnte. Zum anderen Teil trifft die Schuld an meinem Ekel vor Sex während meiner Periode mehrere unsensible Typen aus meiner Schulklasse, die mit angeekeltem Gesicht Dinge sagten wie „Ieeeeh, hast du etwa deine Tage?“, wenn man beim Sportunterricht nicht mitmachen wollte und einen Exfreund, der sich fast übergeben musste, als ich einmal so eine Art Spontanblutung bekam, während wir es miteinander trieben. Also, zuerst dachte er, es sei „nur Blut“, weil er mich mit seinem Penis irgendwie von innen „aufgeschlitzt“ hatte und fand es „nicht so schlimm“, aber nachdem ich den Gedanken geäußert hatte, dass es vielleicht so eine Art zyklusbedingte Zwischenblutung sein könnte, musste er kurz würgen und das Thema Geschlechtsverkehr war für die nächsten Tage vom Tisch.

Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich Sex während meiner Monatsblutung irgendwie eklig finde. Oder besser gesagt: Dass ich mich selbst während meiner Periode so eklig, ja, irgendwie unsauber, dreckig und stinkend fühle, dass ich keinen Sex haben will. Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort fühlen, denn tatsächlich bin ich weder unsauber, noch dreckig, noch stinkend, wenn ich meine Tage habe, von ein paar immer wiederkehrenden Menstruationspickelchen am Kinn mal abgesehen.

„Period-Shaming“ ist weit verbreitet

Umfragen innerhalb meines Freundeskreises haben ergeben, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Von zehn Freundinnen haben lediglich zwei auch dann Sex, wenn sie ihre Menstruation haben – und eine davon auch nur während der schwachen Tage. Die Gründe dafür sind ganz ähnlich wie bei mir, denn „Period-Shaming“ ist ein weit verbreitetes Phänomen. Lediglich eine meiner Freundinnen zelebriert Sex während ihrer Periode. Sie sei dann geiler, entspannter und außerdem würden Orgasmen ihre Krämpfe lindern, sagt sie. Weder ihr Partner noch sie hätten ein Problem damit, wenn es beim Sex mal etwas blutiger zuginge, und um die guten Laken nicht mit Blut zu bekleckern, würden sie ein altes Handtuch unterlegen.

Tabus sind dazu da, um gebrochen zu werden

An dieser Freundin möchte ich mir gerne ein Beispiel nehmen und die ganze Sache einfach mal ausprobieren. Denn Fakt ist: Ich weiß gar nicht, ob ich Sex während der Periode mag oder nicht. Ich weiß nur, dass ich die Vorstellung davon nicht mag, weil mir immer suggeriert wurde, dass es eklig sei, ja, sogar, dass man sich für seine Menstruation irgendwie schämen müsse. Um herauszufinden, ob ich Sex während meiner Tage mag, muss ich es einfach einmal ausprobieren. Erst mit mir alleine, denn ich befriedige mich während meiner Blutung nicht mal selbst, und später dann mit einem Partner oder einer Partnerin. Das Tabu einfach mal brechen, um zu merken, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist. Am Ende des Tages ist es ja doch bloß Blut.

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