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Stellungswechsel: Wie queere Paare verhüten

… und warum du dir ein Bespiel daran nehmen solltest!

Nadine Kroll befasst sich mit den Fragen, die junge Menschen und speziell Frauen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ganz besonders beschäftigen. Es geht um gesellschaftlichen Wandel, Selbstbestimmtheit, neugewonnene Freiheiten, Frauenrechte und natürlich um Sex.

Kondome schützen nicht nur vor ungewollten Schwangerschaften, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Das wissen wir bereits seit dem Sexualkundeunterricht in der Schule, auch wenn da – zumindest in meiner Generation – nie über schwulen Sex gesprochen wurde und wie wichtig es ist, ein Kondom auch dann zu benutzen, wenn man rein technisch gar nicht schwanger werden kann, weil keiner der Beteiligten einen Uterus hat. 

Noch weniger als das wird jedoch die Verhütung beim Sex zwischen zwei Personen mit Vulva thematisiert. Klar, eine ungewollte Schwangerschaft kann auch dabei erst einmal nicht entstehen. Aber was ist eigentlich mit sexuell übertragbaren Krankheiten? Von denen bleiben auch Lesben nicht verschont, auch wenn sie statistisch gesehen ein geringeres Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren, als zum Beispiel Personen mit Penis, die ungeschützten Sex mit anderen Personen haben, die auch einen Penis am eigenen Körper tragen.

Aber wie verhüten queere Paare denn nun beim Oralsex oder Fingern? Mit sogenannten Lecktüchern, die als Barriere zwischen die Vulva der einen und den Mund der Zunge der anderen Person gebracht werden und Latex- oder Nitrilhandschuhen. Letztere eignen sich besonders für Personen, die eine Latexunverträglichkeit haben. Daneben sind sie ölverträglich und können im Gegensatz zu Latex beispielsweise auch zusammen mit Kokosöl als Gleitgel verwendet werden.

Für die meisten heterosexuellen Personen, die sich noch nie mit der Verhütung von queeren Paaren beschäftigt haben, mag das erst einmal befremdlich klingen. Dabei könnten gerade Heteros sich in Sachen Verhütung eine dicke Scheibe von schwulen, lesbischen, bi- und pansexuellen Menschen abschneiden, schließlich ist nichts sexier als safer Sex! Wusstest du zum Beispiel, dass du vom Lecken oder von Blowjobs ohne Kondom Herpes genitalis im Gesicht bekommen kannst und umgekehrt auch Lippenherpes im Genitalbereich? 

Auch durch Wunden an den Händen oder Menstruationsblut können Erkrankungen wie HIV übertragen werden – dafür also die Handschuhe. Bei wechselnden Geschlechtspartner*innen solltest du also immer auf eine Barriere achten – ganz egal, welche sexuelle Orientierung du hast. Und auch auf Sexspielzeug gehört immer ein Kondom, wenn du es mit mehr als einer Person – inklusive dir selbst! – teilst.

Von Frischhaltefolie als Ersatz für teure Lecktücher wird übrigens abgeraten, da sie beim Cunni- und Anilingus (bei dem du immer, wirklich immer eine physische Barriere benutzen solltest, weil Darmbakterien einen ganzen Haufen Krankheiten übertragen können) aufgrund ihrer Struktur keinen ausreichenden Schutz bieten. Besser ist es, ein Kondom zu nehmen, die Spitze abzuschneiden, das Präservativ an einer Seite längs aufzuschneiden und das so entstandene Latextuch zu benutzen. 

Ein wenig wasserbasiertes Gleitgel auf der Seite die nicht in den Mund genommen wird macht die Sache für die empfangende Person noch schöner. Ich kann euch aus Erfahrung sagen, dass man den Unterschied, ob man mit oder ohne (selbstgebasteltem) Lecktuch oral verwöhnt wird kaum spürt. Und ich komme ehrlich gesagt besser und intensiver, wenn ich weiß, dass der Sex, den ich habe, auch wirklich, wirklich safe ist.

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Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz

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