„Mitte-Studie“ 2016: Deutschland ist gespalten

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Angela Merkel wird bei den Bundestagswahlen 2017 neu kandidieren. Zum vierten Mal in Folge will sie sich als erste Frau an die Spitze Deutschlands stellen. Diese Wahl wird kein Zuckerschlecken, sie selbst bezeichnet die Lage als „schwierig“ und „wie keine Wahl zuvor seit der deutschen Einheit.“

2016 war ein Jahr voller Turbulenzen: Die Flüchtlingskrise, der Brexit, Donald Trump, Terror. Die Bevölkerung bekommt es mit der Angst zu tun und verantwortlich für die eigene Sicherheit machen sie die Führungsposition des Landes. Anprangern und schuldig sprechen ist dabei hoch im Kurs. Insbesondere aus den rechten Reihen kommen laute Gegenstimmen, die nach und nach immer mehr Zuhörer für sich gewinnen. Die AfD erzielte in den letzten Landtagswahlen in bisher zwei Bundesländern über 20 Prozent der Stimmen, in fünf weiteren über 10 Prozent. „Wir werden es mit Anfechtungen von allen Seiten zu tun haben. Von rechts wie nie zuvor und auch mit einer starken Polarisierung unserer Gesellschaft“, sagte die Kanzlerin am CDU-Spitzentreffen, als sie ihre Kandidatur öffentlich machte. Die starke Polarisierung ist auch das Stichwort der neuen „Mitte“-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, hierbei wird die Gruppenbildung in Deutschland transparent.

 

Wo sind die Graustufen unter den Menschen?

 

Für die Studie wurden knapp 1900 Menschen unterschiedlichsten Alters, Familienstandes, Bildungsgrades und Herkunft in ganz Deutschland befragt. Es handelte sich um eine telefonische Umfrage, die von Juni 2016 bis August 2016 durchgeführt wurde. Die drei Stichworte der Umfrage sind Rassismus, Rechtsextremismus und Demokratievertrauen. Zusammenfassend ist der Tenor diesen Jahres: Die deutsche Gesellschaft ist gespalten. Die größere Mehrheit der Menschen befürwortet demokratische und weltoffene Werte. Ihnen gegenüber steht jedoch eine zwar kleinere, aber laute Gruppe fremdenfeindlicher Menschen mit rechtspopulistischen oder gar extremistischen Tendenzen.

Die Kluft scheint „unüberbrückbar“, so stark ist die Zuwendung zu einem extremen Meinungsbild. Insbesondere bei den Einstellungen gegenüber Flüchtlingen gehen die Meinungen auseinander. Rund 56 Prozent der Befragten stehen für eine Willkommenskultur in Deutschland, wohingegen ganze 20 Prozent eine klare Ablehnung gegenüber Flüchtlingen äußern. Auch die allgemeinen Einstellungen der Menschen gegenüber Schutzsuchenden wurden überprüft, wobei ein erschreckender Anstieg negativer Meinungsbilder im Vergleich zum Vorjahr erkennbar sind. Jeder zweite Mensch in Deutschland vertritt eine fremdenfeindliche Meinung, das sind 44 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Knapp über die Hälfte der Menschen ist für die Obergrenze der Aufnahme von Asylsuchenden, nur 36 Prozent spricht sich dagegen aus.

 

AfD-Sympathisanten werden immer menschenfeindlicher

 

Ein Kapitel der Studie nennt sich: „Die Veränderung der Einstellungen unter AfD-Sympathisanten zwischen 2014 und 2016“. Im Fazit des Kapitels wird erkennbar, dass immer mehr sozial benachteiligte Gruppen sich der Partei zugehörig fühlen. Menschen mit niedrigen Einkommen, jüngeren Alters, ostdeutscher Herkunft und hauptsächlich Männer schließen sich dem rechtslastigen Meinungsbild an. Die Zahl der Anhänger ist kaum gestiegen, jedoch driften die AfDler immer mehr nach rechts ab. „Dabei sticht vor allem die deutlich häufigere Abwertung von Einwanderern, Asylsuchenden und Muslimen hervor.“, heißt es in der FES-Mitte-Studie. Diejenigen hingegen, die sich von der AfD abwenden, tendieren seit 2014 auch stärker dazu, sich weniger menschenfeindlich zu äußern.

 

Minderheiten werden nach wie vor von vielen Menschen abgewertet

 

Muslimen treten rund 18 Prozent der befragten Bevölkerung feindlich entgegen. Nicht nur die religiöse Zugehörigkeit wird abgelehnt, ganze neun Prozent sprechen sich negativ gegen Menschen mit anderer Hautfarbe und Herkunft aus. Und mehr als ein Drittel der Befragten finden, dass in Deutschland zu viele Ausländer leben. 16 Prozent würden dafür stimmen, Ausländer auszuweisen, würde es schwierig werden, einen Arbeitsplatz zu finden. All diese Werte sind seit 2014 konstant geblieben. Zurückgegangen ist die Fremdenfeindlichkeit lediglich in Anbetracht der Sinti und Roma. Gestiegen ist die Fremdenfeindlichkeit gegen Juden.

Die Zahlen der Studie sprechen für sich: Es gibt viel zu viele Menschen in diesem Land, die fremdenfeindlich sind. Und nicht nur das, viele von ihnen sind sogar zu Gewalttaten bereit. Aus ihnen spricht Angst, Wut und oft fehlende Bildung. Womit wir auf das abschließende Kapitel der Studie kommen, das sich unter anderem mit den Leitmotiven der politischen Bildung befasst. Je mehr sich die drei untersuchten Motive der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen“ verschärfen, desto mehr gerät die Demokratie dieses Landes ins Wanken. „Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht, Würde jedes einzelnen Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Das leitet mich, dafür setze ich mich wieder und wieder ein“, so auch Angela Merkel in ihrer Bekanntgabe der erneuten Kandidatur für das Amt der Bundeskanzlerin.

 

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Bildquelle: Skitterphoto unter CC0-Lizenz

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