Warum Niederländer Eier aus dem Supermarkt ausbrüten wollen

Supermarkt Küken

Neulich finden wir ein Video auf Youtube – ein kleines Ei auf einem Küchenkrepp, cremefarben mit braunen Sprenkeln, keine drei Zentimeter groß. Es wackelt, es zuckelt, der erste Riss in der Schale, ein Vogelbeinchen tritt sich frei, ein Schnäbelchen kommt zum Vorschein: Albert ist auf die Welt gekommen. Und wir alle so: aaaaaaaaaw!

Albert ist eine Wachtel. Geschlüpft aus einem Ei, das im Supermarkt gekauft und zuhause ausgebrütet wurde. Alberts Ei war befruchtet, aber für den Verzehr gedacht. Eigentlich kein Zustand bei Eiern, den wir als Konsumenten so richtig geil finden. Denn so flauschig und tapsig das Wachtelbaby jetzt auch ist, man sollte darüber reden, warum Niederländer jetzt wie wild Küken ausbrüten – und was passiert, wenn wir befruchtete Eier essen.

 

Parenthood Goals: Küken brüten

 

Die Niederländerin Fionna Bottema begann damit im Februar, als sie einen Karton mit 24 Wachteleiern in der Supermarkt-Kette Albert-Heijn kaufte und sie auf ihrem Hof in den Brutkasten legte. Sie wollte wissen, ob die Eier tatsächlich unbefruchtet sind oder ob man sie mit wachtelähnlicher Liebe und Hingabe ausbrüten kann. Ein bisschen aus Spaß und ein bisschen, um zu gucken, was der Supermarkt da überhaupt für Eier anbietet. Bei 37,6° Celsius schlüpfen knapp zwei Wochen später sieben kleine Wachtelküken – Fionna ist Küken-Mama.

Fionnas Wachtelbabys inspirieren seit Februar hunderte Niederländer, weitere Eier auszubrüten. Auf ihrer Facebook-Seite „De superbroeders“ („Die Superbrüter“) finden mittlerweile 438 Mitglieder eine genaue Anleitung zum Ausbrüten von Wachtel- und Hühnereiern. Fionna gibt außerdem klare Ansagen, dass man nur dann Küken hochziehen sollte, wenn man sich danach angemessen und artgerecht um sie kümmern kann. Inzwischen sollen bei acht Personen zuhause knapp 20 fluffige Supermarkt-Wachteln das Licht der Welt erblickt haben.

 

Was passiert, wenn wir befruchtete Eier essen?

 

Als Konsumenten gehen wir davon aus, im Supermarkt ausschließlich unbefruchtete Eier zu kaufen – wenn wir überhaupt darüber nachdenken, was wir da im Karton mit nach Hause tragen. Auf das Freiland-Bio-Siegel zu achten, ist ja en vogue – aber mehr Platz hat die Weiterführung des Gedankens meist nicht in unseren Köpfen. Unser erster Impuls gegenüber befruchteten Frühstückseiern ist natürlich, angewidert unser Gesicht zu verziehen. Eeeeeew. Und so gar nicht bio und nachhaltig.

Ein ungutes Gefühl schleicht sich ein… haben wir denn seit Jahren mit unserem Spiegelei kleine federige Küken auf dem Gewissen? Aber nein, solange das Ei nur befruchtet und nicht bebrütet ist, haben wir keinen Küken-Embryo verspeist und auch kein ungeborenes Leben zerstört. In Lege-Batterien werden nur Hennen gehalten, also besteht mangels Hahn eigentlich keine Möglichkeit einer Befruchtung des Eis. „Wir vermuten, dass in diesem Fall ein Hähnchen übersehen worden ist und sich mit einer weiblichen Wachtel unterhalten hat“, sagt ein Sprecher der Supermarkt-Kette Albert Heijn in der Welt. Befruchtete Eier seien aber in jeglicher Hinsicht unproblematisch für den Kunden. „Beim Verarbeiten, Kochen und Essen gibt es null Unterschied zu den unbefruchteten“, so der Schweizer Eierproduzent Martin Rusch.

Noch ist der Trend nicht in Deutschland angekommen. Wir wünschen uns deshalb bitte viele KükenbrüterInnen, zuckersüße Kükenbilder und einen neuen Hashtag für Instagram!

 

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Bildquelle: Dirk Vorderstraße via CC BY 2.0

Comments
  • S.

    „haben wir denn seit Jahren mit unserem Spiegelei kleine federige Küken auf dem Gewissen?“ Nein? Oh doch!
    Im Endeffekt tötet man durch den Konsum von Eiern Küken – und zwar die, die beim Sexen aussortiert werden (da männlich und kein „Eier-Lieferant“). Sie werden vergast, geschreddert oder einfach weggeworfen. Schade, dass ZEITJUNG diese Thematik – obwohl derzeit und schon etwas länger in den Medien präsent – hier komplett ausblendet!
    https://www.youtube.com/watch?v=NZHJr6-vRKY

    06/04/2016
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