WhatsApp statt Anruf – Warum telefonieren wir nicht mehr?

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Rauben Anrufe Zeit?

Meine Eltern haben mir schon so oft gesagt, dass telefonisch alles viel schneller geklärt wäre. Die Mentalität meiner Generation verstehen sie gar nicht. Ein unangekündigter Anruf fühlt sich für mich unhöflich an, dabei mag ich aber lange Telefonate, aber eben nur, wenn klar ist, dass sie von beiden Seiten gewollt sind.

Das Problem ist aber oft, dass sich Menschen von Anrufen wirklich gestört fühlen. Sie haben das Gefühl, dass es ihnen Zeit raubt. So sieht das auch ZEIT-Autor Stefan Schmidt, er behauptet: „Ein Anruf stört immer, er stiehlt mir meine Zeit.“ Er setzt lieber auf asynchrone Kommunikationswege – Mail, SMS oder Messenger-Dienste – vergisst dabei aber, dass das ewige Hin- und Her-Geschreibe oft viel länger dauert, als ein klärendes Gespräch und noch dazu sehr unpersönlich ist. Direkte Konfrontation ist auf diesem Weg nicht möglich, dabei ist sie manchmal nötig, um Missverständnisse zu vermeiden und sofortige Rückfragen zu ermöglichen.

Gestik und Mimik sind nicht zu sehen

Er ist aber nicht alleine mit seiner Abneigung. Es soll sogar Menschen geben, die eine richtige Telefon-Phobie entwickelt haben und im Internet gibt es immer mehr Seiten, die Tipps liefern, wie man diese am besten überwinden könnte. Das größte Problem ist oft, dass am Telefon die Zeit fehlt, um gründlich über Aussagen nachzudenken, das ist in einer E-Mail anders. Man kann Gesagtes nicht zurücknehmen, es nicht verbessern und Gestik und Mimik des Gesprächspartners bleibt einem auch vorenthalten. Diese Angst kombiniert mit der Problematik, dass wir in einer Zeit leben, in der Telefonate oft als störend empfunden werden, kann das Telefonieren dann zur Tortur machen. Eine völlig paradoxe Situation, schließlich führen wir Millennials eine sehr intensive Beziehung zu unserm Smartphone. Es begleitet bis zum Schlafen gehen und ist direkt nach dem Aufstehen wieder zur Stelle.

Um diese alberne Angst zu überwinden, hilft wohl nur sich Ruhe und Zeit nehmen. Am Anfang ein Telefonat vielleicht sogar planen und sich dann mit viel Übung der Angst entgegenstellen. Denn das gesprochene Wort funktioniert direkter und zeitgleich und klärt damit Sachverhalte persönlicher und schneller. Und wer weiß, vielleicht funktioniert die Wochenendplanung mit den Freunden dann auch mal besser – ohne Hin und Her.

Meine Leidenschaft fürs Schreiben habe ich schon in der Grundschule entdeckt und mit 14 Jahren angefangen, bei der lokalen Tageszeitung „Iserlohner Kreisanzeiger“ in meiner Heimat zu arbeiten. Dort studierte ich den Bachelor-Studiengang „Journalismus und Unternehmenskommunikation“. Als freie Journalistin bin ich immer auf der Suche nach neuen Ideen und entdecke in Praktika verschiedenste Redaktionen. Am liebsten schreibe ich über gesellschaftliche, kulturelle, geschichtliche und philosophische Themen. Storys über Gefühle, Gleichberechtigung und Menschen finde ich auch toll. Momentan lebe ich in Hamburg und studiere dort an der Universität Hamburg den Master „Journalistik und Kommunikationswissenschaft“.