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Die Doku „The American Meme“ zeigt die Kosten des schönen Fames

Das Leben als Influencer ist einfach, schön und von jeglichen Sorgen befreit. Die Netflix-Doku „The American Meme“ will damit aufräumen.

„Wenn du in eine Schule gehst und einige Kinder fragst: Was wollt ihr später mal werden? Dann sagen sie: Berühmt. Als wäre es ein Job.“ Die Aussage von Matthew Felker kommt ganz zu Beginn der Netflix-Dokumentation „The American Meme“ (selbst ist Felker berühmt geworden, weil er im Musikvideo von „Toxic“ mit Britney Spears rumknutschte). In der Welt von Instagram, Snapchat, Twitter und Facebook aber gibt es viele, für die der „Fame“ ein Job ist. Ein Job, der bezahlt wird mit Likes, Followern und am Ende Tausenden von Dollar für einen einzigen Post. Aber was passiert eigentlich hinter den Smartphone-Bildschirmen?

Die Netflix-Dokumentation „The American Meme“ begleitet einige bekannte Influencer der USA: Comedian und Social Media-Star Josh „The Fat Jew“ Ostrovsky, Fotograf und Partylöwe Kirill Bichutsky, Vine-Star und Schauspielerin Brittany Furlan – und Paris Hilton. Die Doku will die Höhen und Tiefen der Influencer zeigen – vor allem aber die Tiefen. Die ungefilterte Wahrheit hinter all den Instagram- und Snapchat-Filtern, der so perfekten Celebrities.

„What’s wrong with attention?“

Wer Influencer kritisiert und belächelt, wirft ihnen oft vor, sie machen alles nur für die Aufmerksamkeit. Model Emily Ratajkowski, bekannt geworden als das „Blurred Lines-Girl“, blickt in die Kamera und schießt zurück: „What’s wrong with attention?“ Diese Frage will „The American Meme“ beantworten – auch wenn die Doku es nur zum Teil schafft. Denn während die wirklich Großen wie Ratajkowski, Hailey Baldwin (jetzt Bieber) und DJ Khaled nur mit ein paar Kommentaren im Interview einen Einblick geben, stellt die Doku vor allem diejenigen vor, die ihren Fame nicht wirklich über Social Media hinaus ausbauen konnten. American Memes, eben.

 

Ihr Lebenslauf: Champagne Facials, Memes und Vines

Kirill Bichutsky hat anfänglich Promis und Künstler fotografiert und wird mittlerweile von Clubs als Entertainer dafür bezahlt, dass er Frauen auf Partys sogenannte „Champagne Facials“ verpasst und die Fotos auf Instagram postet. Josh Ostrovsky, der als „The Fat Jew“ mit Memes auf Instagram bekannt wurde und vor ein paar Jahren mit „White Girl Rosé“ erst einen Gag und dann einen der beliebtesten Rosés auf den amerikanischen Markt brachte. Und Brittany Furlan, die lange Zeit die beliebtesten 9-Sekunden-Videos auf der mittlerweile verstorbenen Vine-App postete und sich heute als Schauspielerin durchzuschlagen versucht.

Depressionen und die Endlichkeit des Fames

An ihnen zeigen sich die Kehrseiten, die die Scheinwelt der Likes, 15-Minuten-Hypes und des niemals schlafenden und sich ständig erneuernden Internets offline zeigt: Kirill Bichutsky hasst eigentlich jeden seiner Follower und die Partys, kann nüchtern nicht mehr schlafen und spuckt morgens nach manch einer Nacht Blut. Brittany Furlan hat der Druck des ständigen Bestehens auf Social Media und die vielen Hater lange Zeit in die Einsamkeit getrieben. Einzig Josh Ostrovsky zeigt sich besonders reflektiert, ist sich, wie eigentlich jeder der drei Influencer, der Endlichkeit des Internet-Fames bewusst und baut sich deshalb seine eigene Marke auf, unter anderem mit „White Girl Rosé“.

Die erste Influencerin überhaupt: Paris Hilton

Ach, und dann ist da auch noch Paris Hilton. Die etwas aus dem Raster fällt, ist sie mittlerweile auch erfolgreiche Unternehmerin und hält sich bereits seit Anfang der 2000er hartnäckig als Influencerin. Sie war quasi die erste Influencerin überhaupt. Während auch sie vor der Kamera ihre zerbrechlichen Momente zeigt, ist sie gleichzeitig Executive Producer von „The American Meme“ und wird als das Non-Plus-Ultra der Industrie dargestellt, wo Leute wie Furlan und Ostrovsky eigentlich hin wollen.

Die verblümte Welt von Instagram, einmal entromantisiert

Am Ende ist „The American Meme“ teils diffus, verliert manchmal den Erzählstrang und kratzt oft doch nur an der Oberfläche. Die Frage ist nämlich auch, ob das, was die Influencer in der Doku so scheinbar ungefiltert von sich zeigen, nicht einfach eine weitere Farce ist. Aber trotzdem: „The American Meme“ schafft es, einen Blick hinter die Instagram-Posts zu werfen und dem Traum des Fames die Romantik zu nehmen, im ewigen Kampf um die Likes tausender Unbekannter. An einer Stelle sagt Brittany Furlan: „How about I try liking myself? That’ll be actually a challenge.“

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0 Lizenz

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