Bilder: Dieser Fotograf zeigt Israels einziges Frauengefängnis

Women's Prison Tomer Ifrah

Keine Frage, „der Knast“ ist für die meisten von uns etwas Faszinierendes. Egal, ob bei den Netflix Shows „Making A Murderer“ und „Orange Is The New Black“, oder Klassikern wie „Prison Break“ – Gefängnisse stellen einen extrem spannenden Handlungsraum dar. Zumindest für uns – im wahrsten Sinne des Wortes – Außenstehenden. Menschen, die unschuldig inhaftiert werden, gefährliche Knast-Gangs und Ausbruchspläne sind der Stoff, aus dem Erfolgsserien gemacht werden.

Doch wie sieht es dort wirklich aus, hinter Gittern? Ohne „Walter“ und Seifenopern-Handlungsstrang? Was macht der erdrückend monotone Alltag mit einem? Wie fühlt es sich an, eingesperrt zu sein, nicht mehr autonom leben zu können?

 

Zwischen beklemmender Enge und starken Bindungen

 

Diese Fragen ließen auch Tomer Ifrah nicht mehr los, nachdem er von einem Frauenmagazin beauftragt wurde, einen weiblichen Häftling zu fotografieren. Die Stimmung und die Geschichten der Frauen faszinierten ihn so sehr, dass er sich entschied, ein Projekt über „Neve Tirza“, den einzigen Frauenknast Israels, und seine Insassinen zu starten.

„Die Lebensumstände in Neve Tirza sind sehr schwierig, es ist ein überfüllter, kleiner Ort, mit extrem wenig Platz für die Frauen. Jedes Gefängnis ist ein angespannter Ort, aber unter solchen Bedingungen wird die Anspannung größer, weswegen man die Frauen oft streiten und schreien hört, verbaler Missbrauch. Aber es gibt auch eine andere Seite, die im alltäglichen Leben noch ersichtlicher ist. Wenn man über einen so langen Zeitraum so eng mit jemandem zusammenlebt, entwickeln sich sehr starke Bindungen. Da ist eine Menge Liebe und gegenseitige Fürsorge unter den Häftlingen. Es fühlt sich wie eine sehr enge Familie an. Dasselbe gilt für die Beziehungen zwischen den Wärtern und den Insassinnen, es gibt Konflikte, manchmal starke Konflikte, wie ich sie mir in jedem Gefängnis vorstellen würde, aber man kann auch eine Menge Fürsorge und Mitgefühl erkennen“, erzählt Tomer ZEITjUNG.de.

 

Kein Ort für Serien-Plots oder Ferienlager-Idylle

 

Ferienlager-Idylle kommt in Neve Tirza natürlich trotzdem nicht auf. „Es gibt viel Kritik, weil die meisten Leute in Neve Tirza nicht im Gefängnis sein sollten; sie sollten in psychiatrischen Krankenhäusern sein. Ein großer Prozentsatz der Frauen hat psychische Störungen. Wenn man Leute zusammensperrt, die mental nicht gesund sind, kann das die Hölle für sie sein“, heißt es in Prison Photography.

Warum es bei einer Bevölkerung von über acht Millionen Menschen nur einen einzigen Frauenknast mit damals 180 Insassen gibt, kann sich der israelische Fotograf selbst nicht wirklich erklären. „Ich nehme an, dass es eine Kombination aus verschiedenen Gründen ist, aber ich habe die Dokumentation einer Frau gesehen, die ein Buch über das Neve Tirza Gefängnis geschrieben hat. Sie wurde gefragt, warum es eine so geringe Anzahl an weiblichen Häftlingen in Israel gibt und gab zu, dass sie keine definitive Antowrt hat, aber ihr aufgefallen wäre, dass es nur ein einziges Gefängnis gibt. Also passt das System vielleicht einfach die Häftlinge an den Platz an, der ihm zugeteilt wird. Wenn man keinen Platz hat, an dem man weibliche Insassen verwahren kann, vielleicht verhaften sie dann einfach weniger Frauen? Ich bin mir nicht sicher, aber das war ihre Annahme“, sagt Tomer Ifrah gegenüber ZEITjUNG.

Die geringe Anzahl der weiblichen Häftlinge in Israel deutet aber nicht unbedingt darauf hin, dass alle Inhaftierten dafür umso schwerwiegendere Verbrechen begangen haben. „Die meisten Frauen sind wegen Drogen verhaftet worden, gefangen in einem Teufelskreis. Die meisten sitzen ihre zweite oder dritte Gefängnisstrafe ab. Sie haben keinerlei Möglichkeiten, wenn sie freikommen. Ich glaube, dass das eine allgemeine Tatsache ist, nicht nur hier in Israel“.