Instagram Freethenipple

In Zeiten von Micaela Schäfer und Gina-Lisa Lohfink ist Nacktheit schon lange nichts Außergewöhnliches mehr. Hier ein Nippel, da eine freigelegte Arschbacke und wenn es gut läuft, sind gar keine Kleidungsstücke mehr vorhanden. Anders als zu der Zeit, als Nacktheit nur im Sexualkundeunterricht erlaubt war, ist nackte Haut heute etwas völlig Normales. Wir sind eine aufgeklärte Generation und wissen selbstbewusst mit unserem Körper umzugehen – auch in den Medien. Aber halt. Bitte nicht auf Instagram und Facebook, hier gelten andere Regeln. Bis zur Unkenntlichkeit retuschierte Bilder sind erlaubt und auch Hass-Kommentare sind oft kein Problem, aber doch bitte keine freigelegten Nippel.

 

Freiheit für die Brust: #freethenipple

 

Es ist schon sehr widersprüchlich, dass es in einer Welt voller Sexismus, pornografischer Werbung und Sex-sells-Moral verboten ist, Bilder von weiblichen Nippeln auf Instagram und Facebook zu posten. Die Betonung liegt auf weibliche Nippel, denn gegen männliche Nippel haben die meisten Social-Media-Plattformen nichts einzuwenden. Da sind ja auch extreme Unterschiede zu erkennen. Laut Instagram ist die Nutzung von Kindern der Anlass für diese Zensur. Aber ob 12-Jährige Kinder – im App-Store ist Instagram ab 12 Jahren freigegeben – ein Trauma davon tragen, wenn sie mit Nippeln konfrontiert werden, sei dahin gestellt. Manche „Kinder“ tragen mit 12 Jahren ihr erstes Baby auf dem Arm. Auch Nippel-Bilder, die einen ernsten Hintergrund haben, werden von Facebook und Instagram gnadenlos ausgeschlossen. Das hat auch die Engländerin Rowena Kincaid zu spüren bekommen. Die burstkrebskranke Frau wollte mit einem Bild ihrer Brust, auf die eher unbekannten Symptome der Krankheit aufmerksam machen. Als sie ein Foto auf Facebook postet, auf dem die dunklen Flecken um ihre Brustwarze zu sehen sind, sperrt Facebook das Bild. Begründung: „Entblößte Brustwarzen sind gegen die AGB.“ Obwohl das Bild von Rowena inzwischen wieder zu sehen ist, zeigt dieser Vorfall, wie absurd der Umgang mit nackter Haut auf Facebook und Co. wirklich ist.

 

Esmay Wageman umgeht die Nacktbild-Zensur bei Instagram

 

Vorfälle, wie der von Rowena und die Tatsache, dass männliche Nippel erlaubt sind, aber weibliche gesperrt werden, haben eine besondere Bewegung hervorgebracht. Unter dem Hashtag #freethenipple ziehen Frauen schon seit einigen Jahren blank und posten Bilder von ihren Nippel auf Instagram und Co. Natürlich werden diese Bilder binnen Stunden wieder gesperrt, aber das Statement bleibt. Im Auftrag dieses Statements hat auch die Studentin Esmay Wageman ein besonderes Projekt gestartet. Mit ihrem Projekt Second Skin kritisiert Esmay die selben Punkte, wie der Rest der #freeyournipple-Bewegung, hat aber einen Weg gefunden, die Nacktbild-Zensur bei Instagram zu umgehen. Der Social-Media-Plattform sind die Hände gebunden.

Mit einer selbst entwickelten Haut aus einer speziellen Art Latex legt sie Nippel offen, ohne wirklich nackte Haut zu zeigen. „Am Anfang sollte es eigentlich nur ein konzeptionelles Kunstprojekt sein. Ich war bloß ein bisschen am Experimentieren und wollte sehen, wie weit ich gehen konnte, ohne zensiert zu werden“, sagt die Künstlerin gegenüber the creators project. Die Latex-Haut zeigt zwar nicht den nackten Körper, aber bildet trotzdem das ab, was für Instagram eigentlich ein No-Go darstellt. „Für mich als Künstlerin ist Instagram eine sehr wichtige Plattform. Und ich werde nicht die Essenz meiner Arbeiten ändern, weil sie für die Leute zu schockierend sind oder nicht zu sozialen Normen passen“, erzählt sie. Außerdem ist sie der Meinung, dass gerade die Zensur von weiblicher Nacktheit „die Idee des weiblichen Körpers als Sexualobjekt“ aufrechterhält. „Indem man jungen Teenagern diese Art „normaler“ Nacktbilder vorenthält, präsentiert man ihnen den weiblichen Körper als etwas Sexuelles“, macht Esmay deutlich. Wir finden: Gelungenes Projekt, um Instagram und Co. klarzumachen, dass sie sich mal entspannen sollten.

 

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