Künstler müsste man sein! Da schnappt man sich einen Rucksack, ein bisschen Farbe und ein Bündel Pinsel und reist einfach drauf los. „Travel and Paint“ beschreibt Lion Fleischmann das kreative Pendant zu Travel and Work, das ihn vier Monate lang durch Indien trieb, oder vielmehr treiben ließ – immer auf der Suche nach neuen Wänden und Eindrücken.

Der Münchner Kreativkopf ist 28 Jahre jung und bewegt sich als freier Künstler zwischen Karikaturen, Comiczeichnungen und Illustrationen. Zumindest für den Moment – der Künstler befand sich während der Recherchen noch in einer Art Findungsphase und weiß noch nicht, was morgen ist. Was wir allerdings heute schon wissen ist, dass seine Charaktere unsere Laune und Mundwinkel emporheben. Klickt euch durch die Galerie und überzeugt euch selbst!

 

Das Reisetagebuch eines Künstlers

 

Die Geschichte zu seinen Werken erzählt uns Lion persönlich:

„Mich trugen meine Füße nach Indien – quer durch das Land, mit meinem Rucksack, einem Bündel Pinsel und der Mission, so viele künstlerische Duftmarken zu hinterlassen wie möglich. Wie Bilbo Beutlin schon gesagt hat: „Es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Tür zu gehen. Du betrittst die Straße und wenn du nicht auf deine Füße acht gibst, kann man nie wissen, wohin sie dich tragen.“

Vier Monate lang und 6.000 Kilometer weit zieht sich meine Tour, in ständiger Begleitung meiner Comic-Figuren, die belustigt, schelmisch und teils sogar ein bisschen dämlich von exotischen Wänden grinsen: zwischen verschneiten Berggipfeln, vor Wüstendünen, in Großstädten und am Meer. Nach einer Woche im prügelheißen Delhi führt mich mein Weg in überfüllten Bussen und Jeeps durch den kalten Norden Indiens über kleine Städte und Bergdörfer am Fuße des Himalayas, bis an die Heilige Quelle des Ganges. Von Rishikesh aus geht es mit Bussen und Zügen quer durch Rajasthan, an den Festungen der Maharadschas vorbei bis in die Dörfer der Wüste Thar an der Pakistanischen Grenze, und über Mumbai mit dem Zug nach Goa.

 

Graffiti: Aus dem Herz auf die Wand

 

Die Eindrücke aus diesem wilden Land fließen ungefiltert in mein Skizzenbuch, und die besten und passendsten kommen an die Wand. Die Farbgebung der Figuren wird von der Hintergrundfarbe und Struktur der Wand diktiert. So kann man an den Bildern erkennen, dass in den Bergen die Farben Grün und Blau dominieren und die Wüstenstädte von Sandfarben bestimmt werden – mit Ausnahme von Jodhpur, bekannt auch als „die blaue Stadt“. In Mumbai entstehen im Zuge des ST-ART INDIA Streetart Festivals mehrere Bilder und in Goa am Strand ein großes, aufwendiges.

Sämtliche Bilder entstehen mit Genehmigung. Solange es umsonst ist, scheint kein Inder damit ein Problem zu haben. Meine Figuren sind einfach gehalten, mit wenigen Strichen und Farben, da sie zum Teil unter den widrigsten Umständen gemalt werden mussten: Hitze, Kälte, dünne Luft, Menschenmassen, Dreck und Gestank. Außer das Bild in Goa, das unter Palmen und den angenehmsten Umständen entstanden ist.

Nach vier Monaten ist mein Skizzenbuch voll, meine Farben sind leer und ich sehne mich nach meinem eigenen Bett und einer Kloschüssel statt dem ewigen schwarzen Loch im Boden. Außerdem erzählt mir ein Inder am Ende meiner Reise, dass meine Bilder dank dem Monsunregen in ein, zwei Jahren einem ausgewaschenen T-Shirt gleichen werden. „I´d love to see that“, sage ich. „Another reason to come back“, sagt der Inder. „Sab kuch milaga“ – alles ist möglich!“