So prägen Väter ihre Töchter – ein Leben lang
Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass die Vaterbeziehung sich vor allem auf Töchter, nicht aber auf Söhne auswirkt? Laut Dr. Inge Seiffge-Krenke, Professorin für Entwicklungspsychologie, hat dies unter anderem mit den grundlegenden Charakterzügen der Kinder und Elternteile zu tun.
Väter vermittelten häufiger Werte wie Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, Selbstständigkeit und Vertrauen in die eigene Kompetenz. Mütter setzen vorwiegend auf intensive Gespräche und Auseinandersetzungen mit den eigenen Gefühlen – ein begrüßenswerter Ansatz, der jedoch nicht selten in innerer Unruhe der Sprößlinge resultiert.
Da Mädchen während der Pubertät ohnehin unter einem höheren Stresslevel und stärkeren Selbstzweifeln leiden als Jungen, kommt ihnen die lösungsorientierte Unterstützung ihrer Väter besonders zugute: Die Bindung zwischen beiden Akteuren wird gestärkt.
Jede*r kann die Vaterrolle spielen
Bedeuten diese Erkenntnisse nun, dass Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, prinzipiell schlechter dran sind? Nein, auf keinen Fall. Wichtig ist lediglich, dass es im Leben des Kindes eine Vaterfigur gibt, welche die entsprechenden Aufgaben übernehmen kann. Ob dies der Großvater, ein Onkel, ein Familienfreund oder sogar eine weitere Mutter ist, tut erst einmal nichts zur Sache.
Der Psychologe Andreas Eickhorst weist in diesem Kontext darauf hin, dass „typisch männliche“ Eigenschaften nichts mit dem Geschlecht einer Person, sondern vielmehr mit erlernten Rollenmustern zu tun haben (Quelle: Spektrum).
Was wir inzwischen wissen, ist, dass beide Geschlechter dieselben Kompetenzen haben – abgesehen vom Gebären und Stillen.
Prof. Andreas Eickhorst
Väter verfügen nicht von Natur aus über die oben genannten Charakteristika, sondern erlernen diese in Folge ihrer Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung – wenn sie wollen, können Frauen ihre Kinder demzufolge genauso sehr bestärken und motivieren wie Väter. Wieder einmal zeigt sich also auch hier: Ein Abrücken von sperrigen Geschlechternormen bietet Vorteile für alle Beteiligten.