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BreakingBeck: Warum es falsch ist, Politiker als moralische Instanz anzusehen

Grünen-Politiker Volker Beck wurde angeblich beim Drogenkauf erwischt und hat alle Ämter niedergelegt. Darf sich ein Politiker solche Fehltritte erlauben?

Am Dienstagabend wurde der Grünen-Politiker Volker Beck in Berlin beim Drogenkauf erwischt und hat bereits am Tag darauf seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion und als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe niedergelegt. Ein Politiker mit Drogen – das riecht nach Skandal und die Bild-Zeitung kann nicht weit sein. „Grüner mit Hitler-Droge erwischt“ wurde getitelt. Angeblich will die Polizei 0,6 Gramm Crystal Meth bei Beck gefunden haben.

 

Crystal Meth gilt als eine der gefährlichsten Drogen der Welt. Die Zutaten können in jeder Apotheke gekauft werden, was die Herstellung „vergleichsweise billig“ macht, wie die Zeit berichtet. „Süchtige vergleichen den Rausch daher mit einem Glücksstrudel. Manche Konsumenten bleiben tagelang wach, verspüren keinen Appetit und sind euphorisch. Alles scheint zu gelingen. Zudem kann die Droge die sexuelle Lust steigern. Lässt die Wirkung nach, werden die Süchtigen antriebslos und lethargisch“, heißt es im Artikel. Im Zweiten Weltkrieg wurde Crystal an Soldaten verteilt, um sie furchtloser und leistungsstärker zu machen. Die „Hitler-Droge“ wird allerdings auch heute keinesfalls nur in der Drogenszene konsumiert, sondern auch von Sportlern, Managern, Handwerkern und Müttern. Und eben von Politikern wie Volker Beck.

 

Spott und Häme im Netz

 

Während Becks Parteikollege Kretschmann ihm „ein schweres Fehlverhalten“ vorwirft, wie der Spiegel berichtet, sind die Reaktionen im Netz größtenteils eher spöttisch als entsetzt. Unter dem Hashtag #BreakingBeck machen sich Twitter-User über den, oft als Moralapostel verschrienen, Beck lustig. Die Parallelen zur US-Serie sind die reinste Steilvorlage für Böhmermann und Co. Aber auch härtere Reaktionen sind zu lesen. So schreibt die Junge Freiheit, dass „Volker Beck offenbar keine Sekunde daran denkt, was für verheerende Auswirkungen die von ihm – wie sich zeigt, aus purem Eigennutz – vertretene „liberale Drogenpolitik“ auf junge Menschen haben kann, die sich von ihm verführen lassen“.

 

Hat ein Politiker das Recht auf ein Privatleben?

 

Stimmt das? Hat Becks Drogenkonsum Einfluss auf junge Menschen? Werden Jugendliche von einem Politiker in den Fünfzigern dazu animiert, Crystal Meth zu ziehen? „Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten“, schreibt Volker Beck in der Rücktrittserklärung auf seiner Facebook-Seite. Er macht keine weiteren Äußerungen zu den Anschuldigungen und gibt auch keine Entschuldigung ab. Vielleicht versucht er durch diese Reaktion, von einem Sockel zu springen, auf den Politiker allzu gerne gestellt werden.

Selbstverständlich hat jemand in Becks Position eine Vorbildfunktion und wahrscheinlich auch einen größeren Einfluss auf die Gesellschaft als der Ottonormalverbraucher. Klar ist auch, dass Crystal Meth eine extrem gefährliche Droge ist und nicht verharmlost werden sollte. Aber hat ein Mensch als Politiker nicht auch das Recht auf ein Privatleben? Darf man sich, als Mitwirkender in der Politik, wirklich niemals Fehltritte erlauben?

 

Gelten für Politiker andere Regeln?

 

Ein Politiker sollte sich für die Interessen seiner Wähler einsetzen und versuchen, etwas zu bewirken und zu verändern. Wenn er das tut, was kümmert es uns dann, was dieser Mann in seinem Privatleben macht? Volker Beck setzte sich für die Rechte von Homosexuellen weltweit ein und engagierte sich gegen Antisemitismus und für die jüdische Gemeinschaft. Er ging gegen die Rosa Listen vor und für die Demonstrationsfreiheit in Osteuropa. Er hat sich für vieles eingesetzt und eben auch für eine liberale Drogenpolitik. Doppelmoral kann man ihm also nicht vorwerfen. Stimmen die Anschuldigungen gegen Volker Beck, dann hat er eine Straftat begangen und daraus die Konsequenzen gezogen – nicht mehr und nicht weniger.

Viel zu oft werden Politiker als Menschen angesehen, für die andere Regeln gelten. Während wir abends nach Hause gehen und unseren Beruf Beruf sein lassen, gilt das für Politiker nicht. Wir trennen zwischen Berufs- und Privatleben, ein Politiker aber soll rund um die Uhr Vorbild sein und sich angemessen verhalten. Dabei werden wir viel zu oft persönlich. Ein Politiker ist ein Mensch wie jeder andere, der Fehler macht und Mist produziert, und das eben nicht nur in seinem Beruf. Er hat eine größere Verantwortung als viele andere und sollte sich an gewisse Regeln halten. Er begibt sich freiwillig ins Rampenlicht und muss mit Kritik und Häme rechnen. Ein Politiker ist vieles, aber bestimmt nicht die moralische Instanz, die ihm viele so gerne aufdrängen möchten.

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Bildquelle: Heinrich-Böll-Stiftung unter CC BY-SA 2.0

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