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Warum beste Freunde wichtiger sind als feste Freunde

Beste Freunde sind die, die dich auch dann noch besuchen, wenn du im elften Stock ohne Aufzug wohnst.

Deine besten Freunde wissen mehr über dich als du selbst. Sie kennen dich von A bis Z und haben schon ziemlich viel mit dir durchgemacht. Sie sind diejenigen, die du betrunken anrufst, um ihnen zu sagen, wie lieb du sie hast. Oder dass sie dich 60 Kilometer entfernt bitte bitte bitte abholen müssen. Und sie sind diejenigen, die das tun würden, jedes Mal aufs Neue wieder. Das sind dieselben grandiosen Menschen in deinem Leben, mit denen es auch okay ist, wortlos drei Stunden lang nebeneinander auf der Couch zu liegen und aufs Handy zu schauen. Sie sind nicht nur deine besten Freunde, sondern zusammen seid ihr eine richtige, kleine Gang.

Fester Freund = Bester Freund = Creepy

Eine tiefe Freundschaft ist wertvoller als es eine Beziehung je sein könnte. Wenn ich mich zwischen einer besten Freundin oder einem festen Freund entscheiden müsste, hätte ich bis heute keine einzige Beziehung geführt.

Kurz vorneweg: Nein, das ist kein verbitterter, pseudo-fröhlicher Ich-bin-lieber-Single-Text.

Doch es gibt sie, diese spezielle Sorte Mensch, die ihre festen Freunde auch als ihre besten Freund sehen. Diese Vorstellung finde ich gruselig und sie macht mir zugegebenermaßen ein bisschen Angst. Klar, in einer Beziehung sollten wir ein mehr als enges Verhältnis zueinander haben und uns auch außerhalb des Schlafzimmers gut verstehen. Und wir sollen zusammen all die Dinge tun, die wir auch mit unseren Freunden unternehmen würden. Aber die Gleichung Fester Freund = Bester Freund geht spätestens dann nicht mehr auf, wenn Schluss ist. Dann haben diejenigen nämlich gleich zweimal verloren: in der Liebe und in der Freundschaft. Wenn der Partner zum Ex wird, verschwindet auch der beste Freund und das ist umso schlimmer.

Beziehungen gehen, Freundschaften bestehen

Ich weiß nicht, was ich ohne meine beste Freundin machen würde. Denn nachdem mein Exfreund damals mehr als abrupt Schluss gemacht hat, war sie diejenige, die für mich da war. Wenn er jetzt aber mein bester Freund gewesen wäre, wen hätte ich dann gehabt? Wer hätte mir sonst gezeigt, dass das Leben nach dieser beschissenen Phase weitergeht? Wer hätte mir nachts um halb drei eine heiße Schokolade gemacht, weil ich mal wieder nicht einschlafen konnte? Und während alle anderen mein Gedankenkarussell nur noch mehr angetrieben haben, brachte es meine beste Freundin zum Stehen.

Diese elitäre Position in unserem Leben haben wir ja nicht wahllos mit ausgerechnet diesen Leuten besetzt. Auch wenn es seine Zeit gebraucht hat, denn wer fand seine besten Freunde nicht am Anfang erstmal etwas merkwürdig? Wir haben uns erst langsam aneinander angetastet und uns nicht sofort Hals über Kopf in die Freundschaft gestürzt. Es war zwanglos und hat sich irgendwie so ergeben. Unser gegenseitiges Vertrauen haben wir uns zwar auch erst wie in einer Dating-Phase verdienen müssen, denn Gefühle und Gedanken geben wir nicht einfach so an alle weiter. Aber dabei gab es kein: Will sie wirklich mehr? oder Ist er wirklich schon über sie hinweg? Irgendwann haben wir einfach gemerkt, dass diese zwischenmenschliche Ebene, die wir Sympathie nennen, irgendwie tiefer geht als sonst. Wie der erste Kuss. Nur dass es eben kein Kuss war, sondern die erste ehrliche Umarmung, das erste geteilte Geheimnis, die erste gemeinsame Übernachtung.

Beste Freunde sind wie ein altes Ehepaar

Eine tiefe Freundschaft erreicht Ecken in uns, da kommt die Liebe nie hin. Deshalb könnte ich meiner besten Freundin auch nie ernsthaft böse sein. Selbst dann nicht, wenn sie mich mitten in der Nacht anruft, nur um mir mitzuteilen, dass das letzte Bier wohl schlecht war und sie sich gerade übergeben hat. Gutes Mädchen! Sie ist stolze Besitzerin meiner schlimmsten Doppelkinn-Selfies, weiß alles über mich und könnte Geschichten erzählen, nach denen ich umgehend enterbt werden würde – wäre irgendwie ungünstig, sich genau so jemanden zum Feind zu machen, oder?

Damit eine gute Freundschaft endet, braucht es sowieso mehr als hin und wieder einen kleinen Streit. Sie hört nicht einfach auf, nur weil wir uns gelegentlich gegenseitig hart auf die Nerven gehen. Wenn wir uns aber mit unserem Beziehungspartner immer wieder in die Haare kriegen, fangen wir an zu zweifeln: Passen wir überhaupt noch zusammen, oder wäre es vielleicht besser, wenn…? Und je länger das geht, desto öfter denken wir an sowas ähnliches wie Beziehungspausen und jeder weiß, wie das endet.

Doch eine Freundschaft geben wir nicht so leicht auf. Wenn mal was schief läuft, kriegen wir das sowieso wieder hin und haben nicht nach dem x-ten Mal keine Lust mehr darauf. So wie früher, als man kaputte Sachen repariert hat, anstatt sie wegzuschmeißen. Und das ist es verdammt noch mal wert. Wir können unseren Freundschaftsstatus nicht eben mal auf Single stellen und so etwas wie On-Off-Freundschaften gibt es nicht. Ganz oder gar nicht, go hard or go home.

 

Liebe beste Freunde, danke, dass ihr einfach so seid, wie ihr seid.

 

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Bildquelle: Unsplash unter CC0-Lizenz

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