Warum lässt unser Lernwille nach, wenn wir älter werden?

Keine Lust mehr zum Lernen. // Foto: Pexels

Als Kind haben uns hunderte Dinge brennend interessiert, mit zunehmendem Alter fällt es uns immer schwerer, uns neues Wissen anzueignen. Aber woran liegt das? Der Lernbegleiter Benjamin Jaksch hat versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

Benjamin Jaksch arbeitet bereits seit Jahren mit Menschen zusammen, die ihr Wissen vertiefen möchten: Erst als Nachhilfelehrer, anschließend als Lernbegleiter. In seinem Beruf hilft er sowohl Studierenden als auch Führungskräften dabei, die richtige Lerntechnik zu finden und neu Gelerntes nachhaltig zu speichern. Auch ihm fällt dabei immer wieder auf, dass jüngere Personen eine größere Neugierde mitbringen und wissbegieriger sind als ihre älteren Mitmenschen. Seiner Meinung nach ist diese Beobachtung auf zwei Aspekte zurückzuführen:

Mangel an Vorbildern

Zum Einen macht der Coach im Gespräch mit dem Magazin t3n unsere Gesellschaft für die fehlende Lernbereitschaft verantwortlich: Viel zu oft würden Menschen den Status Quo einfach hinnehmen, ohne bestimmte Strukturen oder Standpunkte aus der eigenen Perspektive zu hinterfragen. Gäbe es in unserem Umfeld mehr Personen, die es sich zur Aufgabe machen, etwas neues zu lernen und zu verstehen, würden wir ihnen automatisch nacheifern und so ebenfalls unseren Horizont erweitern. In der Kindheit wurden wir viel mehr dazu angehalten, Dinge zu entdecken und zu erforschen – doch auch als Erwachsene können wir diesen Aspekt, zumindest zu einem gewissen Grad, selbst in die Hand nehmen: Wer sich mit wissbegierigen Menschen umgibt, erzielt auch für sich selbst einen Vorteil.

Angst vor Fehlern

Der zweite zentrale Punkt hat ebenfalls mit unserem persönlichen Umfeld zu tun: Es ist nicht nur wichtig, mit Menschen in Kontakt zu treten, die uns inspirieren und motivieren, sondern auch solche um sich zu haben, gegenüber denen man Wissenslücken zugeben kann. Wer etwas neues lernen möchte, wird im Laufe dieser Erfahrungen auch Fehler machen – schließlich weiß niemand sofort komplett über ein neues Thema Bescheid. Dennoch fürchten sich viele Menschen davor, Schwächen und Nichtwissen einzugestehen. Benjamin Jaksch erklärt, dass dieses Verhalten mit unserem Bildungssystem zusammenhängt: In der Schule und im Studium sind Fragen und Antworten automatisch an Leistungen geknüpft. Diese Einstellung müssen viele von uns erst wieder verlernen, wenn sie sich im Laufe ihres Lebens weiterbilden wollen. Besonders unter Kolleg*innen sollte also eine entspannte Atmosphäre herrschen, in der wir uns trauen, Rückfragen zu stellen. Wie sagt man noch so schön: Dumme Fragen gibt es nicht. Wer diese Hindernisse überwindet, ist Jaksch zufolge auf dem besten Weg, seinen kindlichen Lernwillen wiederzubeleben.

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Bildquelle: Monstera von Pexels; CCO-Lizenz

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.