So unterschiedlich wohnen Menschen im gleichen Appartement

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Jeder, der nicht gerade den Luxus hat, in einer freistehenden Landhausvilla zu leben, kennt das Problem. Der Nachbar von nebenan duscht grundsätzlich nicht vor ein Uhr morgens, die Heimkinoanlage des ewigen Studenten aus dem 3. Stock unterhält jeden Abend das gesamte Haus und die kreischenden Kinder aus dem 5. müssen sich prinzipiell genau dann lauthals im Innenhof malträtieren, wenn man mal was für die Uni tun muss. Und dann ist da natürlich noch der Nachbar über uns, dem wir regelmäßig beim „Möbelrücken“ zuhören müssen.

Was wissen wir eigentlich von unseren Nachbarn?

Das ist aber in der Regel auch schon alles, was wir von unseren Nachbarn wissen. Sich kurz auf dem Flur zu grüßen, ist für die meisten von uns schon das Höchste der Gefühle. Wer sind diese Menschen eigentlich, mit denen man sich die Hausnummer teilt? Wie heißen die, wie alt sind die und was machen die eigentlich außer Duschen, Sex haben oder Kinder schimpfen noch so?

Dieser Frage wollte wohl auch Bogdan Gîrbovan nachgehen, der mit seinem Projekt „10/1“ die Mischung der sozialen Klassen in seinem Wohnhaus festhalten wollte, die sich nur in ihrem Charakter und ihrer Einrichtung unterscheiden. „’10/1′ besteht aus zehn Fotos, aufgenommen in zehn Einraumwohnungen in einem Häuserblock im Osten von Bukarest“, erzählt Bogdan dem Blog boredpanda. Die 10 Wohnungen seien sowohl von außen als auch von innen identisch.

Das Gebäude auf den Bildern hat Bogdan Gîrbovan aus einem guten Grund ausgesucht: Er selbst wohnt im 10. Stock. Das habe es leichter gemacht, den Nachbarn das Projekt nahe zu legen und sie zu überzeugen, sich von ihm fotografieren zu lassen.

Inneneinrichtung als psychologisches Diagramm

Die Räume auf seinen Fotos bezeichnet Gîrbovan als „psychologisches Diagramm“ der Personen, die in ihnen leben. Für ihn reflektieren sie die Geschichten ihrer Bewohner und deren Bezug zur aktuellen Zeit. Die Bilder des Rumänen zeigen auf beeindruckende Weise, wie unterschiedlich die Menschen sein können, die im selben Haus leben. Und zwar weit über die Inneneinrichtung hinaus.

Es lohnt sich also vielleicht doch, bei der nächsten Begegnung im Flur mehr als das übliche, gegrummelte „Hallo“ herauszubringen und zu erfahren, mit wem wir da eigentlich unter einem Dach wohnen.