Von Melanie Wolfmeier

November 2014. Philae, dieser Weltraum-Roboter, kraxelt über einen träge dahinschwebenden Kometen, fährt seine Fühler aus und lässt sie über die krustige Oberfläche gleiten. Links, rechts, ein bisschen Herumgequirle, nochmal eintunken – fertig! Philae kaut zufrieden an dem grauen Zuckerwattegebilde herum, das sich am Ende seines biegsamen Zusatzbeinchens gebildet hat. Unbekümmert stakst er noch ein paar Zentimeter weiter – bis er schließlich satt und zufrieden einschläft.

Ganz ehrlich? Philae soll an seiner Zuckerwatte ersticken! Während hier auf der Erde sämtliche bebrillte, weiße Kittel tragende Männchen wie verrückt „Staub! Staub! Zehn bis zwölf Zentimeter!“ frohlocken, juckt mich das kein Stück. Statt sich über den Dreck auf einen zu Tode verurteilten Kometen Gedanken zu machen, sollte sich die Wissenschaft lieber einem viel wichtigeren Problem widmen: dem bevorstehenden Aussterben der Kakaobohne!

 

Rettet die Erde, ihr blöden Wissenschaftsfuzzis!

 

Pilzbefall, Dürre in Westafrika – die Zukunft der Schokolade scheint in herbstes Zartbitterschwarz getaucht zu sein. Ein düsterer Ausblick, der mich an den Rand einer Depression drängt. Ohne Schokolade – was für einen Sinn hat die Qual dann noch, die wir hier auf Erden durchstehen müssen?!

Wenn ich „zehn bis zwölf Zentimeter Staubschicht auf Komet XY-ungelöst“ lese, denke ich höchsten: Fuck, mein Zimmer müsste ich auch mal wieder putzen! Aber bei der Nachricht, dass ich in Zukunft ohne Vollmilch-Nuss-Stückchen, Lebkuchen oder Schokoladenpudding auskommen soll – da hört für mich der Spaß auf. Ohne Scheiß, während sich die schlausten Männer des Erdballs um den Ikarusflug eines kometenhaften Staubfängers den Kopf zerbrechen, wird die restliche Lebensdauer der Kalorientafeln auf nur weitere sechs Jahre geschätzt. Und damit: Thema abgehakt, lasst uns lieber weiter an Bomben/Raumsonden/Zeitmaschinen basteln – äh, what the fuck?!

 

No chocolate? No future!


Springen wir mal ins Jahr 2020. Philae wird da wahrscheinlich schon mit seinem todessüchtigen Reisekumpanen im Fegefeuer der Sonne gelandet sein, während sich sämtliche Opfer der wissenschaftlichen Kurzsichtigkeit um das letzte Stück Schokolade prügeln werden. Mich eingeschlossen. Wenn sich die Supermarktregale mit schlechtem Süßigkeitenabklatsch füllen, keine lila Kühe mehr über die Milkaweiden schlendern und die Schweiz nur noch auf Käse setzt – was soll denn dann aus unserer Welt werden? Kriege werden ausbrechen um die letzten Kakaobohnen, Schokoladenkartelle werden im Hintergrund ihre Netze spinnen. Schokobrunnen werden versiegen, Kinder tränenverschmiert nach dem letzten süßen Osterhasen suchen und tausende Chocolatiers mit leeren Blicken in ihren Teigschüsseln rühren. Kurz gesagt: Die Welt wird ein beschissener Ort werden, ohne Trost, ohne Wärme, ohne heiße Schokolade.

 

Mehr Willi Wonkas statt Major Toms

 

Ich. Liebe. Schokolade. Würde mich jemand vor die Wahl stellen, ob ich lieber eine italienische Holzofenpizza oder ein von Zucker ersticktes Mousse au Chocolat als allerletztes Geschmackserlebnis haben wollen würde – ach was, überflüssig. Absolut überflüssig! Wenn es etwas gibt, womit sich über Liebeskummer, kalte Wintertage und Langeweile hinwegtrösten lässt, ist es die zu Zartschmelz verarbeitete Kakaobohne.

Wenn also so ein Wunder gelingt, wie eine Raumsonde um einen dahinschießenden Eisklotz kreisen zu lassen, wie kann es dann so schwer sein, sich ein wirksames Gegenmittel für den Pilzbefall aus den Gehirnwindungen zu saugen? Oder einen Riesensprenkler in Westafrika zu bauen? Ist es denn wirklich so schwer zu erkennen, dass wir uns erst mal den Problemen auf der Erde widmen sollten, bevor wir das restliche Universum erobern?