3 Fragen an Alina: Asexualität – was ist das denn?

Asexualität Alina Schröder

Alina ist Videobloggerin vom Radiosender DASDING. Jede Woche spricht sie in ihrem YouTube-Channel „Alina – die Liebe und der Sex“ über Herzkicks, Herzweh oder die Frage, warum uns die Liebe doch täglich auf dem Herzen rumhüpft – ohne Rücksicht auf Verluste. Aber es gehtauch um Sex: NoGos im Bett, SM oder Dreier – für Alina gibt es keine Tabus! Diese Woche geht es um das Glück, nicht lieben zu können.

Was bedeutet Asexualität eigentlich? Heißt das, man hat keine Lust auf Sex?

Grob zusammengefasst: ja, allerdings gibt es verschiedene Ausprägungen: Asexuelle mit oder ohne Beziehung, mit oder ohne sexuellem Interesse am eigenen Körper. Sie verbindet, dass sie keinen Sex mit einem anderen Menschen wollen. Sie empfinden oft auch keine romantische Liebe. Es gibt sogar Asexuelle, die Sex eklig finden, anderen ist es egal. Das sieht man ganz gut in meinem Interview mit Anja (22) und Nikas (23).

Wie viele Menschen sind asexuell? Gibt es dazu Zahlen?

Das ist schwer zu sagen. 2006 erscheien zum ersten Mal eine Studie zu dem Thema. Sexualforscher der Brock-Uni in Kanada errechneten mit Hilfe einer Befragung in England, dass ca. 1% der Befragten asexuell sind. Allerdings ist es schwer daraus für alle zu schlussfolgern, alleine schon deshalb, weil Asexualität eben sehr unterschiedlich sein kann.

 

Ist Asexualität dann nicht eigentlich sogar ein Vorteil? Schließlich spart man sich damit zum Beispiel Trennungsschmerz…

Ich frage mich seit dem Interview oft, wie es ist, niemanden „hot“ finden, mit niemandem schlafen wollen, nicht mal knutschen. Sich in niemanden auf unerträglich naive Art zu verlieben. Aber auch wie viele Stunden ich hätte nutzen können, arabisch zu lernen statt irgendwelche Nachrichten auf bescheuerte und völlig haltlose Art zu interpretieren. Wie viel Geld hätte ich spenden können, statt in heiße Unterwäsche zu investieren? Auf der anderen Seite: Wie oft haben die Schmetterlinge im Bauch so heftig mit ihren Flügeln geschlagen, dass ich selber geflogen bin? Wo wäre die Gänsehaut, wenn mich jemand in den Nacken küsst oder zum ersten Mal „Ich liebe dich“ sagt? Zurück zur Frage: Ich habe keine Ahnung, wie sich ein Leben ohne romantische Liebe anfühlt oder ohne sexuelle Begierde und ich möchte asexuelle Menschen nicht bemitleiden. Weil sie das nicht wollen und weil es nichts bringt, aber auch weil es wahrscheinlich gar keinen Sinn ergibt. Am Ende sind vielleicht wir, die verliebten Trottel mit den Panikherzen, die beratungsresistenten Egoisten, die treuen Sklaven der Liebe, die viel bemitleidenswerteren Menschen.