Nomophobie: Die Angst, nicht erreichbar zu sein
Der Akku deines Smartphones hält im besten Fall nur noch ein paar Minuten durch und es ist weit und breit keine Lademöglichkeit in Sicht: Für viele Menschen eine schreckliche Vorstellung. Die Angst davor, auf das Smartphone verzichten zu müssen, hat auch einen Namen – Nomophobie.
Smartphones sind ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden: 78 Prozent der Menschen in Deutschland besitzen eines, die durchschnittliche Nutzungszeit beträgt rund drei Stunden und 49 Minuten pro Tag. Zudem vereinen moderne Smartphones immer mehr Funktionen in sich – es ist nicht nur Telefon, sondern auch Navi, Kamera, Zahlungsmittel, Internet-Browser und so viel mehr.
Auf der einen Seite ist die Multifunktionalität des Smartphones ein echter Pluspunkt. So müssen wir nicht mehr zig unterschiedliche Gegenstände bei uns haben, um auf alles gefasst zu sein. Auf der anderen Seite wächst mit jeder neuen Funktion auch unsere Abhängigkeit vom Smartphone. In einigen Fällen ist sie so extrem, dass der Verzicht auf das Smartphone echte Angst bereitet. Ab diesem Punkt spricht man von einer Nomophobie.
Was heißt Nomophobie überhaupt?
In einem Bericht der PFH Private Hochschule Göttingen stellten Forschende folgende Definition auf:
„Nomophobie steht für ’no mobile phone phobia‘. Sie tritt vor allem bei exzessiver Smartphone-Nutzung auf und beschreibt die Angst, vom eigenen Smartphone getrennt zu sein.“
Die Forschenden führten auch eine Studie mit deutschen Proband*innen durch. Da es zu dieser Zeit kein geprüftes diagnostisches Instrument für die Feststellung einer Nomophobie gab, bedienten sie sich an dieser Stelle eines international bereits häufig eingesetzten Fragebogens. Dieser erfasst die Stärke eines „Smartphone-Entzugs“ anhand von vier Kategorien:
1. „Nicht kommunizieren können“
2. „Verbindungsverlust“
3. „Nicht auf Informationen zugreifen können“
4. „Komfortverzicht“
Nomophobie trifft mehr Menschen, als man denkt
An der PFH-Studie nahmen insgesamt 807 freiwillige Proband*innen im Alter von Durchschnittlich 25 Jahren teil. Die Ergebnisse zeigten:
- Fast die Hälfte der Proband*innen (49,4 Prozent) wiesen ein mittleres Maß an Nomophobie auf
- Eine schwere Nomophobie machte sich bei 4,1 Prozent der Teilnehmenden bemerkbar.
Frauen scheinen zudem stärker von Nomophobie betroffen zu sein als Männer. Die mit der Studie abgefragten Werte können zwischen 20 und 140 liegen, wobei höhere Werte für eine stärker ausgeprägte Nomophobie sprechen. Der Durchschnittswert der Männer betrug 54, der der Frauen 63.
Insbesondere in den Kategorien „Nicht kommunizieren können“ und „Komfortverzicht“ zeigten Frauen deutlich höhere Werte auf als Männer. Dies lässt die Forschenden darauf schließen, dass der Grund in einem bei Frauen stärker ausgeprägten Bedürfnis nach sozialen Beziehungen und Kommunikation liegt.
Im Gegensatz zu einer Smartphone- oder Internetsucht handelt es sich bei der Nomophobie um eine Angststörung und nicht um eine Suchterkrankung. Nomophobie und Smartphone-Sucht hängen aber dennoch häufig zusammen. Weitere Ursachen einer Nomophobie können starke FOMO („Fear of missing out“) oder Neurotizismus sein – also eine Neigung zu ängstlichem, launischem und empfindlichen Verhalten. Frühere Studien stellten Zusammenhänge mit Einsamkeit, Depression, Ablenkung und verminderter Impulskontrolle fest.
Was lässt sich gegen eine Nomophobie tun?
Offiziell als Angststörung anerkannt ist die Nomophobie bislang nicht. Das bedeutet leider auch, dass es noch kein etabliertes Therapiekonzept dafür gibt. Das AOK-Gesundheitsmagazin rät in einem Artikel zu diesem Thema daher, zunächst prüfen zu lassen, ob eine ausgeprägte Smartphone-Sucht dahinter steckt oder nicht.
Je nach Ergebnis kann im Anschluss eine Psychotherapie angestrebt werden, oder aber es reicht eine Beratung zu geeigneten Selbsthilfemaßnahmen. Letztere könnten darauf abzielen, Stress zu reduzieren. Wichtig ist außerdem, sich schrittweise an den Zustand ohne einsatzbereites Handy zu gewöhnen – etwa, indem man es beim Essen im Zimmer nebenan oder beim Treffen mit Freund*innen in der Hosentasche stecken lässt.
Folgende Angewohnheiten können einer Nomophobie vorbeugen:
- Die eigene Bildschirmzeit im Blick behalten
- Nutzungsdauer begrenzen (empfohlen sind laut AOK maximal 2 Stunden)
- Benachrichtigungen deaktivieren
- alternative Beschäftigungen suchen, etwa Sport oder Hobbys
- Öfter ohne Handy in der Tasche unterwegs sein, etwa bei Spaziergängen
Bildquelle: Camilo Jimenez via Unsplash, CC0-Lizenz