Paintball: Kriegsspiel oder Freizeitspaß?
Wer kennt es nicht: Man möchte in einer Gruppe etwas gemeinsam unternehmen und sammelt Ideen für eine Verabredung. Neben den üblichen Vorschlägen wie Bowling, Bouldern oder dem Besuch im Escape Room hat sich in den letzten Jahren auch Paintball als kurzweilige Freizeitaktivität etabliert. Doch welche Rolle spielt Gewalt beim Paintball?
Paintball gilt als Mannschaftssport, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten. In speziell dafür ausgelegten Hallen gilt es, taktisch und strategisch zu handeln. Mittels Farbkugeln sollen gegnerische Spieler*innen getroffen und somit aus dem Spiel verbannt werden, sodass sich schlussendlich nur noch Mitglieder aus einer Mannschaft auf dem Spielfeld befinden. Die verbliebene Mannschaft gewinnt damit die Partie.
Trotz seiner Beliebtheit wird der Sport auch kritisiert: Vor allem die Tatsache, dass der Sinn des Spiels darin besteht, sich gegenseitig abzuschießen, stößt einigen übel auf. Deshalb stellt sich die Frage, wie kritisch wir ein solches Spiel eigentlich betrachten sollten. Denn wirft man einmal einen Blick in eine der Paintball-Hallen, dann wird klar, dass es hier sehr wohl auch zur Sache gehen kann. Allein die Ausrüstung mit Schutzanzügen, Helmen und den Schusswaffen kann auf den ersten Blick befremdlich wirken. Die Assoziation mit einer kriegerischen Auseinandersetzung, die als Freizeitspaß herhalten soll, liegt daher für viele nahe.
Die Sache mit den Kriegsspielen
Die Debatte über sogenannte „Kriegsspiele“ ist keine neue, denn seit Jahren schon wird über Videospiele wie „Call of Duty“ oder „Valorant“ und deren mögliche Auswirkungen auf real ausgeübte Gewalt diskutiert. Es wurden schon etliche Theorien aufgestellt, wie sich das Konsumieren medialer Gewaltdarstellungen auf die reale Gewaltbereitschaft einer Person auswirkt. Auch Paintball steht dabei in der Kritik und soll eine kriegerische Situation simulieren, in der zum Spaß auf andere Personen gezielt und geschossen wird. Genau wie bei den Videospielen wird befürchtet, die Hemmschwelle zu tatsächlicher Gewalt könnte dadurch sinken. Allerdings konnte bisher keine der Theorien einen eindeutigen Zusammenhang zwischen simulierter und tatsächlicher Gewalt feststellen – insbesondere, weil in Einzelfällen immer mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Doch auch im Hinblick auf tatsächlich existierende Kriege wird es kritisch gesehen, sich als Freizeitbeschäftigung in eine simulierte Kriegswelt zu begeben.
Eine Frage der Perspektive
Die Frage, ob Paintball nun tatsächlich eine gewaltvolle Kriegssimulation ist oder doch nur einen actionreichen „Abenteuersport“ darstellt, unterliegt in diesem Sinne der persönlichen Einschätzung jedes und jeder Einzelnen. Während kritische Stimmen eine klare Gewaltverherrlichung sehen, ist Paintball für andere ein Sport, der sich vor allem durch Taktik und Strategie auszeichnet.
Viele Befürworter*innen sehen in Paintball außerdem eine willkommene Abwechslung zum Alltag, eine Aktivität, bei der es vor allem um Teamgeist und klare Regeln geht. So darf beispielsweise nicht auf den Kopf eines Mitspielenden geschossen werden. Auch das Zielen auf eine Person, die keinen Helm trägt oder sich weniger als drei Meter entfernt befindet, ist verboten. Paintball-Fans sehen keine Parallelen zu einem Kriegsszenario und stimmen der damit verbundenen Kritik somit nicht zu. Ihnen geht es meist nicht in erster Linie darum, jemanden abzuschießen, sondern um den Spaß im Team und an der Bewegung im Allgemeinen.
Dass das Schießen auf andere, sei es auch nur mit Farbkugeln, kritisch betrachtet werden sollte, liegt auf der Hand. Entscheidend ist bei dieser Abwägung nicht zuletzt auch, mit welcher Motivation die Spieler*innen das Feld betreten. Für viele ist der Umgang mit der Schusswaffe nicht die ausschlaggebende Motivation, um Paintball zu spielen. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob es ein Minigolfschläger nicht genauso täte.
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