Junge Frau macht Yoga an einem See

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und doch brauchen wir sie wie die Luft zum Atmen: Nervige Klientele und unnütze Gegenstände des Alltags, über die man sich so richtig schön echauffieren kann – da geht es den ZEITjUNG-Autoren nicht anders. Deshalb lassen wir unserer Wut in der Reihe „Hassobjekt“ einfach freien Lauf und geraten überspitzt in Rage. Eins ist sicher: Nichts ist uns heilig und keiner wird verschont. Dieses Mal auf der Abschussliste: Frühaufsteher und andere Vorzeigemenschen.

Ich schreibe diese Zeilen um 7:28 Uhr, während ich im Zug sitze, der sich (noch) durch die Dunkelheit der Nacht bewegt. 7:28 Uhr klingt erst einmal gar nicht so früh. Vor allem dann nicht, wenn ich bedenke, dass ich um diese Uhrzeit vor ein paar Jahren täglich auf dem Weg zur Schule war. Aber wenn man in einer Großstadt wohnt und erst einmal durch die halbe Stadt hetzen muss, um zum Bahnhof zu kommen, bedeutet 7:28 Uhr im Zug sitzen eben auch, dass man dafür um 6 Uhr aufstehen muss.

Und obwohl ich früher gezwungenermaßen zu ähnlichen Uhrzeiten aufstehen musste, kenne ich die Welt zwischen 7 Uhr und 9 Uhr morgens mittlerweile quasi gar nicht mehr – denn ich bleibe selten länger als bis 7 wach und stehe wahrscheinlich noch seltener vor 9 auf.

Ich bin aber auch niemand, der vor 12 Uhr mittags nicht aus dem Bett kommt, sondern wohl irgendetwas zwischen Frühaufsteherin und Langschläferin (Kleine Frage am Rande: Wieso gibt es für diese Menschen eigentlich keine Bezeichnung? Kann man nur entweder Frühaufsteher*in oder Langschläfer*in sein? Unmöglich!). Obwohl ich also nicht einmal eine Langschläferin bin, regen mich Frühaufsteher*innen zugegebenermaßen unfassbar auf.

Ich rede natürlich nicht von Menschen, die sich zu solch unchristlichen Uhrzeiten zur Arbeit schleppen müssen. An dieser Stelle: Meinen größten Respekt dafür, ich könnte niemals einen Job machen, bei dem man sich regelmäßig vor um 9 oder 10 blicken lassen muss. Ich rede auch nicht von Menschen, deren Schlafrhythmus sich ihrer Arbeit angepasst hat und nun dafür sorgt, dass sie auch an freien Tagen um 6 Uhr aufwachen.

Nein, ich rede von diesen Personen, die eigentlich bis in die Puppen schlafen könnten, weil sie keine wirklichen Termine haben – aber es eben nicht tun und stattdessen fröhlich um 7 Uhr morgens aus dem Bett springen, sich ein gesundes Frühstück zubereiten und erstmal mit einer Runde Yoga in den Tag starten.

Klassischerweise handelt es sich dabei um vorbildliche und pflichtbewusste Student*innen, von denen niemand so genau weiß, was ihre Pflichten eigentlich sind – vermutlich nicht einmal sie selbst. Menschen, die viel darauf geben, sich als besonders eingespannt darzustellen, es aber eigentlich gar nicht sind oder zumindest nicht sein müssten.