Fanclub-Turnier mit Flüchtlingen: „Schön, dass ihr da seid!“

Fußball Flüchtlinge Turnier

Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gesellschaft schimpft stetig laut über Fußball-Fanclubs und Ultra-Gruppierungen. Durch Unwissen werden Begriffe wie Fanclubs, Ultras und Hooligans vermengt, anstatt differenziert. Grundsätzlich ginge es ja um Provokation, Gewalt und Randale. Auch Medien schüren dieses Feuer immer wieder unreflektiert. In den Köpfen entstehen Bilder, die einen eingefleischten Fußballfan automatisch als Hooligan darstellen. Die Realität sieht aber anders aus. Ein Münchner Fanclub des Vereins Eintracht Frankfurt hat nun gezeigt, dass in Fan-Gruppierungen durchaus eine soziale Ader pulsiert. Adler München ist ihr Name. Sie organisierten ein Fußballturnier mit Asylsuchenden, die derzeit in der Bayernkaserne in München untergebracht sind. Neben den Adlern nahmen andere Fanclubs und Freizeit-Teams teil.

 

„Fußballfans sind medial nur dann Thema, wenn randaliert wird.“

 

Die Bayernkaserne im Münchner Norden ist eine der größten Erstaufnahme-Einrichtungen der Bundesrepublik. Mehr als 1000 Flüchtlinge wohnen dort. Es sind viele junge Männer dabei. Auf dem Weg in ihr Übergangsdomizil erfuhren viele von ihnen Schlimmes. Nun in Deutschland angekommen, sind sie vielerorts mit Antipathien ihnen gegenüber konfrontiert. Faschisten mobilisieren Kundgebungen, es brennen Flüchtlingsheime. Die Adler München wollten deswegen ein Statement setzen. „Die Idee stammt von unserem Vereinspräsidenten und aus der Zeit, als dieser unerträgliche Pegida-Mist gerade Fahrt aufnahm. Wir waren davon so angewidert, dass wir unbedingt einen Kontrapunkt setzen wollten“, erklärt Thomas Schmidt von den Adlern gegenüber ZEITjUNG: “Wir wollten den Geflüchteten, die sich vermutlich unter Lebensgefahr bis nach München durchgeschlagen haben, zeigen: Schön, dass ihr da seid. Lasst uns gemeinsam eine gute Zeit verbringen. Wir freuen uns über euch.“

Ein Projekt, das nicht selbstverständlich erscheint. Und ein großes Ausrufezeichen – es wurde von einem Fußball-Fanclub ins Leben gerufen. Einer gesellschaftlichen Klientel, die medial oft nicht gut wegkommt und für das Fehlverhalten einiger Weniger in Sippenhaft genommen wird. „Fußballfans sind medial nur dann Thema, wenn randaliert wird. Der ’soziale Stellenwert‘ wird nicht unterschätzt, seine bloße Existenz wird allzu oft negiert“, erklärt Thomas Schmidt.

Die Organisation einer so großen Veranstaltung sei ohne Unterstützung nicht machbar gewesen. Sie rannten mit der Idee eines Fußballturniers einige offene Türen ein und sammelten bis zum Turnier jede Menge Geld- und Sachspenden. Ihr Verein, die Eintracht, spendete Trikots, genauso wie ein großes Sportartikelhaus. Getränke-Hersteller sorgten für die notwendige flüssige Abkühlung bei 30 Grad. Außerdem hatte sich der Oberbürgermeister Dieter Reiter bereit erklärt, die Schirmherrschaft zu übernehmen.

 

Integration über den Sport

 

Doch wer sind eigentlich die Adler München? Sie sind ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Gegründet wurde der EFC Adler München – so lautet ihr vollständiger Name – im Jahre 2006. Damals noch eine Handvoll Eintracht-Verrückter, zählt der Fanclub mittlerweile mehr als 100 Mitglieder. Und das Fußball-Turnier war nicht der erste karitative Einsatz der Adler. Im vergangenen Sommer hatten die Adler München spontan eine Spenden-Sammlung für die Opfer der Flut in Bosnien gestartet. Hintergrund für die Aktion war ihre Freundschaft zur Besitzerin der Adler-Stammkneipe „Bei Maria“. Die ist nämlich Bosnierin. Für Thomas Schmidt sind solche Aktionen eine Selbstverständlichkeit: „Als Frankfurter in Bayern, als Zugezogene, sind wir alle selbst Gast in einer Stadt, die uns herzlich aufgenommen hat. Da liegt es doch nahe, etwas zurückzugeben.“

Am Sonntag wurde dann den ganzen Tag gekickt. Jede Mannschaft bestand zu einem Teil aus Fußballfans und zum anderen aus den jungen Flüchtlingen. Und die demonstrierten ihre Skills am Ball vom Feinsten. „Die Jungs aus der Bayernkaserne konnten viel besser kicken als die meisten von uns, sie haben sich richtig reingehängt, aber alles blieb fair und friedlich. Und ich bin jetzt glücklicher Besitzer eines frischen Sonnenbrands“, erklärt Schmidt.

Und eine Überraschung hatten die Adler auch noch parat. Fußball-Legende Jimmy Hartwig kommentierte zusammen mit BR-Radio-Mann Matthias Kammel das Finale. Das Projekt zeigt, dass der Sport die Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, eine enorm integrierende Wirkung besitzt. Das kann Schmidt nur bestätigen: „Als ich mir am Spieltag dann die Gesichter der Jungs so angeschaut habe, da dachte ich – der Stress und die Plackerei haben sich gelohnt.“

 

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Bilder: Patrick Wild

Praktikant: Ei Gude! Ich bin der Dennis und studiere Sportjournalistik. Das Licht der Welt habe ich in der Nähe von Frankfurt erblickt. Wegen der Nähe zu den Bergen und weil München einfach ne’ geile Stadt ist, habe ich mich zum Dasein als Exil-Hesse entschieden. Außerdem bin ich Wintersport-Fetischist. Das lässt sich hier im Süden natürlich besser ausleben. Joa, ich hoffe ich werde euch mit meinen Artikeln unterhalten können!