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Warum es uns Städter in die Berge zieht

Wir waren in Österreich, um einer drängenden Frage nachzugehen: Warum ist Wanderurlaub wieder so beliebt? Gefunden wurde: eine Antwort und der beste Käse.

Von Celina Ponz und Iseult Grandjean

In der Serie „Langes Wochenende“ erzählen ZEITjUNG-Autoren von ihren Kurzurlauben. Es geht ums Ausreißen, Erholen, Abenteuer erleben. Wir stellen Regionen vor, erklären Reisetrends, empfehlen Hotels, Aktivitäten und Restaurants. Dieses Mal: Saalfelden Leogang in Österreich. 

Auf dem Weg zur U-Bahn hastest du die Stufen nach unten. Alles, was dir in den Weg kommt, manövrierst du mehr oder weniger geschickt an dir vorbei. Ein Blick auf die Uhr sagt dir, du bist spät dran. Du bist immer spät dran. Bitte zurückbleiben. In einem Satz springst du durch die sich gerade schließenden Türen. Mit wesentlich mehr Körperkontakt als nötig jagst du durch die Untergründe der Stadt. Draußen scheint die Sonne, aber davon merkst du nichts.

 

Leogang: Wo das rohe Leben kein Trend ist, sondern Alltag

 

„Der nächste Halt ist dann Leogang, gell. Damit ihr’s net verpasst“, der freundliche Schaffner rückt seine Mütze zurecht. Hier in Österreich scheint sich jeder Zeit zu nehmen. Keine Hast, keine Eile. Wir bedanken uns. Als wir den ersten Schritt auf den Bahnsteig setzten, nieselt es leicht. Es riecht nach feuchter Erde und viel Grün. Uns erwartet ein langes Wochenende in den wunderschönen Rivus Appartements, fernab von Coffee to go und hippen Burgerläden. Was wir heute Abend machen? Keine Ahnung, ein Buch lesen vielleicht?

In all dem Überangebot der Großstädte, Sonntag Flohmarkt, Nachmittagsrave und abends noch ins Poweryoga zum Powerentspannen, vergisst man oft, dass es Orte wie in der Region Saalfelden Leogang noch gibt: Hier geht die Uhr anders. Langsamer. Was früher noch nach Foltermethode aller Eltern klang, ist heute wieder beliebter denn je: Wanderurlaub.

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Man braucht wieder Auszeiten, will die Natur mit all ihren Gewürzen und Gewalten spüren; die meisten wollen den perfekten Käse finden und viele auch sich selbst. Und dann schnüren wir die Wanderstiefel und fahren in die Höhe, um uns fallen zu lassen. An Orte, wo Entschleunigung und das rohe Leben kein trendiger Lifestyle sind, sondern Alltag. Das perfekte lange Wochenende ist dabei eine Mischung aus rhythmisierter Selbstüberwindung und taktlosem Wellness: In Leogang in Österreich fallen wir in genau diese Schnittstelle.

 

Klettern ist auch nur Tanzen an der Wand

 

„Vollgas, da geht noch mehr, schneller, gib alles!“, schreit uns unser Kletterlehrer an, während wir mit Stoppuhr im Rücken die Wand in der Halle erklimmen. Georg Kysela ist Gründer der Kletterhalle Felsenfest in Saalfelden bei Leogang und treibt uns dazu an, einmal auf unsere innere ängstlich-fistelnde Städterstimme zu scheißen, die uns vorher noch sagen ließ, bis ganz oben klettere ich heute nicht, das kannst du vergessen. Zehn Minuten später haben wir die gesamte Wand einmal mit verbundenen Augen und einmal in vierzig Sekunden bezwungen. Oder wie Georg zu sagen pflegt: „Klettern ist auch nur Tanzen an der Wand“. Gesichert haben wir uns gegenseitig: Die Selbstüberwindung fand nur im Kopf statt. Kostete nur zwei Paar schwitzige Hände – und dafür gibt es ja Magnesium.

 

Man braucht keine Atemtechnik, um sich entspannen zu können

 

„[He had thought] that in some way he could work the fat off his soul the way a fighter went into the mountains to work and train in order to burn it out of his body“; es ist sehr stimmungsvoll, auf einem Kurztrip in die Berge, auf denen der Nebel in den Wäldern hängt wie ein hartnäckiger Gast und die Luft so würzig schmeckt wie die frisch geräucherte Wurst auf dem Brot, Hemingway zu lesen und natürlich findet er in der Kurzgeschichte „The Snows Of Kilimanjaro“ für unsere Sehnsucht die richtigen Worte: Ein Bergurlaub, auch ein verregneter wie unserer, bei dem wir uns morgens die Klamotten in doppelten Lagen anlegen, ist ja immer auch dazu da, sich innerlich zu entblößen, unnötige Schichten zu verbrennen.

Das geht am besten beim Entspannen in der Sauna und im Wellnessbereich der Rivus Appartements, nachdem man unablässig die Berge hoch- und runtergeheizt ist (der Ort Leogang ist berüchtigt für seinen Downhill-Bikepark). „Bei uns soll man sich eher wie zu Hause als in einem Hotel fühlen, deshalb haben wir auch Appartements statt Zimmer“, sagt Alexandra Nadler, die das Rivus zusammen mit ihrem Mann Thomas im Jahr 2009 gegründet hat.

 

In den Rivus Appartements fühlt man sich wie zu Hause, nur in den Bergen

 

Hier kommen wir perfekt zur Ruhe, haben die Möglichkeit uns in dem großzügigen und gemütlichen Appartement zurückzuziehen, wo ein köstlich gefüllter Wunschkühlschrank auf uns wartete, oder in der Stube bei einem reichhaltigen Frühstücksbüffet in netter Gesellschaft den Tag zu starten. Und unsere verspannten Muskeln lassen wir bei einer wohltuenden Massage lockern.

In Leogang soll man zur Natur finden, ohne sich selbst zu verlieren. Und wenn wir dann im beheizten Außenpool unsere Bahnen ziehen, während die Berge um uns herum aufragen wie sture Könige, fühlen wir uns sich nicht nur sehr weit weg vom ungewollten Körperkontakt in der U-Bahn, sondern vor allem: tiefenentspannt. Völlig im Reinen. Und den besten Käse Österreichs haben wir auch gefunden.

In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Leogang Saalfelden

Mit bestem Dank an Rivus Appartements Leogang

 

 

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Bildquelle: privat

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