Asexualität: „Es fehlt in Deutschland an Aufklärung.“

Regenbogenkerze

Elli, 27

Ich habe glaube ich recht schnell gemerkt, dass ich asexuell bin. Es hat irgendwann einfach „Klick“ gemacht. Andere um mich herum haben, als ich etwa 16 war, angefangen zu daten und sich für Sex zu interessieren. Und ich halt nicht. Das war auch nicht schlimm, eher ein wenig verwirrend. Ich hab erst realisiert, dass ich asexuell bin, als ein Freund sich mir gegenüber geoutet hat. Als ich mich dann schlau gemacht habe, war das dann dieser Moment, in dem alles einen Sinn ergab. Was mein Coming Out angeht: Ich verstecke nichts. Aber ich reibe es auch nicht unbedingt jedem unter die Nase. Am Anfang war es schwer für mich, offen damit umzugehen. Mittlerweile gehört es eben zu mir wie beispielsweise meine roten Haare. Prinzipiell finde ich zwar, dass es niemanden etwas angehen muss, welche Orientierung ich habe, aber ich will auch nicht als heterosexuell angesehen werden, wenn ich es einfach nicht bin. Als würde man sagen, ich sei blond – es stimmt einfach nicht. Ich hoffe, ich erlebe noch, wie Outings überflüssig werden. Mein Umfeld weiß jedoch, dass ich asexuell bin. Meine Mama hat erst eine Weile gebraucht, um es zu verdauen. Ihre erste Reaktion war: „Du findest schon den Richtigen.“ Ich habe ihn gefunden, und, was soll ich sagen, ich bin immer noch asexuell. Abgesehen davon waren die Reaktionen größtenteils positiv. Viele in meinem Umfeld machen sich jedoch Sorgen, ob mein Freund in unserer Beziehung denn auch wirklich glücklich ist. Das ist sehr verwirrend. Und es hilft auch nichts, dass es in den Medien immer noch recht wenig Repräsentation gibt. Im Fernsehen weiß ich gerade von zwei Charakteren, die asexuell sind. Die LGBTQIA-Community ist sowieso sehr unterrepräsentiert, aber zwei Charaktere in den riesigen Weiten der Filme und Serien sind buchstäblich nichts. Ich war super aufgeregt, als Todd in Bojack Horseman erkannt hatte, dass er asexuell ist, weil ich noch nie eine asexuelle Person irgendwo in irgendwelchen Medien gesehen habe. Wir brauchen dringend mehr asexuelle Charaktere. Gesellschaftlich wäre es ein Anfang, wenn einfach mal mehr Leute wüssten, was asexuell überhaupt ist. Es nervt, dass ich, wenn ich davon erzähle, immer bei Null anfangen muss. Und ich würde mir auch wünschen, dass Leute aufhören zu denken, wir wären krank und oder unglücklich. Das wäre ein Anfang.

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