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Asexualität: „Es fehlt in Deutschland an Aufklärung.“

Beim Thema Asexualität stoßen viele Menschen noch auf einige Klischees und Vorurteile. Wir haben mit drei von ihnen gesprochen.

Homosexualität ist den meisten Menschen ein inzwischen relativ geläufiger Begriff, ebenso wie Transsexualität. Asexualität findet in Medien und Gesellschaft jedoch kaum Erwähnung, was die große Wissenslücke diesbezüglich erklärt. Asexuell ist ein Begriff, der oft mit verallgemeinernden Vorurteilen erklärt wird: „Das ist doch das, wo man keinen Bock auf Sex hat, oder?“ Meist reicht das Wissen über Asexualität nur bis dahin, und nicht weiter. Doch auch Asexuelle können Sex haben, Partner/innen haben und in einer glücklichen Beziehung sein. Sie sind nicht unbedingt unglücklicher als andere Menschen auch, doch das Konstrukt, dass in einem erfüllten Leben auf jeden Fall Sex benötigt wird wie Sauerstoff, hält sich bis heute hartnäckig. Und das sollte sich ändern, denn Asexualität ist eine feststehende sexuelle Orientierung, mit der sich gar nicht so wenige Menschen identifizieren, wie fälschlicherweise angenommen wird. Wir haben mit drei Menschen gesprochen.

 

Robyn Lars, 18

Auf das Label asexuell bin ich zum ersten Mal auf Instagram gestoßen. Ich habe einen Bild zum Thema LGBTQ+ gesehen, und mich daraufhin durch gefühlt tausend Posts gekämpft, bis ich einen Beitrag gesehen habe, der Asexualität erwähnt hat. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, was das heißt,  aber ich habe mir von diesem Post mal einen Screenshot gemacht. Danach habe ich ein bisschen gezielter recherchiert, und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich vermutlich asexuell bin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, dass sich sexuelle und romantische Orientierung unterscheiden können. Damals dachte ich auch noch, sexuell an anderen interessiert zu sein. Im Rückblick habe ich mir das wahrscheinlich selbst nur eingeredet, aber trotzdem habe ich die Idee, asexuell sein zu können, wieder verworfen. Einige Zeit später habe ich dann das Split Attraction Model entdeckt und war so erleichtert, dass es doch möglich ist, asexuell zu sein und mich trotzdem romantisch zu anderen hingezogen zu fühlen. Irgendwann bin ich dann trotzdem zu dem Schluss gekommen, dass ich aromantisch bin. Ich merke, wie viel komplizierter meine romantische Orientierung für mich ist als meine sexuelle. Dass ich asexuell bin, ist für mich schon seit langer Zeit klar, aber meine romantische Orientierung hinterfrage ich gefühlt alle paar Monate neu.
Für mich ist auch wichtig zu wissen, wie unterschiedlich asexuelle Menschen mit Sex umgehen können. Einige finden den Gedanken, selbst Sex zu haben, abstoßend. Einigen ist es egal, sie haben vielleicht nicht unbedingt Spaß daran, aber es ist für sie auch nicht schlimm. Dann gibt es wiederum auch welche, denen es Spaß macht, Sex zu haben. Asexualität damit gleichzusetzen, dass man keinen Sex hat, ist glaube ich die Sache, die die meisten missverstehen.
Es ist erstaunlich schwierig, das auf deutsch zu formulieren, ich bin inzwischen so an die englischen Formulierungen gewöhnt, weil so gut wie alles an Aufklärung auf Englisch ist. Deutschsprachiges Material ist sehr dringend notwendig.
Thema Coming Out: ich bin vor meinen Eltern, meinem ehemaligen Freundeskreis und meinem jetzigen Freundeskreis geoutet. Mit meinen Eltern lief es tatsächlich sehr gut, auch wenn ein paar Fragen meiner Eltern auf Vorurteilen beruhten. Bei jetzt ehemaligen Freunden war die erste Reaktion „Das kannst du noch gar nicht wissen“, was unglaublich verletzend war, vor allem weil ich mich fast ein Jahr, nachdem ich mir sicher war, dass ich asexuell bin, geoutet habe. Nach meinen Outing ist das Verhältnis zu vielen Menschen um einiges schlechter geworden, weil man mit mir nicht mehr über Sex, Jungs oder Beziehungen reden konnte, was unter anderem einer der Gründe war, warum ich nicht mehr mit ihnen befreundet bin. Ein anderer Grund ist mein Trans-Outing und die Reaktionen darauf, aber das ist nochmal eine ganz andere Sache.
In meinem jetzigen Freundeskreis bin ich komplett geoutet, einige sind auch selbst asexuell und die, die es nicht sind, gehen damit wirklich gut um. Sie behandeln mich deswegen nicht auf negative Weise anders.

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