Class120: US-Eltern spionieren ihre College-Kinder aus

Donnerstagmorgen: Du hast es mal wieder nicht in die Vorlesung geschafft. Kein Stress. Oder? Wie würdest du es finden, wenn zehn Minuten später eine sorgenvolle oder auch hasserfüllte Nachricht von deinen Eltern kommt: „Kind, was machst du nur aus deinem Leben!?“ Nicht so geil!

So oder ähnlich ist genau das jetzt aber zur Realität für einige amerikanische Studenten geworden. Wie das geht? Gar nicht so schwer, sogar verdammt einfach eigentlich: Die App Class120 gibt amerikanischen Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder zu „tracken“. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auf der Website lässt sich wie folgt lesen: „Our company was founded on a simple but powerful premise: we can help more students succeed in college.“ Ein ziemlich populistisch anmutendes Video erklärt auch den letzten besorgten Eltern das System:

„Das ist alles nur zu deinem Besten!“ Helikopter-Eltern möchten ihre Kinder gar nicht kontrollieren, nein, sie wollen nur das Allerbeste – und ein Kind mit anständigem Abschluss. Und sind dann auch bereit, jährlich schlanke 200 Dollar für Class120 zu zahlen. Dafür bekommen sie 24 Stunden Überwachung und das wärmende Gefühl, dass ihr Kind im Moment in der Vorlesung sitzt und nicht Drogen in Tijuana nimmt. Diese Eltern haben nämlich auch amerikanische Collegefilme gesehen. Gut zu wissen – und offenbar gut investiertes Geld für viele amerikanische Super-Eltern: Mit ständig steigenden Nutzerzahlen entwickelt sich Class120 immer mehr zu Amerikas Studentenschreck.

Nur mal theoretisch: Class120 bei uns? In einem hypersensibilisierten Land wie Deutschland, was die Überwachung von Privatleuten angeht, scheint so ein System zwar noch in weiter Ferne, aber die Vergangenheit hat auch gezeigt, wie schnell scheinbare Trends es rüber zu uns schaffen. Ziemlich schnell. Jetzt mal aus Elternsicht gesehen, ist das in Zeiten von G8 und minderjährigen Studienanfängern vielleicht gar keine schlechte Idee. Der Spross, gerade erst dem wohlbehüteten Elternhaus entflogen, könnte so vielleicht einfach nur noch ein kleines Stück weiter auf seinem Weg in Richtung Selbstständigkeit begleitet werden.

 

Studenten müssen feiern!

 

Könnte dann aber vielleicht ein spaßbefreites Studium werden, ganz ohne Freunde und schlechte Erstsemesterparties. Und das, liebe Eltern, ist vielleicht das Wichtigste, das euer kleiner Augenstern während seines Studiums lernt: Es gibt da auch noch etwas außerhalb deines kleinen, beschränkten Horizonts. Und da gehören nun mal auch die beschissenen Parties, die schmerzhaften nächsten Morgende und die nicht bestandenen Klausuren dazu. Get over it und lasst euer Kind in Ruhe, für einen Bachelor reichts auf jeden Fall!

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