Corona und Übersterblichkeit: Die Todeszahlen im Vergleich

Eine Frau bei der Arbeit. Sie trägt Maske und Schutzkittel.

Seit Beginn der Pandemie sind in Deutschland knapp 60.000 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben (Stand 03.02.2021). Trotzdem behaupten einige Stimmen noch immer, die Sterberate wäre nicht höher als die der Grippe. Stimmt das? Um die Corona-Todeszahlen besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Sterbefallstatistik.

Klar ist: Die Corona-Pandemie hat unser Land hart getroffen. Besonders die letzten Monate des Jahres 2020 werden mit traurigen Rekorden in die Geschichtsbücher eingehen: Im Dezember lag die Übersterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu den vergangenen vier Jahren bei ganzen 29 Prozent. Damit starben so viele Menschen wie seit 1969 nicht mehr – ein Großteil der Todesfälle ist auf Infektionen mit dem Virus zurückzuführen. Genau wie die Infektionszahlen unterscheidet sich allerdings auch die Anzahl der Corona-Toten von Bundesland zu Bundesland. Während Länder wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise unbeschadet durch die Krise kamen, hat Sachsen schon lange mit stark erhöhten Fallzahlen zu kämpfen. Zwischenzeitlich war die Situation so angespannt, dass es nicht einmal mehr möglich war, alle Toten rechtzeitig einzuäschern – und das, obwohl einige Krematorien ihre Öfen Tag und Nacht laufen ließen. Diese schrecklichen Zustände spiegeln sich auch in der Statistik wieder: Im Dezember 2020 starben in Sachsen mehr als doppelt so viele Menschen wie in den Vorjahren. Im internationalen Vergleich der Übersterblichkeit liegt Deutschland bislang im Mittelfeld: Während die Sterbefälle in den USA und in Großbritannien stark zunahmen, kam es in Ländern wie Dänemark nur zu sehr geringen Abweichungen. Betrachtet man das gesamte Jahr 2020, verzeichnet Deutschland einen Zuwachs von fünf Prozent.

Trotz allem darf man natürlich nicht vergessen, dass nicht alle Todesfälle auf das verhängnisvolle Virus zurückzuführen sind. Auch andere Krankheiten spielen weiterhin eine wichtige Rolle: So bleiben Herz-Kreislauf-Krankheiten mit über 330.000 Verstorbenen die häufigste Todesursache in Deutschland, gefolgt von Krebserkrankungen mit knapp 240.000 Fällen. Diese Daten stammen aus dem Jahr 2019, die aktuelle Statistik liegt momentan noch nicht vor. Da es bei den entsprechenden Krankheiten jedoch nicht zu signifikanten Schwankungen kommt, können sie auch für 2020 herangezogen und mit den Corona-Todeszahlen verglichen werden. Dabei zeigt sich: Covid-19 wird 2020 voraussichtlich auf dem achten Platz der häufigsten Todesursachen landen. Damit liegt eine Infektion mit Corona unter anderem hinter psychischen Befunden wie Demenz, allerdings vor Nerven- oder Stoffwechselerkrankungen. Betrachtet man die internationale Ausbreitung des Virus, stellt man fest, dass die Auswirkungen noch weitaus dramatischer sind: Mit über 1,8 Millionen Todesfällen im Jahr 2020 wird Covid-19 aller Voraussicht nach Tuberkulose als weltweit tödlichste Infektionskrankheit ablösen.

Und was ist jetzt mit der Grippe? Auch für diese Erkrankung liegen für das Jahr 2020 noch keine verlässlichen Informationen vor. Allerdings gibt es Daten zur ungewöhnlich starken Grippewelle 2017/2018, die damals rund 25.100 Menschenleben forderte – eine durchaus beachtliche Zahl, die die Frage aufwirft, ob nicht auch während der Influenza-Saison spezielle Hygienemaßnahmen umgesetzt werden sollten. Solange man die Ergebnisse nicht auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, sind an der Grippe also deutlich mehr Menschen gestorben – betrachtet man jedoch ein einzelnes Jahr, fallen die Zahlen im Vergleich zu tödlich verlaufenden Covid-19 Infektionen weitaus geringer aus. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die folgenschwere Infektionskrankheit bald in den Griff bekommen. Um dem Coronavirus endgültig den Kampf anzusagen heißt es also weiterhin: Zuhause bleiben, Kontakte vermeiden und – wenn möglich – Ärmel hochkrempeln für die Impfung.

Folge ZEITjUNG auf FacebookTwitter und Instagram!
Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.