„Musik machen ist meine Pause“: Dissy im Interview

Ein junger Mann mit Hoodie vor blauem Hintergrund

Mit über 100.000 monatlichen Hörer*innen auf Spotify gehört Dissy alias Till Krücken zu den aufstrebenden Stars der Deutschrap-Szene. Am 5. Februar 2021 erscheint seine EP „bugtape side b“ – eine Konzeptplatte über Selbstzweifel, verlorene Liebe und die Probleme unserer Zeit. Wir haben mit dem Berliner Rapper über inspirierende Künstler*innen, seine Meinung zum Modus-Mio-Hype und frühe Hip-Hop-Anfänge am Kassettenrekorder gesprochen.

ZEITjUNG: Wie bist du überhaupt dazu gekommen, Musik zu machen?

Dissy: Die ersten Versuche, eigene Musik zu produzieren, hatte ich mit Programmen wie Magix Music Maker, wo man nach dem Baukastenprinzip alles zurechtschieben kann. Was dabei entstanden ist, hab ich dann mit dem Kassettenrekorder aufgenommen – das waren so meine allerersten Steps. Irgendwann hat mir dann jemand eine gebrannte DVD mit ein paar Ballerspielen zugesteckt, wo auch Fruity Loops [virtuelles Tonstudio, Anm. d. Red.] drauf war. So ein Typ aus nem Videospielladen meinte mal zu mir, das wäre das beste Programm, um Musik zu machen, also hab ich damit ein bisschen rumgespielt und auch relativ schnell meine erste eigene „Platte“ aufgenommen. Allgemein hatte ich aber auch einfach Bock auf Rap: Zu der Zeit war das noch nicht so ein beliebtes Ding, weshalb sich in meiner Kleinstadt relativ schnell ein Kern gebildet hat, von Leuten, die das eben auch gefeiert haben. Dadurch haben sich bei mir auch ganz viele neuen Freundschaften ergeben.

Deine alten Alben und EPs klingen noch weniger düster und dystopisch als die bugtapes. Was hat dir dabei geholfen, deinen persönlichen Stil zu finden? Oder meinst du, du bist eher noch auf der Suche?

Beim bugtape haben wir einfach ne Menge Sachen ausprobiert und einfach ein bisschen mehr ausgerastet, als bei den alten Platten, zum Beispiel haben wir ja viel mit analogeren Geräten experimentiert. Klar, meine Handschrift kristallisiert sich da schon raus und ist in jedem Song irgendwie erhalten, trotzdem würde ich sagen, ich bin eigentlich ständig auf der Suche nach neuen Styles. Ich hab immer Bock auf neue Soundwelten und nutze gerne die komplette Range aus, was man ja auch auf den bugtapes merkt: Da sind Songs wie „Du hast mein Herz im Darknet verkauft“, was ja zumindest vom Sound her etwas positiver ist, genau so gibt es aber auch härtere Tracks. Die nächsten Releases werden glaube ich ein bisschen klarer sein und weniger experimentell. Aber genau das hat mir am bugtape eigentlich so gefallen, dass wir da mal ein bisschen neue Wege gegangen sind.

Ein junger Mann mit blauen Augen schaut in die Kamera

Du produzierst ja auch viele deiner Videos und die Beats für deine Tracks selbst. Bist du in deinem Kopf eher Rapper, Regisseur oder Produzent – oder einfach eine Mischung aus allem?

Ich glaube, ich bin eine Mischung aus allem, verzichten könnte ich jedenfalls auf nichts. Momentan brenne ich schon ein bisschen mehr für die Musik und versuche, mich erst einmal darauf zu konzentrieren, aber immer wenn ich Texte schreibe oder Songs produziere, habe ich sofort auch eine Idee im Kopf, wie man das visuell umsetzen könnte. Ich mag es besonders gern, mich mit anderen auszutauschen und etwas zu entwickeln, was auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit dem „Dissy-Kosmos“ zu tun hat. Das ist für mich total geil, weil man sich da viel mehr ausleben und nochmal ganz andere Stimmungen bedienen kann.

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.