Corona-Pandemie treibt Kinderheirat in die Höhe

Eine Frau liegt im Bett und schaut traurig. Das Foto ist schwarz-weiß.

Während bei uns Zehntausende gegen die Maskenpflicht demonstrieren, haben Menschen in ärmeren Ländern ganz andere Sorgen. Durch die Pandemie verloren viele ihre Arbeit – und damit ihre einzige Einkommensquelle. Wer seine Familie nicht mehr ernähren kann, greift oft zu harten Mitteln: Die Zahl der Mädchen, die in jungen Jahren verheiratet werden, ist seit dem Ausbruch des Virus drastisch gestiegen.

Weltweit werden jährlich etwa 15 Millionen Kinder vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet – die meisten von ihnen sind Mädchen. Die Gründe für die frühe Eheschließung sind vielfältig, oft steht jedoch die finanzielle Situation im Vordergrund. Potenzielle Ehemänner bieten der Familie der Braut häufig eine Mitgift an: Nahrung, Vieh oder bares Geld. Viele Eltern, die Schwierigkeiten haben, für ihre Kinder zu sorgen, sehen oft keinen anderen Ausweg, als die Angebote anzunehmen. Diese Entscheidung hat fatale Folgen für die jungen Frauen: Mädchen, die derart früh verheiratet werden, haben oft keinen Zugang mehr zu Bildungseinrichtungen, da sie ihre Ausbildung im Zuge der Ehe abbrechen müssen. Zudem werden viele junge Bräute kurze Zeit nach der Hochzeit schwanger – in vielen Fällen ist ihr Körper jedoch noch nicht dazu bereit, ein Kind auszutragen. Das führt dazu, dass jedes Jahr etwa 70.000 Mädchen an den Folgen einer Schwangerschaft sterben.

In den letzten Jahren hatte sich die Situation in Bezug auf Kinderehen deutlich verbessert. So konnten durch den Einsatz von Hilfsorganisationen und entsprechende Bemühungen der betroffenen Länder weltweit knapp 80 Millionen Eheschließungen verhindert werden. Durch die Corona-Pandemie werden aktuell jedoch schätzungsweise 500.000 Mädchen mehr verheiratet, als erwartet. Allein in Indien wurden zwischen März und Juni 2020 5214 Ehen geschlossen, bei denen die Braut unter 18 Jahre alt war. Die Zahl der schwangeren Minderjährigen könnte sogar um bis zu einer Million steigen, wie ein Bericht der Initiative „Save the Children“ zeigt. Dies lässt sich, wie bereits erwähnt, auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zurückführen, die viele Familien in ärmeren Ländern in den Ruin treibt.

Save the Children“ fordert die Regierungen weltweit dazu auf, Mädchen insbesondere während der Corona-Pandemie mehr Gehör zu verschaffen und aktiv gegen Kinderehen vorzugehen. Mit einem Beitrag an gemeinnützige Organisationen, die sich gegen die Verheiratung von minderjährigen Mädchen einsetzen, könnt auch ihr dabei helfen, dieses Vorhaben zu unterstützen. Von euren Spenden können beispielsweise Aufklärungskurse oder Weiterbildungsmaßnahmen für betroffene Kinder finanziert werden.

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Bildquelle: Unsplash; CCO-Lizenz

Aufgewachsen im Münsterland, zwischen Bauernschaften, Fahrrädern und Dorfpartys. Schreibt seit dem Kindergartenalter, von Kurzgeschichten bis hin zu News-Artikeln, liebt Musik, Sonne, gutes Essen und Gespräche über Gott und die Welt.