Dein Kumpel ist die beste Medizin: Warum Freunde Schmerzen lindern

Freunde lindern Schmerzen

Einen sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache – und ganz besonders dann, wenn es dir körperlich nicht gut geht.

Schmerzen gibt es in vielen Facetten. Es gibt die, die sich irgendwie so ertragen lassen… Bauchschmerzen oder ein verstauchtes Gelenk sind zwar unangenehm, aber wir können es meist ertragen. Und dann gibt es diese unerträglichen Pisser unter den Schmerzen: Zahnschmerzen, Blasenentzündung, Migräne. Sie schießen uns oft ganz plötzlich in den Körper, lassen uns auf dem Zahnfleisch kriechen, holen das Schlimmste aus uns heraus und verwandeln uns in unseren schlimmsten Albtraum. In diesen Momenten werden sogar die radikalen Medikamentengegner unter uns auf einmal tiefer Verehrer von Ibuprofen 600 – geheiligt seist du, Pharmaindustrie.

Nun gibt es eine wunderbare Alternative – sie ist homöopathisch, zwar leider nicht vegan – dafür aber bio: deine Freunde. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Scientific Reports konnten Forscher nun beweisen, dass sich Schmerzen exponentiell mehr aushalten lassen, je größer dein Freundeskreis ist.

Leiden Menschen unter Einsamkeit, sind dieselben Nervenzellen aktiv wie bei körperlichen Schmerzen

Die Rechnung der körpereigenen Hausapotheke funktioniert ungefähr so: Mehr soziale Bezugspersonen in deiner Nähe, desto mehr Botenstoffe in deinem Körper, desto mehr Endorphine. Und Endorphine sind toll, wir mögen sie. „Endorphine sind die natürlichen Schmerzkiller unseres Körpers und geben uns dieses herrliche Gefühl des Wohlbefindens“, sagt die Experimentalpsychologin Katerina Johnson im Interview mit der Zeit. „Sie sind aber auch als Botenstoffe eingebunden, wenn es um den Aufbau von Beziehungen geht – auch deswegen fühlen wir uns so gut, wenn wir unsere Freunde sehen und in Gemeinschaft Schönes erleben.“

Das Experiment erinnert uns an den Sportunterricht:
Über 100 Studenten mussten sich dafür mit dem Rücken gegen die Wand lehnen, die Knie im 90 Grad Winkel beugen und halten. Wer das am längsten hielt, war in der Win-Win Situation. Zum einen bedeutet das, dass sie einen relativ fitten Körper haben – zum anderen war es genau die Gruppe der Studenten, die einen großen Freundeskreis an ihrer gestählten Seite verzeichnen kann. Die Luschen unter den Teilnehmern gaben wesentlich früher ihren brennenden Oberschenkeln nach. Nicht nur, dass sie damit eindeutig gezeigt haben, dass sie mehr Sport treiben sollten – nein. Es waren auch die, die über weniger Freunde und Bekanntschaften verfügen. Die Schmerztoleranzgrenze war vor allem abhängig von der Anzahl guter Bekannter, „die äußerste Schicht des Freundeskreises“. Prämisse dafür ist, sich wenigstens einmal im Monat, aber seltener als einmal pro Woche zu treffen.

Studien zeigten bereits auf, dass Aufgeschlossene einen größeren Endorphin-Ausschuss aufweisen können als Schüchterne.

Und jetzt kommen wir zum medikamentösen Aspekt der Freundschaft. Unser eigenes System der Schmerzlinderung übertrifft die Wirkung von handelsüblichen Opiaten. Teilnehmer, bei denen das in der Psychotherapie eingesetzte Arzneimittel Naltrexon den Opioid-Rezeptor im Gehirn blockte, empfanden nicht nur größere Schmerzen, sondern auch einen Mangel an freundschaftlichen Kontakten.

Was das heißt? Im Endeffekt bedeutet es, dass sich soziales Verhalten und Interaktion sich durchgehend positiv auf das Schmerzerleben auswirken – auch ein wichtiger Aspekt in der Psychotherapie. Bei psychisch kranken Menschen lässt sich häufig ein geringer Freundeskreis vermerken, die Signalweitergabe über den Opioid-Rezeptor ist beeinträchtigt und blockt dadurch auch zu einem gewissem Teil das Endorphin der eigenen Körper-Apotheke. Wie intensiv wir Schmerzen wahrnehmen, liegt dabei weitgehend in der Modulation und der Verarbeitung der ankommenden Signale im Gehirn.

Tanze, lache und musiziere – es hält dich gesund, Baby.

Schon in der Frühzeit waren Gemeinschaften entscheidend für das Überleben des Menschen. Die Kontaktaufnahme wird seit jeher von unserem Endorphin-System unterstützt und getriggert durch all die schönen Dinge, dir wir so zusammen machen. Zusammen zu tanzen, zu jammen und zu kichern verstärkt nicht nur das Gefühl des Zusammensein, sondern mindern somit auch unsere Wehwehchen. Weniger Alleinesein bedeutet positiverweise auch weniger Stresshormone im Blut und damit einhergehend ein geringeres Risiko an Schlaganfällen und Herzinfarkten. Freundschaften ersetzen feuern auch unser Immunsystem an, Grippe und Blasenentzündungen können wir uns damit quasi an den Hut stecken.

„Sowohl die Quantität als auch die Qualität unserer sozialen Beziehungen beeinflussen die Gesundheit und sogar unsere Lebenserwartung“, sagt Katerina Johnson. „Als Spezies haben wir uns zwar über Jahrtausende ein Umfeld mit vielen Kontakten geschaffen, doch in der digitalen Ära ist der Mangel an sozialer Interaktion vielleicht ein übersehener Faktor, der zur nachlassenden Gesundheit in vielen modernen Gesellschaften beiträgt.“

Also nochmal kurz: Ab auf’s Radl und zu deinen Lieblingsmenschen düsen – deine Gesundheit dankt es dir.

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Bildquelle: Seth Doyle via Unsplash unter cc0