Ist die große Liebe letztendlich nur eine Entscheidung?

Beziehung ist eine Entscheidung

„Entscheidungen zu treffen – das ist eine Entscheidung, für die sich niemand mehr entscheiden will“, schreibt der Kabarettist Florian Schroeder in seinem Buch. Und wir finden er hat recht. Eine Beziehung? Sehr gerne! Nur entscheiden können wir uns für keine.

Der Generation-Y werden unzählige Eigenschaften zugeschrieben. Flexibel sollen wir sein, kreativ, immer erreichbar und verbunden mit der großen Welt da draußen. Selbstverwirklichung wird groß geschrieben, der Spaß steht im Vordergrund. Und die Familie, nicht der Beruf. Das heißt, wenn es denn mit der Liebe klappt, denn beziehungsunfähig soll sie sein, die Generation-Y. Sagt man zumindest. Und allem Anschein nach geht der Trend zum Mingle-Dasein, irgendeinem Stadium zwischen einer ernsthaften Beziehung und dem Single-Leben.

Man fragt sich, ob das wirklich sein kann, man schaut sich um und sieht ja doch Paare herumirren in der verkorksten Welt der Generation-Y. Denn was uns alle verbindet, ist der Traum von der großen Liebe, der Wunsch nach dem perfekten Partner/der perfekten Partnerin. Jemanden, der uns versteht und kennt, noch bevor wir es selbst getan haben. Doch zu einer richtigen Beziehung kommt es dann oft doch nicht. Nur das Problem ist nicht die verpasste Beziehung selbst, sondern vielmehr die verpasste Entscheidung dafür.

Das eigene Ich als größtest Projekt

Nicht ganz umsonst wird die Generation-Y auch oft als Generation-Me bezeichnet. Im Prinzip sind wir ein großer Haufen Egoisten, unser ganzes Leben dreht sich nur um uns und darum, wie wir es am besten in Szene setzen. „Wir sind mit uns selbst beschäftigt. Wir werden zu unserer eigenen Marke“, schreibt Michael Nast und charakterisiert damit eine ganze Generation. Wir wollen uns selbst verwirklichen im Beruf sowie im Alltag. Unser ganzes Leben ist ein Statement und jedes kleine Detail wird zu einem wahnsinnig wichtigen Baustein unsrer selbst: „Mode, Musikrichtungen oder Städte, in die man zieht, Magazine, wie man sich ernährt und in letzter Konsequenz auch die Menschen, mit denen man sich umgibt“, erklärt er in der Berliner Zeitung.

Immer schön authentisch sein, das ist die oberste Priorität. Und schließlich werden sogar die Menschen, mit denen wir Zeit verbringen, zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, der Partner zum passenden Rahmen unseres Selbstbildes. Aber zufrieden geben wir uns eigentlich nie. Vielleicht kommt da ja noch etwas „Besseres“, das die eigene Darstellung noch schöner umrahmt? Wieder trauen wir uns nicht, uns zu entscheiden, denn da könnte ja die „perfekte“ Partnerin oder der perfekte Partner kommen. Völliger Unsinn – Perfektion ist eine Utopie!

Die Qual der Wahl

Entscheiden muss man sich immer dann, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt. Das ist ja grundsätzlich eine super Sache, denn die Möglichkeit zu entscheiden, ist mit einem großen Stück Freiheit verbunden. Wir haben das Glück, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, immer und überall eröffnen sich uns unendlich viele Wahlmöglichkeiten. Egal, ob es darum geht, was wir mittags essen oder für welches Studium wir uns entscheiden. Wohin wir in den Urlaub fahren, welchen Film wir gucken. Entscheidungen prägen unser Leben, aber oft wird unser größtes Privileg zu einer einzigen Qual.

Laut der Zeit hat die Hochschulkonferenz im Wintersemester letzten Jahres 16.634 Studiengänge in Deutschland gezählt. Ein Angebot, das unsere Vorstellungen längst übersteigt, und mal ganz ehrlich, über das sich niemand auch nur ansatzweise komplett informiert. Wäre ja auch völlig absurd, denn wenn es Zeit wird für eine Entscheidung, dann entsteht sie aus dem Gefühl heraus. Klar, man kennt seine Vorlieben und Stärken und kann so schon den größten Teil aller Möglichkeiten außer Acht lassen. Übrig bleibt trotz allem noch eine große Anzahl an Studiengängen, die das Interesse wecken. Deswegen erfordert die endgültige Entscheidung für einen einzigen Studiengang vor allem Mut und die Kraft eine Entscheidung zu treffen, für die man später einsteht. Und genauso ist es doch bei einer Beziehung auch. Wir wissen grob, wonach wir suchen, aber haben wir dann eine Person gefunden, verpassen wir es meistens, Vollgas zu geben.

Trau dich – Entscheidungen machen glücklich!

Glückliche Beziehungen gibt es trotzdem viele, auch in der Generation-Y. Da sind beispielsweise Eleni und Daniel, 33 und 34 Jahre jung und mittlerweile seit 16 Jahren zusammen. „Eine Rarität“, schreibt die Welt und fragt die beiden, wie so etwas in der heutigen Zeit überhaupt funktionieren kann: „Liebe unter jungen, hippen Menschen, die auch jederzeit jemand anders haben könnten“. Die Entscheidung für eine Beziehung sei mit das Wichtigste, sagen sie. Denn die große Liebe ist nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem auch eine Entscheidung. Beide sagen: „Sicher verguckt man sich über so viele Jahre auch immer wieder in andere Menschen, schwärmt.“ Aber das sei völlig in Ordnung. Streits und Tiefpunkte in einer langen Beziehung sind unvermeidbar, aber die kann man leicht überstehen, denn man hat sich entschieden. Für seinen Partner, für die große Liebe.

Sich so entschieden zu wissen, bringt dann nicht nur das Gefühl für den Partner/ die Partnerin zurück, sondern macht obendrein auch noch glücklich. Das hat der Psychologe Mauricio Delgado von der Rutgers Universität in einer neuen Studie herausgefunden. Denn sobald man sich aus freien Stücken für eine Option von Vielen entscheiden kann, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Das Wissen also, sich selbst und frei für einen Menschen im Leben entschieden zu haben, bringt uns nicht nur der großen Liebe ein großes Stück näher, sondern macht uns ganz einfach glücklich. Ein Privileg, das noch gar nicht so lange so selbstverständlich ist, wie heute.

Wir sollten uns also endlich trauen und auf ein Gefühl eine Entscheidung folgen lassen. Hören wir auf, uns hinter einer ganzen Generation zu verstecken, die fälschlicherweise als beziehungsunfähig bezeichnet wird. Wir alle sind soziale Wesen, immer auf der Suche nach Liebe und deswegen mit Sicherheit nicht unfähig eine Beziehung zu führen – was für ein Quatsch! Alles, was wir brauchen, ist ein wenig Mut, einfach mal auf Vollgas zu gehen, wenn das Gefühl stimmt. Stürzen wir uns mit einer einfachen Entscheidung in eine Beziehung, die wir uns doch ohnehin immer wünschen! Und betrachten wir das Privileg, entscheiden zu können, als Schlüssel zum Glück. Der großen Liebe nämlich.

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Bildnachweis: Joe St. PierreInstagramFacebookFlickr

Autorin: Ich soll hier schreiben, wer ich bin. Leider weiß ich das oft selbst nicht genau. Ich werd´s trotzdem versuchen: Ich bin eine Träumerin, hoffnungslos naiv und nicht allzu selbstbewusst. Wäre gerne flexibler, liebe es, zu reisen und kreativ zu sein. Kochen und Essen ist neben Schreiben meine große Leidenschaft. Momentan mache ich bei ZEITjUNG ein Praktikum und freue mich schon auf alle Erfahrungen, die ich während dieser Zeit sammeln darf. In meiner Freizeit bin ich am liebsten draußen, manchmal bringe minderjährigen Flüchtlingen aber auch Deutsch bei. Ansonsten, immer auf der Suche nach mir selbst.