Die stille Qual: Warum Hochfunktionale Depression oft unerkannt bleibt
Risiken im beruflichen Kontext
Bestimmte Berufsgruppen sind besonders häufig von hochfunktionalen Depressionen betroffen. Laut Hildebrandt treffen die Merkmale dieser Erkrankung insbesondere auf Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie im mittleren Management zu. In diesen Bereichen sind Arbeitnehmer oftmals als „Sandwich“ zwischen unterschiedlichen Hierarchieebenen eingespannt und erfüllten vielfältige Erwartungen. Trotz hoher Arbeitsbelastung und Stressfaktoren sei es für diese Menschen eine Selbstverständlichkeit, ihre Aufgaben gewissenhaft und erfolgreich zu erledigen. Hierdurch nähmen sie jedoch auch das Risiko in Kauf, ihre Belastungsgrenze zu überschreiten.
Hildebrandt betont, dass in vielen Fällen die Sorge, als unfähig oder schwach zu gelten, Betroffene daran hindere, rechtzeitig Hilfe zu suchen. Dabei sei es entscheidend, diese Grenzen frühzeitig zu erkennen und aktiv dagegen zu steuern.
Entlastung durch Kommunikation und Prävention
Um eine hochfunktionale Depression gar nicht erst enstehen zu lassen, empfiehlt Hildebrandt Maßnahmen, die Stress reduzieren und die körperliche sowie psychische Gesundheit unterstützen. Eine offene Kommunikation im privaten und beruflichen Umfeld kann dabei helfen, Überlastungen frühzeitig zu erkennen und zu entschärfen. Durch gezielte Entspannungstechniken und sportliche Betätigung kann zusätzlich ein Ausgleich geschaffen werden.
Betroffene sollten zudem darauf achten, sich immer wieder Ruhepausen zu gönnen und die eigenen Grenzen zu respektieren.
„Achtsamkeit mit sich selbst ist ein wichtiger Schritt, um eine Depression zu verhindern.“
Michelle Hildebrandt
Wer die Frühwarnzeichen erkenne und anspreche, könne das Risiko einer Verschlimmerung der Symptome deutlich reduzieren.
Diagnose und Therapie: Hilfe frühzeitig annehmen
Im Gespräch mit dem Spiegel unterstreicht Hildebrandt die Bedeutung einer rechtzeitigen Diagnose und der Annahme von therapeutischen Angeboten. Gerade Menschen mit hochfunktionalen Strukturen fänden häufig erst spät den Weg in die Therapie, da sie lange das Gefühl hätten, die Situation alleine bewältigen zu können. Dabei ist die Bereitschaft, sich auf psychologische Unterstützung einzulassen, ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg.
Gleich weiterlesen:
- Immer mehr Frauen befreien sich vom Druck der Schönheitsideale
- Kurbelt schlechter Schlaf die Gehirnalterung an? Neue Studie entdeckt Zusammenhang
- Großer Altersunterschied in Beziehungen: Wann er zur Belastung werden kann
Folge ZEITjUNG auf Facebook, TikTok und Instagram!
Bild: Pexels, CC0-Lizenz