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Durchgesuchtet: Die Simpsons – witzig, intelligent, sozialkritisch

Die Serie „Die Simpsons“ nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie parodiert und hinterfragt alles. Nun schon seit unglaublichen 30 Jahren.

Mit Superlativen sollte man nicht um sich schmeißen. Aber ich denke, ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass „Die Simpsons“ die Fernsehserie ist, die mich in meinem Leben am meisten beeinflusst hat. Meinen Humor, meine Eloquenz, meine Affinität zur Populärkultur, all das hat die Serie vermutlich nicht nur geprägt, sondern zu einem Gewissen Teil sogar definiert. Anderen ging und geht es sicher ähnlich. Und das seit 30 Jahren, denn so lange läuft „Die Simpsons“ nun schon.

Eigentlich nur als Lückenfüller gedacht

Als die Familie Simpson erstmals im Fernsehen zu sehen war, hatte sie noch gar keine eigene Fernsehserie. Marge, Homer, Lisa, Bart und Maggie Simpson waren ursprünglich bloß ein Lückenfüller für die Sketch-Sendung „The Tracey Ullman Show“. Zwischen den Sketchen mit echten Schauspielern sollten animierte Simpsons-Shorts, nur wenige Minuten kurz, die Show ein wenig auflockern. Schnell erlangte die Familie Simpson bei den Zuschauern eine solche Beliebtheit, dass das verantwortliche Network Fox darüber nachdachte, den Simpsons eine eigene Serie zu spendieren. Knapp zwei Jahre, am 17. Dezember 1989, flimmerte in den USA dann die erste Episode von „Die Simpsons“ über die Bildschirme.

Nachzeichnen und überzeichnen für jede Menge Wortwitz und Humor

Was „Die Simpsons“ auszeichnet, ist der Umstand, dass die Serie den Alltag einer US-amerikanischen Familie nachzeichnet und diesen in einem Mikrokosmos überzeichnet. Dadurch entstehen die Grundsäulen, die die Serie bis heute auszeichnen: Wortwitz, popkulturelle Anspielungen, Ironie, Sozialkritik, und, auch das darf bei einer Sitcom nicht fehlen, manchmal einfach nur ganz stupider Slapstick-Humor. Diese Mischung ist es, die „Die Simpsons“ von so vielen Seiten zugänglich macht. Der eine mag auf die versteckten Anspielungen auf andere Serien oder Filme lauern, während der andere sich einfach nur an der Comedy erfreut.

Was ein Spanferkel mit Respekt und Akzeptanz zu tun hat

Als Beispiel sei hier die Episode „Lisa the Vegetarian“ genannt. Die achtjährige Lisa wird in dieser Episode zur Vegetarierin. Überzeugt davon, dass nur Vegetarismus der richtige Weg ist, mutiert sie zum „Moralapostel“: Auf der Grillparty im Garten der Familie ist sie wütend, da sämtliche Gäste ihre Gazpacho verschmähen („Gazpacho? Geh damit zurück nach Russland!“). Daraufhin „entführt“ Lisa das Highlight der Grillparty, nämlich das Spanferkel. Im Verlauf ihrer Flucht trifft sie auf einen Bekannten, und zwar Apu, den Verkäufer im örtlichen „Kwik-E-Mart“. Als sie ihm davon berichtet, dass sie es nicht verstehen könne, wie die anderen einfach so Fleisch essen könnten, berichtet er ihr, dass er Veganer sei. Nun ist Lisa diejenige, die in der vermeintlichen moralischen Zwickmühle steckt. All diese Erlebnisse machen Lisa klar: Nur, weil man selbst eine bestimmte Ansicht vertritt, muss man sie seinen Mitmenschen nicht aufzwingen. Im menschlichen Miteinander geht es um Respekt und Akzeptanz – heute vielleicht mehr, als jemals zuvor.

„Paul is dead“ auf die Schippe genommen

Der Humor in besagter Episode kommt, auch dank eines Gaststars, nicht zu kurz. Paul McCartney, überzeugter Vegetarier, kommt mit Lisa ins Gespräch. Hier schafft es das „Die Simpsons“-Autorenteam prächtig, die „Paul is dead“-Verschwörungstheorie auf die Schippe zu nehmen. So sagt Paul McCartney zu Lisa in Bezug auf einen seiner Songs: „Wenn du ‚Maybe I’m Amazed‘ rückwärts abspielst, erhältst du das Rezept für eine schmackhafte Linsensuppe!“ Die Episode endet damit, wie das gestohlene Spanferkel durch die Luft fliegt, während im Hintergrund besagter Paul-McCartney-Song läuft. Ein Bild für die Götter.

Auch dank Harvard-Absolventen einfach „sophisticated“

Das „Time“-Magazin hat „Die Simpsons“ zur besten TV-Serie des 20. Jahrhunderts ernannt. Sowohl im Bereich der „echten“ Medienwissenschaften als auch in der Populärwissenschaft wird „Die Simpsons“ immer wieder analysiert und interpretiert. Das zeigt sich auch in einer wahren Flut an Büchern: „Die Simpsons“ wurde unter anderem schon mit der Mathematik, der Philosophie und der Psychologie in Verbindung gebracht. Dass die Serie derart „sophisticated“ ist, mag auch daran liegen, dass hier nicht irgendwelche Autoren und Produzenten am Werk sind. Zum „Die Simpsons“-Team zählen hochintelligente und talentierte Leute, die Abschlüsse der Harvard University und anderer Elite-Unis besitzen. Zum Beispiel Conan O’Brien, der heute in den USA einer der bekanntesten Late-Night-Show-Moderatoren ist. Oder Brad Bird, der später unter anderem bei den Filmen „die Unglaublichen“ und „Mission Impossible: Ghost Protocol“ als Regisseur fungierte.

Der Wegbereiter für „South Park“, „Bojack Horseman“ & Co.

Das alles verdeutlicht: „Die Simpsons“ ist nicht irgendeine Serie, sondern war bahnbrechend. Sie hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass animierte Sitcoms als Primetime-Material für Erwachsene ernst genommen werden. Und damit den Weg für Serien wie „South Park“, „Family Guy“, „Bojack Horseman“ und „Rick and Morty“ geebnet. Matt Groening, Schöpfer der Familie Simpson, gab einmal die meines Erachtens beste Definition für einen guten Witz. Er sagte „A joke is something you don’t expect“. Dieser Gedanke hat „Die Simpsons“ perfektioniert.

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Bildquelle: Pixabay unter CC0-Lizenz

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