#FragenNachZahlen mit Helgi Jonsson: „Was hasst du momentan am meisten?“

Helgi Jonssons Musik klingt so, wie sich ein Urlaub in Island anfühlen muss – mystisch, ein wenig melancholisch. Der Musiker verarbeitet Eindrücke von der Natur und dem Leben in seiner Heimat in Akkorden, Texten, akustischen Gitarrenklängen und ruhigen Vokals. Wir haben Helgi Jonsson vor seinem Konzert in München getroffen.

ZEITjUNG: Wie bist du zur Musik gekommen?
Helgi Jonsson: Ich bin in einem sehr musikalischen Elternhaus aufgewachsen. Ich wollte immer schon Musik machen. Als Kind musste man mich zwar zwingen, in eine Musikschule zu gehen, aber das lag daran, dass ich so schüchtern war. Daher mussten meine Eltern mich regelrecht kaufen, jedes Mal, wenn ich zur Musikschule gegangen bin, durfte ich mir danach ein kleines Spielzeug aussuchen. Das hat natürlich funktioniert. Danach gab es keinen Weg zurück und durch die Musik konnte ich meine wirklich gravierende Schüchternheit überwinden.

Warum hast du dann mit Posaune angefangen?
Gute Frage, mein älterer Bruder spielte Klarinette. Mit 5 Jahren bin ich mit ihm zu den Proben seiner Blaskapelle gegangen und habe zugeschaut. Aus irgendeinem Grund hat mich die Posaune fasziniert. Mit 7 habe ich dann selbst angefangen.

Wann hast du entschieden, die Musik zu deinem Beruf zu machen?
Als ich 5 Jahre alt war habe ich eine Popsendung im Fernsehen gesehen und sagte danach: Ich will Sänger werden. Ich bin dann zur Musikschule gegangen, später habe ich Musik in Österreich studiert. Bis ich 23 war, habe ich gezielt nur Posaune gespielt, ich wollte erstmal Posaunensolist sein. Dann bekam ich so schreckliche Schulterprobleme, dass ich immer weniger spielen durfte und konnte. Schlimm war, als mir irgendwann klar wurde, dass ich vom Posaunenspiel nicht leben kann. Ich habe begonnen, Klavier und Gitarre zu spielen und selbst Lieder zu komponieren. Letztendlich habe ich durch meine Schulterprobleme zu meinem jetzigen Weg gefunden. Das war etwas Gutes, verpackt in einer negativen Erfahrung.

Mittlerweile hast du ja selbst eine Familie, bist Vater von drei Kindern und mit der dänischen Musikerin Tina Dico verheiratet. Welche Rolle spielt die Musik in deinem Privat-, in eurem Familienleben?
Natürlich eine wahnsinnig große Rolle. Wir machen sehr viel Musik. Tina Dico ist meine Frau, eine wunderbare Sängerin, Liedermacherin und Musikerin, wir arbeiten ja auch zusammen. Momentan sind wir zu zweit auf der Bühne unterwegs. Wir schreiben Musik zusammen, musizieren zum Teil den ganzen Tag. Unser Ältester ist 7, er möchte jetzt anfangen, Klavier zu spielen. Unser Alltag ist voll mit Musik – aber natürlich auch mit „Nicht-Musik“. Wir suchen immer noch nach der perfekten Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Es ist ein unendlicher Balanceakt, aber das Leben ist dennoch wunderbar, wir leben vom Musik machen und für uns könnte es nichts schöneres geben.

Wie wichtig ist es euch, euren Kindern einen Zugang zur Musik zu ermöglichen?
Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben, wenn sie es möchten. Wir wollen nichts forcieren. Unser Sohn fängt jetzt, mit 7 Jahren an, Klavier zu spielen. Es gibt so viele wichtige Dinge im Leben. Wenn unsere Kinder es möchten, gehört für sie auch die Musik dazu. Die Entscheidung überlassen wir ihnen aber selbst.

Viele deiner Lieder sind auf isländisch, drückst du dadurch deine Heimatverbundenheit aus?
Tatsächlich sind die meisten Lieder auf Englisch. Ein paar sind auch isländisch, vielleicht 1 von 10. Jede Sprache hat ihren eigenen Klang, ihre eigene Melodie, ihren eigenen Wortlaut. Das fließt auch in die Musik mit ein. Ich tue bei englischen Texten oft so, als seien sie isländisch, verleihe ihnen eine bestimmte Note, die für manche Ohren exotisch klingt. Es ist wie eine Fantasiesprache, weder englisch, noch isländisch. Meine Frau schreibt meine Texte, sie ist eine wunderbare Lyrikerin. Ich sage oft, dass der Text englisch sein, aber wie isländisch klingen soll. Das ist für sie zwar eine Herausforderung, aber sie schafft es jedes Mal.

Warum der isländische Klang?
Isländisch ist meine Muttersprache, es hat einen super Sound und passt gut zu den Melodien meiner Songs. Menschen aus dem Ausland denken wirklich oft, es sei isländisch, was ich singe. Man könnte sich fragen, warum ich dann nicht mehr Texte auf isländisch schreibe. Die Antwort ist ganz einfach. Ich bin zu faul. Meine Frau schreibt meine Texte und sie schreibt einfach lieber auf englisch.

Was schätzt du an deiner Heimat?
Ich fühle mich mit Island sehr verbunden. Wir sind natürlich durch die Musik viel unterwegs, dann ist es immer wunderschön, nach Hause zu kommen. Die Heimat wird dadurch noch besser.

Was vermisst du am meisten, wenn du weg bist?
Wenn wir nur wenige Tage weg sind, fahren wir ohne unsere Kinder. Dann natürlich meine Kinder. Ansonsten sind sie immer dabei. Island schafft es auf eine gute Art und Weise dir das Gefühl zu geben, klein zu sein gegenüber der Natur. Man fühlt sich zwar klein, aber auch geborgen. Das ist eine gute Voraussetzung, um etwas zu erschaffen, um kreativ tätig zu sein. Die Kälte, die Dynamik im Wetter, in der Natur. Das spiegelt sich auch in meiner Musik wider.

 

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Bildquelle: Tina Dico

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