Einstellungssache: Etwas wie dieses Jahr 2020 kann man sich nicht ausdenken!

Mann steht am Fluss

Dieser Text stammt von @hanjokoch, Autor von „Working on a new me“.

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Puh … das war mal ein Jahr! Ein Jahr, das ich auf diese Weise noch nie erlebt hatte. Etwas ähnlich Einschneidendes hatte ich vor fast 20 Jahren durchlebt, aber nach dem 11. September 2001 waren die Folgen irgendwie ganz anders als jetzt. Oder zumindest auch über ein deutlich kürzeren Zeitraum.

Was war da los dieses Jahr?

Seit Februar diesen Jahres fing ich zum Ende jeder Woche an zu sagen: „Was für eine krasse Woche!“ Und die Woche danach wurde irgendwie wieder heftiger, anders oder unvorhersehbar. Wir waren im Krisenmodus, als eine Messe nach der anderen abgesagt und prompt eine Messegruppe nach der anderen bei uns ihre Hotelzimmer stornierte, als Geschäftsreisende im Minutentakt ihre bevorstehenden Buchungen strichen, Schulungen und Konferenzen reihenweise abgesagt wurden, als wir Hotels vorübergehend komplett schlossen und allesamt ins Home Office und den Lockdown gingen.

Krisenmanagement: Hier haben wir täglich mehr dazu gelernt als uns jedes Tages-Seminar hätte beibringen können: Bei uns kamen ständig so viele neue Situationen, dass wir auf „Learning by doing“ umstiegen, quasi bereits den nächsten Kurs durchlebten, während wir den vorherigen aufarbeiteten und an unsere aktuelle Situation anpassten.

1. Grundlagen des Krisenmanagements: check ☑

2. Bilden eines Krisenstabs: check ☑

3. Strategie und Leadership: check ☑

4. Gesetzliche Grundlagen/AGBs/Arbeitsrecht: check ☑

5. Umgang mit Unsicherheit und Ängsten: check ☑

6. Krisenkommunikation: check ☑

7. IT und Infrastruktur: check ☑

8. Business Continuity Management: check ☑

9. Fallbeispiel „Betriebsunterbrechung/Produktionsausfall“: check ☑

10. Maßnahmen für einen erfolgreichen Turnaround: check ☑

Eine Sache des Mindsets

Im mittlerweile ganzjährigen Krisenmanagement war etwas für mich die Basis geworden: meine Einstellung gegenüber der aktuellen Situation. Anstatt dauernd zu grübeln „Warum passiert uns das gerade eigentlich?“ schaltete ich auf „Was versucht dies mir gerade beizubringen, was kann ich aus dieser Situation lernen?“

Persönlich gelernt habe ich, dass ich sehr gut mir mit alleine klarkommen kann, ich mich gezwungener Maßen im Alltag viel mehr mit mir beschäftigen kann: Gewohnheiten anpassen und ändern (u.a. durchs Home Office, aber auch Habit Coaching), Investition in mich selbst schaffen (mit Podcasts hören, Home Gym Sportübungen und -Kursen), an mir selbst arbeiten (durch Reflektion in Blogbeiträgen), Zusammenschrift des Blogs in ein Buchformat (und dann als eBook und Taschenbuch veröffentlichen).

Gleichzeitig habe ich gelernt, wie unfassbar wichtig soziale Nähe und soziale Kontakte für mich sind, wie viel wert es ist, dass man sich immer wieder mit Menschen austauscht (dazu gehören Familie, Freunde, Nachbarn, Kollegen und Kunden), dass man ein Umfeld hat, dass man Dinge mit anderen Face-to-Face erlebt, dass man live über das sprechen kann, was einen gerade bewegt. Es gibt sicher Menschen, die die ganze Zeit ganz gut mit einer gewissen Distanz zu ihren Mitmenschen leben können. Ich gehöre definitiv nicht dazu.

Und für mich ist Dankbarkeit etwas, das wieder stärker in den Fokus gerückt ist:

Ich bin meinen Eltern dankbar, dass ich schon in jungen Jahren an so viele Orte mitreisen durfte — das ist nicht selbstverständlich. In den aktuell strikten Reisebeschränkungen habe ich so einige Erinnerungen und Fotos von anderen Orten und Ländern. Und die vielen kleine Probleme in meinem Alltag sind für andere Menschen vermutlich viel schwierigere — was ich für mich auch nicht als selbstverständlich ansehe. Zum letzten Jahreswechsel hoffte ich, dass 2020 das Jahr würde, in dem ich alles bekäme, was ich mir wünschte: jetzt weiß ich, dass 2020 das Jahr ist, in welchem ich für alles dankbar bin, das ich bereits habe.

Gibt es Parallelen zum 11. September?

Wie war ich eigentlich damals mit der Situation umgegangen, nach dem 11. September 2001? Zu dem Zeitpunkt war ich gerade mal 2 Wochen vorher in die USA umgezogen, hatte lange einen Haufen Kohle fürs Visum und die Lebenshaltung da drüben angespart. Und auf einmal hing die gesamte Existenz an nur zwei Möglichkeiten:

1. LIFO-Konzept: Entweder sagte das Management mit „Last In First Out“ kurz und schmerzlos Tschüss, oder

2. Change Management: Es wurden mit Hilfe des Six Sigma Managementsystems Lösungen gefunden, uns Mitarbeiter sinnvoll weiter zu beschäftigen?

Es war die Nummer zwei: Aufgrund des enormen Sicherheitsempfindens, dass dann verständlicherweise herrschte, fanden wir uns in Security-Uniformen und mit Funkgeräten ausgestattet wieder. Und patrouillierten für die nächsten 3 Monate permanent über alle Hotelflure, durch sämtliche öffentliche Lobbys, die Tiefgarage, Außenbereiche sowie Lagerräume, um für die wenigen Gäste immer präsent zu sein und ihnen die Unsicherheit und Ängste zu nehmen.

Warum das alles? Nun, das Hotel in Atlanta war das höchste der westlichen Hemisphäre, ein Wolkenkratzer mit 73 Stockwerken und 1.000 Zimmern, in der selben Stadt wie CNN und Coca-Cola (die damals als nächste Anschlags-Ziele der westlichen Kultur klassifiziert waren). Und als am 11. September der gesamte Flugverkehr gestoppt wurde, blieb uns am Abend nichts anderes übrig, als tausende gestrandete Passagiere auch bei uns aufzunehmen — gerade bei uns, in einem Hochhaus nur 35 Etagen kleiner als das World Trade Center … aber trotzdem ein riesiges Hochhaus, was für eine Symbolik! Jeder hätte da doch lieber in einem Bungalow übernachtet, stimmt’s? Auch damals wurde uns von jetzt auf gleich der Boden unter den Füßen weggezogen, mit anschließender Betriebsunterbrechung, -einschränkung sowie Turnaround-Maßnahmen. Und in dieser Situation war unser Turnaround von normaler „Dienstleistung geben“ zu „Sicherheit vermitteln“ ein so wichtiger gewesen. — 9/11 war bis dato übrigens einer der wenigen Tage in meinem Leben, wo ich noch jetzt exakt sagen kann, wo genau ich um 08:45 Uhr war.

Ausblick

Statt des Rückblicks hätte ich natürlich viel lieber einen Ausblick gehabt: Was erwartet uns denn nun in 2021? Wann ist alles wieder so wie früher, gesundheitlich als auch wirtschaftlich? Aber weil das in der Wirklichkeit so wenig vorhersehbar ist, fahre ich lieber weiterhin „auf Sicht“ und von Woche zu Woche. Und lasse das Alte hinter mir und freue mich immer wieder auf Neues!

• Auf Herausforderungen, an denen ich persönlich wachsen kann.

• Mit denen ich auch dem Unternehmen Nutzen bringe.

• Durch die eine strahlende Zukunft kommen wird … our future is bright!

Weitere Tipps und persönliche Erfahrungsberichte findest Du in Hanjo‘s Buch „WORKING ON A NEW ME

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Bildquelle: Hanjo Koch

Im Kölner Umland mit Rievkooche und Halve Hahn aufgewachsen, hat es mich mittlerweile in die Hauptstadt von Weißwurst, Hendl und der Wiesn verschlagen — ein Kölsches Herz schlägt schließlich überall. ❤️