LiebesLeben: FOMO – Muss man wirklich alles ausprobieren?

Frau die durch die Berge rennt

Katja Stenzel malt mit Sprache Bilder auf ihre Wortleinwand. In ihrer Kolumne nimmt sie euch mit in ihr Atelier: Als absoluter Gefühlsmensch schreibt sie über die Liebe und das Leben – ein bisschen philosophisch und ein bisschen psychologisch, mit einem Hauch von Melancholie.

FOMO – ausgeschrieben: Fear of missing out – ist unter jungen Menschen zu einer Art Volkskrankheit geworden. Wir haben ständig Angst, etwas zu verpassen: die krasse Party am Wochenende, den Roadtrip durch Frankreich, den One-Night-Stand mit dem heißen Barkeeper. Dementsprechend ambitioniert sind wir auf der Suche nach neuen Reizen und wollen alles mitnehmen – dabei ist es fast schon egal, ob es sich um gute oder schlechte Erfahrungen handelt. Hauptsache Erfahrungen.

Noch vor anderthalb Jahren hätte ich von mir behauptet, wenig bis gar nicht unter FOMO zu leiden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich gerade mitten in der überaus schwierigen Trennung von meiner ersten großen Liebe befunden. Aber entgegen dem, was bei den meisten Menschen auf das Ende einer langen Beziehung folgt, hatte ich in meinen ersten Monaten als Single absolut gar nicht das Bedürfnis, fremde Kerle aufzureißen, ein Auslandssemester in Barcelona zu machen oder andere Menschen kennenzulernen als die, die ich ohnehin schon kannte. Und auch während der besagten vorhergehenden Beziehung war FOMO kein großes Thema für mich. Ich hatte zwar gelegentlich das Gefühl, etwas zu verpassen – allerdings war dieser Eindruck nie konstant oder ausschlaggebend genug, um die Beziehung zu beenden und all diese Dinge zu tun.

Aber innerhalb der letzten anderthalb Jahre habe ich mich sehr verändert. Rückblickend fühlt es sich an, als wäre ich aufgewacht, nachdem die Kapitel „Beziehung“ und „Trennungsschmerz“ endgültig abgeschlossen waren. Als hätte ich schlagartig begriffen, dass mir nur eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten bleibt.

Ein Freigeist in Freiheit. Ich bin verliebt in den Sommer und schöne Worte. Wenn ich nicht gerade schreibe, sitze ich wahrscheinlich mit einem Roman irgendwo am Wasser. Oder auf alten Zeitungen, um jede Menge Farbe auf unbeschriebene Blätter zu klatschen. Aber am allerliebsten lebe ich: la vida loca!