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Komplettes Rauchverbot: Finnland drückt die Kippen aus

Innerhalb der nächsten 13 Jahre will Finnland als erstes Land weltweit mit dem Rauchen aufhören. Wie sinnvoll ist es, ein Genussmittel zu kriminalisieren?

Finnland wirkt oft wie der nervige große Bruder Europas. Das Land gilt als Vorbild – eigentlich egal, um welche Themen es geht. Die Finnen sind eine der glücklichsten Nationen der Welt, sie haben eine hohe Lebensqualität, ein hohes Maß an sozialer Gerechtigkeit und bei der Gleichberechtigung sind sie auch ganz vorne mit dabei. Und wenn man ehrlich ist, ist Finnland damit zurecht ein Vorbild für andere Länder. Jetzt will die Regierung sogar noch eins draufsetzen. Bis 2030, spätestens aber 2040, soll der Tabakkonsum komplett verboten sein. Das bezieht sich nicht nur auf Zigaretten, sondern auch auf E-Zigaretten, Schnupftabak und Kautabak.

 

Keine Chance für Raucher

 

Um das zu erreichen, werden ab diesem Jahr verschiedenen Maßnahmen durchgesetzt. Zum einen wird es für Verkäufer von Tabakprodukten sehr teuer werden, diese zu vertreiben. In Finnland muss schon seit Jahren eine Lizenz erworben werden, um überhaupt Tabak verkaufen zu können. Dazu kommt noch eine jährliche Gebühr pro Kasse, an der verkauft wird. Diese Gebühr beträgt jetzt 500 Euro. Gerade für Supermarktketten wird der Verkauf dann extrem teuer.

Der nächste Punkt soll die Möglichkeiten weiter einschränken: In Finnland gilt schon seit 2007 ein allgemeines Rauchverbot. Es ist zum Beispiel auch verboten, in einem Auto zu rauchen, wenn Kinder unter 15 Jahren mitfahren. Jetzt können Privatpersonen ein Rauchverbot im privaten Bereich beantragen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Nachbar auf dem Balkon raucht.

Zuletzt will Finnland noch stärker daran arbeiten, dass Jugendliche gar nicht erst anfangen zu rauchen. Darum werden jetzt zum Beispiel Süßigkeiten in Pfeifenform verboten.

 

Vorbild Finnland?

 

Bereits jetzt hat Finnland einen sehr niedrigen Anteil an Rauchern. Während dort 16 Prozent der Erwachsenen rauchen, sind es in Deutschland fast doppelt so viel, nämlich knapp 30 Prozent. Vielleicht wäre es trotzdem möglich, dass wir in diesem Fall Finnland nachfolgen. Der Gedanke dahinter ist auf jeden Fall begrüßenswert. Keinem muss erzählt werden, wie schlecht Rauchen für die Gesundheit ist. Ein schwächeres Immunsystem, Raucherhusten oder chronische Bronchitis, unter Umständen sogar Krebs oder ein Schlaganfall, die Liste ist lang. Und trotzdem – ist Finnlands Ansatz der richtige? Nein, denn solange die Raucher erwachsen sind, sind sie auch selbst für ihre Gesundheit verantwortlich. Ein Rauchverbot an öffentlichen Orten gerne, aber der Staat sollte nicht vorschreiben, was man in der eigenen Wohnung macht. Zigaretten sollten nicht eines der weiteren Dinge werden, die illegal sind. Stattdessen sollte man weiter vermehrt auf Kampagnen und Präventionsmaßnahmen setzen. Dabei könnte man höchstens überlegen, Belohnungen einzusetzen. Wie Finnland es mit dem Verbot von Schokoladenpfeifen auch angedacht hat, sollte man dabei ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche richten, die noch nicht angefangen haben zu rauchen. Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden dürfen, ob er rauchen möchte oder nicht.

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