Flugzeug im Himmerl

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Dann heißt es: Ab in den Flieger, die Welt entdecken! Für Aviophobiker ist das allerdings nicht ganz so leicht. Denn wer unter Flugangst leidet, kann nicht wirklich entspannt reisen. Rund 20 Prozent der Deutschen leiden an der Angst vor dem Fliegen – oder, besser gesagt, der Angst vor dem Kontrollverlust. Immerhin geben wir unser Leben in die Hand des Kapitäns, und auch die Technik ist nicht unfehlbar. Was also, wenn ein Triebwerk ausfällt? Wenn Turbulenzen auftreten? Wenn beide Piloten gleichzeitig ohnmächtig werden?
“Sie müssen die Angst zulassen”, sagt Dieter Schiebel, Experte für Flugangst, im Interview. “Wer die Angst zulässt, lindert seine Symptome.”

 

Das sicherste Verkehrsmittel bleibt das Flugzeug

 

Diese Symptome sind so individuell wie derjenige, der unter ihnen leidet; außerdem kann sich die Flugangst schon Wochen zuvor bemerkbar machen. Schlaflosigkeit, Magenschmerzen, Schwindel – und wenn man erst im Flugzeug sitzt, geht es erst richtig los. Grundsätzlich sind alle auftretenden Beschwerden steigerungsfähig: das heißt, im schlimmsten Fall gipfeln sie in einem Zusammenbruch oder Panikattacken. Dabei ist die Angst vor dem Fliegen ziemlich unbegründet. “Flugzeuge befördern jedes Jahr 3,7 Milliarden Menschen weltweit. 2013 waren es 388 Tote, 2014 um die 900. Man muss diese Zahlen einfach miteinander ins Verhältnis setzen, um zu erkennen: Flugzeuge werden immer die sichersten Verkehrsmittel sein”, so Schiebel. Klar, Statistiken helfen bei akuter Flugangst nicht besonders viel, schon gar nicht nach dem Germanwings-Unglück. Aber: “Sobald Sie im Flugzeug sind, können Sie eh nichts mehr machen. Sie haben dann zwei Möglichkeiten: Entweder Sie steigern sich hinein oder Sie bleiben ruhig. Ersteres hilft nichts. Und: Je mehr Sie gegen die Angst kämpfen, desto größer wird sie.”

 

Zucker statt Alkohol

 

Deshalb: Ruhig bleiben – und Schokolade essen. Denn die beruhigt und hält den Blutzuckerspiegel oben. Wenn der absackt, macht der Kreislauf Probleme; nicht die beste Idee, wenn man sich sowieso nicht gut fühlt. Auch der Griff zu Alkohol oder Beruhigungsmitteln ist kein besonders durchdachter Lösungsansatz: “Dadurch verdrängt man seine Angst bloß, aber man bearbeitet sie nicht.” Besser: adrenalinspiegelsenkende Atemtechniken ausprobieren: durch die Nase einatmen, bis drei zählen, langsam durch den Mund ausatmen, dabei mindestens bis sechs zählen. “Manchen hilft es, mit der Angst zu sprechen”, erklärt Schiebel, “zu sagen: Okay, du bist jetzt da. Ich kann dich zwar nicht gebrauchen, aber nun gut.”

Wer unter sehr starken Angstsymptomen leidet, sollte aber in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Spezielle Therapien können Phobikern helfen, ihre Ängste Schritt für Schritt zu überwinden – Reisen sind doch viel zu schön, um darauf zu verzichten.

 

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Bildquelle: Dirk Vorderstraße  über CC BY 2.0