Fotos: Warum wir uns vom Körperkult befreien sollten

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Schönheitisdeale ändern sich. Marilyn Monroe war mit Sicherheit keine 90-60-90-Frau, hatte kein Sixpack und eine Belly Button Challenge hätte sie mit Sicherheit auch nicht bestanden. Und doch war sie das Sexsymbol der 50er Jahre. Die fast schon zerbrechliche Audrey Hepburn dagegen war das genaue Gegenteil von dem, was damals als sexy angesehen wurde. „Die wird noch dafür sorgen, dass Titten aus der Mode kommen“, soll man über sie gesagt haben.

Und tatsächlich, heute ist man als Frau höchstwahrscheinlich lieber eine Audrey als eine Marilyn. Das Bild von der „perfekten Frau“ ändert sich mit den Jahren und daran ist auch grundsätzlich nichts auszusetzen. Das Problem liegt darin, wie wir damit umgehen. Neben Hepburn und Monroe kannte man in den 50er Jahren vielleicht eine Handvoll anderer Schauspielerinnen, mit denen man sich identifizieren und vergleichen konnte.

Das ist heute anders. Durch die sozialen Medien vergleichen wir uns nicht nur mit Hollywoods Elite, von der wir wissen, dass sie gebotoxt und gephotoshopt ist, sondern mit eigentlich jedem. Wir sehen die Selfies unserer Freunde, Nachbarn, Kommilitonen, stalken die Profile der Expartner unserer neuen Beziehungen und ziehen uns voller Neid den Instagram Account unserer Arbeitskollegin rein. Unsere Generation ist so narzisstisch wie keine vor ihr, einfach weil sie die Möglichkeiten dazu hat. Aber was macht der Körperkult mit unserem Selbstbild? Wie wirkt sich dieses ständige Vergleichen und verglichen werden auf uns aus? Der Zwang einem bestimmten Schönheitsideal zu entsprechen, das uns mehr denn je von den Medien aufgezwungen wird?

 

„Zuerst dachte ich, die Bilder wären abstoßend“

 

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die 21-jährige Amerikanerin Ashley Armitage. Ashley fotografiert junge Frauen genau so, wie sie sind. Ohne Photoshop oder schmeichelhafte Posen. Dabei zeigt sie auch Details, mit denen sie aneckt, weil sie unserem gängigen Empfinden von Ästhetik einfach nicht entsprechen. Wie hängende Brüste, blaue Flecken und Körperbehaarung an Stellen, an denen man als Frau fast schon verpflichtet ist, sie zu entfernen. Gerade diese Körperhaare stoßen vielen Leuten scheinbar sehr unangenehm auf.

Ashley erntete eine Menge digitalen Hass, nachdem sie auf Instagram ein Foto veröffentlichte, auf dem die Intimbehaarung eines ihrer Models zu sehen war. Aber es gibt auch positive Reaktionen auf ihre Bilder: „Eine Person kommentierte unter eines meiner Instagram Bilder etwas wie ‚Ich gebe zu, zuerst dachte ich, deine Fotos wären abstoßend, aber als ich sie mir länger ansah, gewöhnte ich mich an den Anblick und daran, ihn als schön und normal wahrzunehmen’“, erzählt Ashley dem Online Magazin dazed.

 

„Wir waren immer die Gemalten, nie die Maler“

 

Sie weiß, dass ihre Bilder anfänglich etwas schockieren können, weil wir durch die Medien so überschwemmt werden mit Frauen, die bis zur Perfektion retuschiert werden. „Aber genau darum sind diese Bilder so wichtig, weil sie echte Frauenkörper zeigen, auf eine Art, wie wir sie nicht gewohnt sind“.

„Ich erschaffe Bilder vom weiblichen Körper, weil diese Bilder schon immer von Männern kontrolliert wurden. Wir waren immer die Gemalten, nie die Maler. Ich versuche, das zurückzuholen, was uns gehört und erforsche, was es bedeutet, einen Körper zu haben, der immer von männlicher Hand definiert worden ist“, sagt Ashley. Es hört sich an wie eine Kampfansage und tatsächlich scheint die junge Frau sich eine Art Revolution des weiblichen Selbstbildes auf die Fahne geschrieben zu haben.

Man muss Ashley Armitages Bilder nicht schön finden, auch nicht sexy oder ästhetisch. Aber vielleicht sind sie einigen Frauen ein Antrieb, sich von den einengenden Körperidealen und ständigen Vergleichen zu befreien und endlich damit anzufangen, ihren Körper nicht nur zu respektieren, sondern auch schön zu finden, genau so wie er ist. Ob Marilyn oder Audrey, ob mit Haaren oder ohne.