Fotos: „Cygnets“ zeigt die verlogene Fassade der Vorstadtidylle

Isabel Magowan Jugend Ballett

Tanzende Ballerinas, junge Freundinnen, die zufrieden auf dem Bett liegen und ein Pärchen, das die Finger nicht voneinander lassen kann: Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder der amerikanischen Fotografin Isabel Magowan wie Szenen aus einer pittoresken Bilderbuchwelt. Doch wenn wir genauer hinsehen, merken wir sofort – irgendwas passt da nicht. Häufig blicken die Models so traurig und leblos in die Kamera, dass uns leise, aber sicher ein unbehagliches Gefühl beschleicht.

 

Die bröckelige Fassade der Vorstadtidylle

 

Tatsächlich möchte die Yale-Absolventin Magowan genau diese Irritation hervorrufen. Das Projekt „Cygnets“ ist ein Abbild ihres eigenen Lebens, das längst nicht so heil ist, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint: „Die Devise meiner Erziehung: Achte auf dein Äußeres, denn du willst nicht, dass andere Leute über dich reden.“, erzählt sie in einem Interview mit der Vice. „Die Denkweise ,So möchte ich einfach sein und das ist auch OK, dass ich nicht wie andere Leute aussehe‘ war da nicht drin.“ Deshalb setzt sich Isabel nun fotografisch mit den gesellschaftlichen Zwängen und der Oberflächlichkeit der amerikanischen Vorstadtidylle auseinander. Meistens posieren Familienmitglieder oder Freunde vor ihrer Kamera, um den persönlichen Bezug authentisch darzustellen.

 

Ein Leben für den Tanz

 

Schnell wird deutlich: Für Magowan gleicht die Fassade vom allzu harmonischen Leben einer Farce. Schon in ihrer Jugend stellte sie sich immer wieder die eine Frage: „Was bedeutet es, wenn wir nicht das Leben führen wollen, das für uns bestimmt war?“ Ihre Zweifel an dieser vor allem in der Mittelschicht verbreiteten Lebensphilosophie spiegelt sich auch in ihren Bildern wider: Da ist eine Mutter, die noch einmal das rosa Kleidchen ihrer traurig blickenden Tochter zurechtzupft oder drei kleine Ballerinas, die direkt vor dem metaphorisch charakteristischen Kleinstadtzaun einen Spagat hinlegen. Es sind Szenen aus dem eigenen Leben: Auch Magowan hatte ihr Leben jahrelang dem klassischen Tanz gewidmet – bis Körper und Psyche die Anstrengungen nicht mehr mit machten. Danach fiel sie in ein tiefes Loch, aus dem sie erst wieder mit der Fotografie herausfand. Nun verarbeitet sie vordergründig die seelischen Belastungen ihrer Jugend – und ihre offensichtliche Nähe zu jedem selbst gewählten Motiv macht sie uneingeschränkt glaubhaft.