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8 Fragen, 8 Antworten: Was ist der geile Scheiß vom Glücklichsein?

Wie fühlt es sich eigentlich an, dieses verflixte Glück? Im Gespräch mit Buchautorin und Glücksexpertin Andrea Weidlich vom Podcast „gusch, baby“.

Andrea Weidlich ist sehr glücklich. Auch nicht jeden Tag, aber die meisten. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie sich ständig mit dem Glück auseinandersetzt. Im Podcast „gusch, baby!“ spricht die Wienerin mit ihrer Cousine Anna Maria Rubas über den geilen Scheiß vom Glück. Und was man macht, wenn man mal nicht glücklich ist. Für Andrea ist das Glück „eine Reise, kein Ziel“. Über diese Reise hat sie jetzt auch ein Buch geschrieben, mit dem passenden Namen: „Der geile Scheiß vom Glücklichsein – Wie man das Glück nicht sucht und trotzdem findet“.

Die Ursprungsidee für „gusch, baby!“ kam durch Instagram. „Anna und ich haben uns gedacht: Was ist das eigentlich für eine Scheinwelt, die uns, und vor allem jungen Leuten, da präsentiert wird? Lass uns doch mal darüber reden, dass die echte Welt ganz anders ist.“ Sie quatschen nun über verpatzte Dates, peinliche Situationen, Dinge, die schief gelaufen sind. Andrea und Anna wollten sich auf die Suche nach dem echten Glück machen. Oder eben: Wie man es findet, ohne es zu suchen.

Jeder hat etwas, das ihn glücklich macht

„Die Nachrichten, die wir als Reaktion auf unseren Podcast bekommen, sind echt toll. Menschen schreiben uns, dass sie sich durch uns Sachen trauen, die sie vorher nie gemacht hätten“, sagt die Autorin. Eine Hörerin habe alleine eine Reise gebucht und ein Mädchen hat es durch den Podcast aus dem Krankenhaus geschafft. „Als wir die Nachricht bekommen haben, habe ich geweint. Sie war über vier Monate stationiert, hat uns ihre Geschichte erzählt – und sie schreibt uns heute immer noch“, erzählt Andrea gerührt. Ihre Krankenschwester habe den Jugendlichen auf der Station „gusch, baby!“ empfohlen. „Sie haben ihn alle gemeinsam jeden Donnerstag gehört.“

Andrea ist der Überzeugung, jeder hat etwas, was ihn glücklich macht. „Das Schöne ist, wenn man herausfindet, was das ist. Das kann Nähen sein, Kochen, Basteln, Sport.“ Was es ist, das erkenne man daran, wenn man dabei die Zeit und alles um sich herum vergisst. „Wenn man für sich diese Sache gefunden hat, dann sollte man sie auch wirklich tun. So oft wie möglich.“ Bei Andrea ist es das Schreiben. „Und zwar ohne Ziel. Ich habe immer schon geschrieben und nie gedacht, dass ich mal ein Buch schreiben werde“, gesteht sie lachend. Dass es jetzt aber doch eins geworden ist, macht sie umso glücklicher. Apropos Glück…

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Gibt es die eine Formel zum Glücklichsein?

Eine einzige Formel gibt es nicht, das wäre vermessen. Aber wir können lernen, uns für unser Glück zu entscheiden. Wir sollten nicht so viel in den Widerstand gehen, sondern den Weg des Lebens mitgehen, und uns täglich entscheiden: Wie möchte ich mich fühlen? Wir können unseren Körper beeinflussen, und durch positive Gedanken unser Gehirn dazu bringen, Serotonin auszuschütten. Das ist eines der Hormone, die uns glücklich machen. Es ist fast wie mit dem rosa Elefanten: Wenn wir uns sagen, denk jetzt nicht an einen rosa Elefanten, dann denken wir an ihn und sehen ihn überall. Weil wir darauf fokussiert sind. So funktioniert unser Gehirn, und diese selektive Wahrnehmung können wir auch für uns nutzen. Wir können den Elefanten durch glückliche Gedanken ersetzen.

Bildquelle: via Pexels unter CC0 Lizenz

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Haben wir das Glück also selbst in der Hand?

Mehr oder weniger. Natürlich gibt es Schicksalsschläge, die wir nicht beeinflussen können. Diese Schattenseiten gehören auch dazu. Aber was wir zwischen diesen Schatten machen, die wir nicht beeinflussen können und wie wir mit ihnen umgehen, das haben wir definitiv selbst in der Hand.

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Kann uns auch ein anderer Mensch glücklich machen?

Nein. Wir können unser Glück zwar mit anderen teilen, aber wir können nicht erwarten, dass uns jemand anderes glücklich macht. Wir kommen schon ganz auf die Welt, nicht halb. Wir müssen auf niemanden warten, um ganz zu werden. Und diese Haltung sollten wir gar nicht erst entwickeln, weil wir dadurch unser Glück auslagern. Damit machen wir uns sehr abhängig von anderen Menschen. Natürlich ist es schön, das mit einem anderen glücklichen Menschen zu teilen. Dann können wir es vielleicht potenzieren. Aber das Glück an sich tragen wir in uns, und sollten es in uns finden.

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Woran merken wir überhaupt, ob wir glücklich sind?

Wenn wir auf unser Gefühl achten. Fühlt sich etwas gut an, ist man auf dem richtigen Weg. Fühlt es sich schlecht an, dann arbeiten wir irgendwo gegen uns. Natürlich ist das nicht ganz so einfach und scheint auch nicht immer zu gehen. Aber wenn man sich schlecht fühlt, sollte man sich fragen: Was kann ich tun, um mich besser zu fühlen?

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Und was kann man dann tun? Wenn man merkt, dass man unglücklich ist?

Erstmal sollte ich mir ganz ernsthaft die Frage stellen: Was möchte ich eigentlich? Und es gibt Möglichkeiten, um sich aus dem Loch zu holen. Zum Beispiel durch Dankbarkeit. Es gibt immer Dinge, für die wir dankbar sein können. Ich führe zum Beispiel jeden Morgen Dankbarkeitstagebuch, und schreibe auf, wofür ich dankbar bin. Und das sind wirklich keine großen Dinge: Ich bin dankbar für die gute Nacht, dankbar für mein Bett, für meine heiße Dusche. Es ist gut, sich daran zu erinnern. Dann kommt man schnell in eine Positivspirale, und das gibt einem ein besseres Gefühl.

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Wir leben ja generell in einer Gesellschaft, die immer größer denkt, immer mehr will. Wann sollte man denn mit seinem Glück zufrieden sein?

Diese Suche, wie eine Situation noch besser sein könnte, findet in der Zukunft statt. Manchmal auch in der Vergangenheit. Wenn wir uns zum Beispiel denken: Das ist schon immer schlecht gelaufen, das hat noch nie funktioniert. Dann hängen wir in der Vergangenheit, beeinflussen damit aber unser Jetzt. Wir müssen mehr im Moment leben und denken: Wie kann ich genau jetzt glücklich sein? Denn klar, es geht immer noch besser, noch schöner, noch mehr. Das ist auch das, was uns zum Beispiel Instagram oft vorgaukelt.

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Bleiben wir bei dem Beispiel: Machen uns die sozialen Medien unglücklicher?

Die Frage ist, wie wir mit ihnen umgehen. Es kann uns sehr unglücklich machen, wenn wir uns ständig mit anderen vergleichen. Kein Mensch ist so wie wir, und das ist auch gut so. Klar, wir vergleichen uns alle sehr schnell, aber man muss versuchen, sich da rauszuholen. Und sich auch ein Stück weit schützen. Wenn man auf Instagram merkt, jemand tut einem nicht gut, sollten wir ihm entfolgen. Es gibt aber durchaus auch Kanäle, die sehr inspirierend sind. Damit sollte man seinen Feed füllen.

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Ist es irgendwann zu spät zum Glücklichsein?

Nein, das denke ich nicht. Wir finden immer tausend Ausreden, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist – und sabotieren damit unser Glück. Denn genau jetzt ist immer der richtige Zeitpunkt, um glücklich zu sein. Und es ist nie zu spät, mit etwas anzufangen. Als ich studiert habe, war an meiner Uni ein Student, der mindestens 80 Jahre alt war. Er ist immer durch die Aula geschritten und man hat ihm richtig angesehen: Es macht Spaß und erfüllt ihn. In diesem Sinne: Es ist nie zu spät.

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Beitragsbild: guschbaby.com

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