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Liebeserklärung an: Limp Bizkit

Auf einmal war da nicht mehr das Vorstadtleben eines jungen Teenagers. Sondern etwas überaus Brachiales. Etwas, das hemmungslos und animalisch klingt.

Es sind die kleinen Dinge, die uns unseren tristen Alltag versüßen und das Leben ein bisschen besser machen. Ob es hübsche Gänseblümchen sind, die am Straßenrand wachsen oder eine Kugel deiner liebsten Eissorte – wir alle haben kleine Muntermacher in unserem Alltag, über die wir nur selten ein Wort verlieren. Das soll sich jetzt ändern! Wir bieten euch eine Liebeserklärung an die kleinen Dinge, die uns in stressigen Situationen retten, an schleppenden Tagen motivieren oder uns die guten Tage versüßen!

Liebes Limp Bizkit,

wenn ich versuche, mich daran zu erinnern, warum ich eure Musik mag, dann kommt mir nur eine Erklärung in den Sinn: Weil sie anders war. Weil sie anders war als das, was man damals ansonsten in unserem Hause hörte. Das waren wahlweise Robbie Williams (meine Schwester), Abba (meine Mutter) und Fußballstadion-Atmosphäre über die Lautsprecher unseres Fernsehers (mein Vater). Limp Bizkit war ganz anders. Laut, hart, schrill. In your face.

„Hey, schau mal! So geht Musik verdammt nochmal auch!“

Als ich anfing, Limp Bizkit zu hören, war ich in der fünften Klasse. Ein Alter, in dem man noch nicht wirklich weiß, was einem gefällt und wer man ist. Doch eines trifft mehr oder weniger auf alle Zehn- bis Elfjährigen zu. Sie wollen um Himmels Willen anders sein als ihre Eltern. Anders reden, sich anders anziehen, einfach anders…leben. Für mich war und ist Musik ein ganz wichtiger Bestandteil davon. Und so war die Musik von euch für mich in gewisser Weise ein Erweckungsmoment. Eine Art „Hey, schau mal! So geht Musik verdammt nochmal auch!“

Auf einmal war da nicht mehr das Vorstadtleben eines jungen Teenagers

Euer Album „Significant Other“ wird dieses Jahr 20 Jahre alt. Es hat 1999 dem Genre des Nu-Metal endgültig zu weltweiter Popularität verholfen. Sieben Mal Platin in den USA sprechen Bände. Noch heute feiert ihr, feiern eure Fans dieses Album, so geschehen erst vor wenigen Tagen bei eurem Konzert in München.

Diesen Stil habt ihr auf dem Nachfolgealbum, über das ich das erste Mal mit eurer Musik in Kontakt kam, eins zu eins fortgeführt. Wenn ich Limp Bizkit aufdrehte, war das für mich, als beträte ich eine andere Welt. Auf einmal war da nicht mehr das Vorstadtleben eines jungen Teenagers. Sondern etwas überaus Brachiales. Etwas, das so hemmungslos und animalisch klang, dass ich mich ihm nicht entziehen konnte. Das vorlaute, großspurige Amerika. Und, vor allem: Wes Borlands Gitarre klang ganz anders als Frau Wienands Gitarre aus dem Kindergottesdienst.

Rap gepaart mit „Explosionen“: Nu-Metal eben

Im Grunde habt ihr das fortgeführt, was Bands wie Mötley Crüe, KISS und AC/DC in den 1970ern respektive 1980ern starteten. Doch habt ihr dem Ganzen eben noch etwas hinzugefügt. Eure Musik ist zu sehr von Rap und Metal durchsetzt, um sie „nur“ als Hard-Rock oder Heavy Metal zu bezeichnen. Darum eben „Nu-Metal“. Hier schreit Fred Durst sich die Lunge aus dem Leib, dort rappt er wiederum und lässt seine Stimme, fast schon wie ein Adrock, relativ hoch klingen und sich überschlagen.

Ich habe damals gar nicht verstanden, dass sich eure Songs zum Beispiel um Slangausdrücke für Geschlechtsverkehr drehen. Das musste ich auch gar nicht. Ich war fasziniert davon, wie sich eine harte Gitarrenwand nach der anderen aufbaut, dazu nicht minder harte Drums und bisweilen auch etwas Scratching. Diese zwei Songs sind für mich bis heute Glanzstücke: eure herrlich abgedrehte Cover-Version von George Michales „Faith“ und „Stuck“ – schneller Rap, lediglich gepaart mit einem dezenten Beat und dann diese „Explosion“ im Refrain.

Schwarz, blutig, einfach skurril

Dass eure Wurzeln durchaus bei den oben aufgezählten Bands liegen, beweisen auch die Bühnenoutfits von Wes Borland. Ein komplett bemalter Oberkörper, Hüte aus Discokugeln, Kunstblut (oder ist da auch echtes dabei?), schwarze Kontaktlinsen – in etwa so, als hätten Elton John und ein Zombie ein Kind gezeugt. Wes Borland geht es darum, sein Gitarrenspiel mit optischer Skurriltät zu verbinden. Wie auch die Musik von Glam-Rock-Bands bleibt eure Musik, Limp Bizkit, somit nicht nur akustisch, sondern auch visuell im Gedächtnis hängen.

Wer euch hören will, muss es sich erst „verdienen“

Apropos skurril: Genau das ist auch die Intention hinter eurem Bandnamen und der Gestaltung der Cover eurer Alben. Laut Fred Durst sollte euer Bandname möglichst ekelerregend klingen. Ganz einfach aus dem Grund, damit die Leute, die von eurem Bandnamen abgeschreckt sind, eure Musik erst gar nicht hören.

Ob euer Bandname nun auf eine in der Tat ekelerregende Mutprobe zurückzuführen ist, oder aber darauf, dass Fred Durst sein Hirn einst als „limp biscuit“ („weiches Brötchen“) bezeichnete: Wer euch hören will, muss es sich erst einmal „verdienen“ und darf vor lauter Abstrusitäten nicht kapitulieren. Diese bizarren Clowns, dunklen Figuren und verstörenden Hot-Dog-Würstchen auf euren Alben haben mich damals genauso abgeschreckt wie fasziniert. Anstatt eure Alben angewidert zurück ins Verkaufsregal zu stellen, habe ich sie jedoch, begeistert von so viel Absurdität, gekauft. Wie gut, dass ich Abschaum bin.

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Bildquelle: Via Unsplash unter CCO-Lizenz

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