Fütterer is(s)t anders: Sind wir Fleisch- oder Pflanzenfresser?

Ein Löwe zeigt seine Zähne

Elina Fütterer ist Ökotrophologin, Yoga-Lehrerin und Surfer Girl. In ihrer Kolumne schreibt sie über die wichtigste Hauptsache der Welt: Essen. Genuss ist ein Muss – ohne dabei Gesundheit, Nachhaltigkeit und Ethik außer Acht zu lassen. Elina nimmt euch mit auf ihre kulinarische Reise. 

Steak, Grillkäse oder Sellerie-Schnitzel: Heutzutage können wir uns aussuchen, was wir essen wollen – wir stehen sozusagen ganz oben in der Nahrungskette. Der Mensch isst allerdings schon seit tausenden von Jahren Fleisch. Ist das ein Argument dafür, es weiterhin zu tun?

Zuerst eine kurze Definition der Begriffe.

Wie werden Fleischfresser & Co. eigentlich definiert?

  • Karnivoren sind Fleischfresser und sie ernähren sich hauptsächlich von tierischem Gewebe. Zu ihnen gehören Haie, Löwen, Krokodile, Füchse und Wölfe, aber auch Greifvögel.
  • Pflanzenfresser, auch Herbivore, ernähren sich von Pflanzen. Hasen, Meerschweinchen, Kühe, Pferde und manche Wale gehören dieser Kategorie an.
  • Dann gibt es noch Omnivoren. Sie sind Allesfresser und ihre Nahrung besteht aus Pflanzen und Tieren. Bären, Ratten und Schweine sind omnivor.
  • Fruktivoren wie Affen oder viele Vögel ernähren sich von Früchten.

Diese Übersicht bietet einen guten Vergleich zwischen Merkmalen von Karnivoren, Omnivoren, Herbivoren, Fruktivoren und dem Menschen.

Unterschiede zwischen Fleisch- und Pflanzenfressern

Zwar hat sich die menschliche Kultur zu Fleischfressern entwickeln, der menschliche Körper aber nicht. Es gibt einige anatomische und physiologische Anhaltspunkte, z.B.:

  • Zähne und Kiefer: Fleischfresser haben typischerweise lange, spitze und scharfe Zähne, um ihre Beute zu reißen. Im Vergleich zu einem richtigen Fleischfresser – einem Löwen, Bären oder Wolf – ist unser Gebiss absolut nicht dafür gemacht, in rohes Fleisch zu beißen. Auch, wenn oftmals argumentiert wird, dass wir ja auch scharfe Eckzähne hätten. Ein Vergleich:

    Im Unterschied zu Omni- und Karnivoren, die ihr Gebiss nur auf- und abwärts bewegen können, können wir es auch seitlich bewegen. Das bedeutet, dass wir unsere Nahrung nicht einfach runterschlingen müssen, sondern sie genüsslich zermahlen können, bevor wir sie runterschlucken. Der Kiefer von Pflanzenfressern ist außerdem eher rund und nicht spitz und lang wie bei Fleischfressern.
  • Magen-Darm-Trakt: Der pH-Wert im Magen von Omnivoren ist extrem sauer. Kein Wunder, sie müssen auch Knochenstücke, Fell, etc. verdauen.  Unser pH-Wert im Magen ist verhältnismäßig basisch. Außerdem haben Fleischfresser einen viel kürzeren Darm. So kann das rohe Fleisch quasi schnell durchflutschen, bevor es anfängt, zu faulen. Der menschliche Darm ist achtmal so lang wie der von Fleischfressern. Er ist darauf ausgelegt, Ballaststoffe zu verdauen. Sie regen die Darmtätigkeit an und haben viele gesundheitliche Benefits. Ballaststoffe kommen nur in pflanzlichen Lebensmitteln vor. 
  • Der klassische Fleischfresser kann Vitamin C selbst bilden. Der Mensch ist auf pflanzliche Nahrung angewiesen, um es aufzunehmen.
  • Auch besitzen Fleischfresser natürliche Jagdfähigkeiten, um ein wildes Tier ohne Hilfsmittel zu fangen. Dazu gehören z.B. ihre Beweglichkeit und das Sehen in der Dunkelheit. Löwen, Wölfe und Co. mögen zudem den Geruch von Aas, währenddessen sich uns dabei der Magen umdreht. Auch können sie verfaultes Fleisch fressen, ohne dass sie danach kotzend über der Kloschüssel hängen. Grund dafür sind spezielle Bakterien, die der menschliche Magen-Darm-Trakt nicht besitzt.

Neben meinem Ökotrophologie-Studium und der Ausbildung zur Journalistin habe ich auch als Flugbegleiterin die Welt unsicher gemacht. Neugierig, abenteuerlustig und immer hungrig: Auf der Suche nach der perfekten Welle und der besten Açai-Bowl futterte ich mich schon durch mehr als 80 Länder.