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Ballon d’Or geht erstmals an eine Frau: „Herzlichen Glückwunsch, können Sie twerken?“

Geht’s noch? Eine Norwegerin wird für ihr sportliches Talent im Fußball ausgezeichnet, erhält einen Preis und der Moderator nur so: „Kannst du twerken?“

Nein! Wir hören nicht auf darüber zu berichten, zu erklären und zu argumentieren. Ganz offensichtlich können wir das auch einfach nicht. Jedes Mal, wenn wir uns wieder ein wenig in Sicherheit wiegen, und die leidige“ (Achtung: Ironie!) Akte Sexismus endlich auf den Stapel erledigt schmeißen wollen, jedes Mal, wenn wir diese Akte auch nur mit dem kleinen Finger streifen, jedes Mal dann springt irgendwo auf dieser Erde wieder jemand mit Anlauf ins Fettnäpfchen. Wie oft wir das noch besprechen müssen? Auf diese Frage gibt es eine sehr einfache Antwort. So oft, bis diese „Ausrutscher“ endlich aufhören.

 

Keine weiteren Fragen

 

Jedes Jahr verleiht die Sportfachzeitschrift France Football den Ballon d’Or für den besten Fußballer des Jahres. Gestern wurde zum ersten Mal auch die beste Fußballerin des Jahres ausgezeichnet. Juhu, das mit der Gleichberechtigung der Geschlechter scheint also endlich auch dort angekommen zu sein? Besser spät als nie. Die 23-Jährige Norwegerin Ada Hegerberg hat das Rennen für sich entscheiden können und gewann den Preis. Es folgen Jubel, Trubel, Heiterkeit und eine bewegende Rede der Sportlerin, die sich im Besonderen an andere jungen Frauen richtet. „Glaubt an euch!“, ruft sie ihnen motivierend zu. Macht was aus euch, lasst euch nicht unterkriegen, schwingt da mit. So weit, so gut. Nach diesem Plädoyer geht’s runter von der Bühne und dort wartet schon der Moderator DJ Martin Solveig. Jetzt gäbe es ja viele Möglichkeiten, eine frisch ausgezeichnete Weltfußballerin anzusprechen. Männliche Kollegen werden bei solchen Anlässen schließlich auch immer wieder nach dem Verlauf der vergangenen Saison, dem harten Training, den großen sportlichen Erfolgen gefragt. Jetzt steht da aber eine Frau und das Interesse schrumpft plötzlich auf eine einzige, plumpe Frage zusammen: „Können Sie twerken?“ Wow. Ein kurzes „Nein“ der Gewinnerin und weg war sie. Klar, es gab jetzt auf Twitter eine öffentliche Entschuldigung von Martin Solveig und auch Ada Hegerberg sieht die ganze Sache weit weniger tragisch. Trotzdem zeigt sich wieder einmal: Frauen werden in manchen Bereichen immer noch nicht ernst genommen. So lange so etwas immer wieder passiert, so lange haben wir leider nichts gelernt.

 


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Bilderrechte: Unsplash unter CC0 Lizenz

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