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Schluss mit Mindgames! Warum wir auf unsere Gedanken achten sollten

Mädchen sind schlechter in Mathe und Jungs weinen nicht: Wie Gedanken unser Handeln beeinflussen.

Von Anke Waschneck

„Mädchen sind sowieso schlechter in Mathe als Jungen.“ Diesen Satz kennt wahrscheinlich jeder. Und schon sitzt man als Frau vollkommen unmotiviert im Matheunterricht und denkt sich: „Kann ich doch eh nicht (Male ich lieber noch schnell das Bild für Kunst fertig, da bekomme ich wenigstens eine gute Note.)“. Wie sehr eine solche Haltung die Leistung beeinflusst, ist den meisten nicht bewusst. Denn, wenn ein Schüler mit der Einstellung, er sei genauso gut wie die anderen, an eine Aufgabe herangeht, ist er in den meisten Fällen besser.

Gedanken und die Haltung zu einer bestimmten Situation beeinflussen uns demnach maßgeblich. Das hat auch die Harvard Professorin Ellen Langer festgestellt. Sie machte die Forschung rund um Wahrnehmung und Achtsamkeit zu ihrem Lebenswerk. Sie stellte sich die Frage, inwiefern wir anders handeln, wenn wir Situationen bewusster wahrnehmen.

 

Was ist Achtsamkeit?

 

Wie einfach es früher war: Egal ob ein gutes oder schlechtes Ereignis, die Frage nach dem Warum konnte man mit dem Schicksal oder Gottes Willen beantworten. Hinterfragt wurden Handlungen eher selten. Im 20. Jahrhundert kamen dann Freud und C.G. Jung, die versuchten, Verhaltensweisen und Reaktionen mit dem Unterbewussten zu erklären. Die Psychologin Ellen Langer erkennt das Unterbewusste durchaus an, konzentriert sich aber viel mehr auf die Gegenwart und auf das, was im Moment passiert. Sie erklärt sich Reaktionen nicht mit dem Unterbewusstsein, sondern ist der Meinung, dass man sie gezielt steuern kann.

„Mindfulness“, wie es im Englischen heißt, beschreibt das bewusste Wahrnehmen einer Situation. Geist und Körper sollen aufmerksam für die Umgebung sein und die Geschehnisse. Statt sie einfach hinzunehmen, sollten die Leute hinterfragen, was sie erleben und darüber denken. Denn durch Achtsamkeit können wir unsere Gedanken und damit unsere Emotionen und schließlich unser Verhalten beeinflussen. „Mindfulness“ gehört zur positiven Psychologie. Eine Art, die Menschen durch positive Gedanken zu beeinflussen. Der Mensch soll selbstreflektierter werden.

 

Buddhismus und Meditation

 

Ursprünglich kommt Achtsamkeit aus dem Buddhismus und der Meditation. Die Achtsamkeitsmeditation soll den Geist schulen, auf sich selbst zu achten. Der Geist wird geschärft, um Situationen bewusster wahrzunehmen. Auch lehrt eine solche Meditation, die Zeichen des Körpers besser zu verstehen. Heute wird „Mindfulness“ und alles, was dazu gehört, in der Therapie genutzt. „Reframing“ beispielsweise kommt eigentlich aus der Familientherapie. Dabei sollen die Teilnehmer des Seminars oder der Therapie lernen, eine Situation aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Dadurch können sie den Moment anders bewerten und sich für andere Verhaltensmöglichkeiten öffnen.

Die „Mindless Automata“, wie sie Ellen Langer nannte, soll ausgeschaltet werden. Mit diesem Begriff bezeichnet sie die Überzeugungen und Einstellungen, die wir haben, aber die wir meistens nicht bewusst wahrnehmen. Viele Vorurteile oder Meinungen sind in unserem Denken verankert und wir passen uns ihnen an. Das bereits angesprochene Vorurteil „Frauen seien schlechter in Mathe“ wurde zum Beispiel getestet. Wenn Personen am Anfang ihres Tests das Geschlecht angeben müssen, so sind die Ergebnisse tendenziell schlechter, als wenn sie es nicht angeben müssen. Erst wenn wir uns von eingefahrenen Denkschemata lösen, ist die „Mindless Automata“ ausgeschalten und wir können mit einem offenen und unvoreingenommenen Blick an die Sache herangehen.



 

Warum Achtsamkeit wichtig ist

 

Gerade in der heutigen Zeit geht alles schnell und Zeit ist wertvoll. Wörter und Bilder lösen in uns Assoziationen aus, die uns emotional beeinflussen und somit unser Verhalten festlegen. Psychologisch wird das „Priming Effekt“ genannt. Wir sind schon geprägt und hinterfragen unsere Denkweise daher nicht mehr. Doch Achtsamkeit ist wichtig, denn sie kann uns maßgebend beeinflussen. Sie gibt mehr Sicherheit und dadurch mehr Vertrauen in das Selbst. Weiterhin stärkt Achtsamkeit unser Kontrollgefühl und wir handeln reflektierter. Ein automatisiertes Verhalten soll aufgebrochen werden und durch ein bewusstes, offenes ersetzt werden.

Ein beeindruckendes Beispiel führt uns Langer Anfang der 80er Jahre vor Augen. Die Professorin lud einige Senioren, die ca. 80 Jahre alt waren, ein, eine Woche in einem ehemaligen Kloster zu verbringen. Dort standen ihnen Räumlichkeiten zur Verfügung, die genauso eingerichtet waren, wie es der Zeit 20 Jahre früher entsprach. Bücher, Zeitschriften und sogar Fernsehserien wurden aus der Vergangenheit bereitgestellt. Die Probanden sollten sich über diese Zeit unterhalten. Ihre Mahlzeiten wurden ihnen nicht mehr serviert, sie mussten sich selbst versorgen. Nach einer Woche schnitten die Senioren in Seh-, Hör- und Intelligenztests sowie bei Beweglichkeitsübungen weit besser ab als die Kontrollgruppe.

Wir sind also alle dazu aufgefordert, achtsam zu sein. Situationen sollten hinterfragt werden, das eigene Handeln immer bewusst und reflektiert sein. Der positive Effekt einer derartigen achtsamen Haltung ist mit Studien belegt – und wer nicht auf Studien vertraut, sollte es einfach ausprobieren. Achtsamkeit und die Sensibilität für bewusstes Wahrnehmen steigern das Lebensgefühl und haben einen positiven Effekt auf die eigene Stimmung.

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Bildquelle: Thanh Nguyen Trung / Unsplash

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