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Religion: Warum uns der Vatikan an nichts mehr glauben lässt

Die Gen-Y wendet sich immer mehr vom religiösen Glauben ab. Das ist nicht verwunderlich, zeigt doch der Vatikan immer mehr sein wahres Gesicht.

Beim Gedanken an die katholische Kirche, fallen vielen als Außenstehenden zuerst folgende drei Dinge ein: Weihrauch, protzige Kirchen und Enthüllungen im Vatikan. Letzteres ist wohl einer der ausschlaggebenden Gründe für junge Leute, sich von der Kirche abzuwenden. Die „moralischen und ethischen Prinzipien des katholischen Glaubens“ werden regelmäßig für narzisstische und eindeutig unmoralische Handlungen über Bord geworfen.

 

Macht und Protz statt Demut und Bescheidenheit

 

Ein aktuelles Beispiel: Der Spiegel berichtet von Spenden, die nicht bei Bedürftigen wie dem Kinder-Hospital „Bambino Gesù“ ankommen, sondern beispielsweise in die Luxus-Wohnung eines Kardinals fließen. Der Ex-Kardinalssekretär Tarcisio Bertone ließ sein luxeriöses Eigenheim mit Dachterasse und direktem Blick auf den Petersdom großzügig umbauen. Statt das Geld an die Armen weiter zu leiten, beteiligte sich die Stiftung, die Spenden für „Bambino Gesù“ sammelt, mit 20.000 Euro an der Renovierung der neuen Wohnung. Italienische Medien schätzen deren Größe auf 300 bis 400 Quadratmeter. Doch die herrschende Geldgier verursachte nicht die einzige Schandtat.

 

Ein schwuler Priester berichtet von homophobem Hass

 

Als sich der Priester Krzystof Charamsa Anfang Oktober auf einer Pressekonferenz in Rom als homosexuell outete, verlor er sein Amt im Vatikan. In einem Brief an Papst Franziskus wirft er der katholischen Kirche unter anderem „homophoben Hass“ und „unmenschlichen Umgang“ mit homosexuellen Katholiken vor, wie die BBC zitiert. Der Versuch, der Kirche damit die Augen zu öffnen, bleib – wie zu erwarten – erfolglos. Homophober Hass, Kindesmissbrauch, Geldgier – der Vatikan bringt sich mit Skandalen immer wieder in die Schlagzeilen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 des Heidelberger Sinus-Instituts hat die Kirche bei 14- bis 17-Jährigen ihr Image versaut.

 

Die Generation Y: Sinnfindung ja, Kirche nein

 

Die Studie besagt, das Bedürfnis nach Sinnfindung sei in dieser Altersgruppe allgegenwärtig. Die Suche nach Antworten auf Fragen, die einen bewegen, führt aber nicht mehr in kirchliche Institutionen. Was sich hier auf Jugendliche beschränkt, gilt für die ganze Generation Y. Religion bleibt Privatsache und der Glaube gilt als Auslaufmodell. Zwar gibt es noch Jugendliche, die im religiösen Glauben Erfüllung finden, der Trend geht aber weiter zu Ersatzreligionen wie gesunder Ernährung, dem Lieblings-Fußballclub (Stichwort Fußballgott) oder auch der Liebe. Fälle wie die oben beschriebenen zeigen außerdem: Kirche ist nicht nur „uncool“, sondern ist oft menschenfern und unmoralisch.

 

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Beitragsbild: Franca Gimenez

 

Kommentare

  1. Hallo Steffi, wir haben uns deine Kritik zu Herzen genommen und den Artikel verbessert, danke.

    Tamara Schempp / Antworten
  2. Bertone ist, wie ihr auch an eurer eigenen Wikipedia-Verlinkung sehen könnt, noch gar nicht tot. Und ich fänds übrigens auch schön, wenn ihr beide Seiten zu Wort kommen lassen würdet – es gibt durchaus noch Jugendliche, die mit Religion und Kirche sehr viel anfangen können und nicht völlig ungespaced sind!

    Steffi / Antworten

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