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Unzufriedenheit und Erektionsprobleme: Wenn der Porno zur Sucht wird

Was passiert, wenn der gelegentliche Porno irgendwann mehr bedeutet als ein bisschen Entspannung nach Feierabend?

Seit der Erfindung des Internets in Kombination mit dem Smartphone gibt es Videos, die man wohl bei so gut wie jedem Teenager auf dem Handy finden kann: Pornos. Genauso wie Pickel, Stimmungsschwankungen und Haare an ganz neuen Stellen gehört mittlerweile auch das Erotikfilmchen zur Pubertät einfach dazu. Prinz Pi widmete dieser Entwicklung sogar einen eigenen Song: „Generation Porno“. Aber was passiert, wenn der tägliche Pornokonsum nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken ist? Wenn diese kurze Flucht aus der Realität permanent die Gedanken bestimmt? – Dann ist man süchtig. Süchtig nach einem „unheimlichen Partner“, den man so schnell nicht mehr loswird.

 

Der Weg zur Sucht

 

Die Sucht nach Selbstbefriedigung durch Pornos fällt unter den Begriff der Sexsucht. Schätzungsweise 500.000 Deutsche sind von diesem Zwang betroffen, von einer hohen Dunkelziffer kann man ausgehen. Deutschland ist nach den USA das Land mit dem größten Markt für Pornos und der Jahresumsatz wird, allein im DVD-Bereich, auf 800 Millionen Euro geschätzt – ein lukratives Geschäft also. Nicht umsonst findet die Venus, die größte Erotikmesse der Welt, in Berlin statt. Unsere Generation ist besessen von Pornos, über 42 Prozent der Internetuser sind auf Pornoseiten unterwegs und „Sex“ ist das am häufigsten gesuchte Wort im Web. Die Teenager von heute müssen noch nicht einmal den peinlichen Weg in die Videothek bestreiten, um sich ihr Vorlagematerial zu besorgen. Niemand muss sich mehr dem Schmunzeln des Mitarbeiters hinter der Theke aussetzen, denn dank Youporn und Co. ist der Zugang vollkommen hürdenlos geworden  Dr. med. Heike Melzer sieht diese Entwicklung eher kritisch. Gegenüber ZEITjUNG erklärt sie: „Schambesetzte Tabuthemen müssen nicht mehr thematisiert werden, alle Informationen sind auf Knopfdruck abrufbar und der Wechsel von „YouTube“ und „YouPorn“ ist nur einen Mausklick entfernt.“ Wenn sich das Pornoschauen dann erstmal zum feststehenden Ritual entwickelt hat und man für die Befriedigung sogar das Feierabendbier mit den Freunden sausen lässt, ist der Grad zur Sucht scheinbar schon ziemlich schmal geworden. „In einer Sucht findet eine starke Fokussierung und zunehmende Isolation statt. Für die Befriedigung wird im Rahmen einer Dosissteigerung nach immer stärkerem Material gesucht, die Masturbation findet ritualisiert statt, wird verheimlicht und Phasen der Abstinenz werden immer kürzer. Soziale Beziehungen und Interessen werden vernachlässigt und es klafft irgendwann eine unüberbrückbare Kluft zwischen virtuellen Bildern und realen Erlebnissen“, erklärt Melzer.

 

„Pornotopia“ ist unerreichbar

 

Dass die Abhängigkeit von Pornos auch langfristig negative Auswirkungen auf unser Leben haben kann, beweist uns die Wissenschaft. Reizt man den Genuss der Pornografie zu weit aus, kann die Familienplanung schon mal auf der Strecke bleiben, denn der Konsum lässt den Wunsch nach Kindern nachgewiesen sinken. Durch die permanent wechselnden Darsteller in den Filmen wächst gleichzeitig auch das Verlangen nach ständig wechselnden Partnerinnen – im Hinblick auf die feste Familienplanung natürlich kontraproduktiv. Sexuell zufriedener wird man durch die Rammel-Blockbuster auch nicht. Ganz im Gegenteil, denn das Angebot ist in der Regel so überzogen, dass der Normalo in der Realität nicht mithalten kann. Experten nennen es „Pornotopia„: Die – zumindest für einen Großteil – unerfüllbare Vorstellung des Geschlechtsverkehrs à la „Deep Throat“. Auch Dr. med. Heike Melzer konnte dieses Phänomen schon beobachten: „Es wächst eine Unzufriedenheit mit der eigenen Sexualität, denn der Partner bleibt derselbe, er ist nicht bereit alle Sexualpraktiken auszuprobieren und es kommen Gelüste auf, die in der Beziehung so nicht umsetzbar sind. So manches Doppelleben nimmt hier seinen Ausgang.“

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