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Generation Y: „Oversexed and Underfucked“

Studien belegen: Während unser Umgang mit Sex immer freizügiger zu werden scheint, haben wir praktisch gar keinen mehr. Das ist so traurig wie tröstlich.

After Sex Selfies, YouPorn, Tinder – unser Umgang mit Sexualität war wahrscheinlich noch nie freizügiger. Jedenfalls in der Öffentlichkeit. „Generation Porno“ nennt man uns daher auch. Wir sprechen viel über Sex, betonen, wie offen wir sind. Gespielt beschämt gestehen wir, dass wir gerne Pornos schauen. Alles ein wenig zu laut, sodass es auch der Nachbartisch der Szene-Bar mitbekommt. Viel Sex zu haben, ist irgendwie cool geworden. Dabei haben wir genau das nicht. Zumindest nicht überall.

Einer aktuellen Studie zufolge haben 48 Prozent der jungen Männer in Japan und sogar 51 Prozent der Frauen keinen regulären Sex. Nicht einmal in einer Beziehung. Den informierten Leser mag das nicht überraschen: Japaner haben den Ruf, sehr zurückhaltend zu sein. Was hat das also mit uns zu tun? Denn laut einer Studie im Auftrag des FOCUS haben deutsche Frauen rund 1,7-mal und die Männer 1,9-mal pro Woche Sex. Unions-Anhänger tun es mit 2,1-mal sogar noch häufiger als SPD-Anhänger, heißt es weiter. In Großbritannien läuft angeblich noch mehr. Laut National Sex Survey  hätten die Menschen dort drei- bis viermal in der Woche Sex.

Aber Japaner sind eben nicht nur zurückhaltend, sondern offensichtlich auch ehrlich, wie der Telegraph schreibt: „Perhaps the most shocking element of the Japanese survey isn’t that the people aren’t having sex, but that they were so comfortable admitting to how little sex they’re having.“ Geben wir doch auch einmal zu: Wer übertreibt nicht ein bisschen bei diesem Thema? Erzählt den Freunden vom aufregenden One-Night-Stand am Wochenende, bei dem eigentlich gar nichts passiert ist, weil wir uns dann noch nicht getraut haben. Wer datiert das letzte Mal mit dem Partner nicht etwas nach vorne? Ergänzt ein paar aufregende Details?

 

Wird Enthaltsamkeit jetzt wieder hip?

 

Schuld an diesen Übertreibungen sind Statistiken wie die obige und Freunde, die abends in der Szene-Bar ein bisschen zu laut von ihrem aufregenden Sexleben erzählen. Man will ja nicht abstinken. Wir wollen nicht zugeben, dass am Wochenende mal wieder nichts lief und wir uns bei einer Folge „Sex and the City“, „True Blood“ oder „Masters of Sex“ langsam im den Schlaf geheult haben. Also gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und posaunen unser Sexleben im Internet herum.

Dabei scheinen wir uns mit dieser Freizügigkeit nur noch mehr zu schaden. Und aus der Generation „Porno“ wird schnell die Generation „Oversexed and Underfucked“. Denn, wie das Kelkheimer Zukunftsinstitut herausgefunden hat, vergiften Internet und Pornografisierung unser Beziehungsleben: „Erotik und Sex werden Teil der Mainstream-Erlebniskultur.“ Zunehmend lässt sich unter jungen Frauen sogar eine Art „Backlash“ feststellen, heißt es beim Telegraph: „Abstinence, often considered the preserve of the religious, or asexual, is increasingly becoming a popular choice amongst young women.“

Proportional zu geposteten After-Sex-Selfies scheint unser echtes Sexleben also zu verkümmern. Das ist traurig. Aber etwas Gutes haben diese Erkenntnisse immerhin: Wir wissen, dass diejenigen, die mit einem aufregenden Sexleben prahlen, im Grunde auch nur frustriert sind. Zumindest manche von ihnen. Und nicht unseren Neid, sondern unser Mitgefühl verdienen.

 

Beweis für die Übersexualisierung unserer Generation gefällig? Dann scrollt Euch durch die Galerie der After-Sex-Selfies…

 

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Bildquelle: Hotlanta Voyeur unter CC BY 2.0

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