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Genre Guide: Was ist eigentlich Dance?

Der Drumbeat setzt ein. „Nur“ ein Beat? Mitnichten. Du bringst durch deine Bewegungen das zum Ausdruck, was der Song bedeutet. „Rhythm is a Dancer“, das wussten wir doch schon immer.

Wenn der Beat in unseren Ohren dröhnt, sich Gänsehaut ankündigt und unsere Füße anfangen zu zappeln, dann möchten wir sie am liebsten auf ewig hören – diese Musik. Aber was hören wir da eigentlich? Unser Genre Guide hilft dir weiter. Alle zwei Wochen erklären wir dir einen anderen Musikstil. Dieses Mal gibt es Dance auf die Ohren.

Der Drumbeat setzt ein. „Nur“ ein Beat? Mitnichten. Er bildet das Fundament, kurz darauf gesellen sich rhythmische Percussion und treibende Synthesizer-Klänge hinzu, und schon hat er dich: der Dancebeat. Er geht in dein Fleisch und Blut über, auf einmal BIST du der Song. Rhythmus, Takt und Tempo manifestieren sich in deinem Körper, du bringst durch deine Bewegungen das zum Ausdruck, was der Song bedeutet. „Rhythm is a Dancer“, das wussten wir doch schon immer.

Dance: die Definition

Dance, auch elektronische Tanzmusik oder kurz EDM (Electronic Dance Music)* genannt, vereint alle Stile der elektronischen Musik, die sich als tanzbar erweisen. Dance kann vergleichsweise kalt klingen, beispielsweise in Form des Techno: Wenig bis gar kein Gesang, industrielle Klänge, Maschinenraum-Feeling. Genauso kann elektronische Tanzmusik aber auch etwas „Warmes“ in sich tragen bzw. sich dem Pop annähern. Kurzum: Dance ist klanglich und stilistisch ein sehr weitreichendes Feld, dessen einzelne Parzellen der gemeinsame Faktor „Es muss tanzbar sein“ zusammenhält.

Obgleich „klassische“ akustische Instrumente wie Gitarre und E-Bass im Dance vergleichsweise selten vorkommen, können auch sie bisweilen stärker eingebunden werden, eventuell zusammen mit einer vergleichsweise häufig zu hörenden Gesangsstimme. Ein typisches Beispiel für einen solchen Dance-Song, der sich gewissermaßen in der Schneise zwischen EDM und Pop befindet, ist „Wake Me Up“ von Avicii: Einerseits sehr elektronisch und tanzbar, andererseits aber auch nicht gerade wenig Gesang und eine Scheibe Pop.

Verwandt und verschwägert

Die Tochter von: Disco

Beste Freundin: Elektronische Musik

Hassliebe: Synthie-Pop

Die kleine Cousine von: Elektronische Musik

Können sich nicht ausstehen: Computermusik

Verwechslungsgefahr mit: Mainstream-House

Dance: der Ursprung

Funk und R’n’B sind seit jeher sehr rhythmusgetriebene und „intensive“ Musikstile, zu denen Menschen gern tanzen. Man denke nur daran, wie sich James Brown während seiner Konzerte bewegte und in seiner eigenen Musik regelrecht aufging. Eben solche Musikstücke dienten als Grundlage für die Entstehung der Disco-Musik. DJs in den USA begannen damit, Funk- und R’n’B-Stücke auf ihre tanzbaren und/oder instrumentalen Passagen zu reduzieren bzw. diese in Dauerschleife laufen zu lassen.

In den 1970er- und 1980er-Jahren begannen dann Produzenten und DJs, ihre Stücke von Anfang an so zu konzipieren, dass sie auf die Animation zum Tanz ausgerichtet waren. Pioniere waren hier Leute wie der Italiener Giorgio Moroder. Er verstand es, „kalte“ Synthie-Klänge perfekt mit rhythmischen Beats und der passenden Stimme (zum Beispiel jener von R’n’B-Sängerin Donna Summer) zu vermengen, um die Menschen so auf die Tanzfläche zu locken. Vom Rolling Stone Magazine als „Dance-Music Godfather“ bezeichnet, schreibt das Blatt über seine Musik: „[He] created an electro-dystopian mirror-ball glacier-wave wall of machine rhythm, the musical equivalent of catching a stranger’s dead-eyed stare on the dance floor. Summer’s voice floated over the synthesizers as if feeling love meant zoning out into your own private nightworld of sensory overload.“ Genau darum geht es bei Dance: Mach dir deine eigene Welt, wie sie dir gefällt. Vorzugsweise zu später Stunde auf der Tanzfläche.

Nicht unerwähnt sei, dass es gerade bei Klassikern natürlich Grenzfälle gibt. Es ist oft schlichtweg Ansichtssache, was Dance ist und was nicht. Ist „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees noch Disco-Pop oder schon Dance? Ist „Das Model“ von Kraftwerk skurrile Synthesizer-Spielerei oder tanzbarer EDM? Ihr seht schon, eindeutig ist hier nichts. Andererseits: Gibt es herrlichere Grundlagen zum musikalischen Diskutieren?

Dance: heute

Schon längst ist Dance nicht nur etwas, das in Clubs gespielt wird und sich somit auf die Gruppe der „Nachtschwärmer“ konzentriert. Dennoch ist auch im modernen Dance zwischen zwei großen Gruppen zu unterscheiden. Einerseits die „harten“ und „aggressiven“ Tanzstücke, die zum Beispiel zu den Dance-Subkategorien wie Drum’n’Bass, Progressive House und Trance gehören. Diese sind zwar immer noch tanzbar, aber eben zugleich von einer solchen Intensität geprägt, dass sie nicht unbedingt das Label „Mainstream“ tragen.

Das dürfen hingegen Dance-Songs der anderen großen Gruppe von sich behaupten, zu denen Genres wie Euro Disco, French House und Tropical House zählen. Interpreten wie Bob Sinclair, David Guetta und Felix Jaehn zählen zu jenen, die wieder und wieder eine besonders massenkompatible Formel des Dance aufstellen. Hochgradig tanzbar und rhythmisch, dabei zugleich von Pop-Elementen durchzogen, sodass sich selbst Lokalradio-Sender nicht davor scheuen, diese Art des Dance, zum Beispiel Songs wie „Blurred Lines“ oder „Love Generation„, am Nachmittag zu spielen.

*An dieser Stelle ist es gut zu wissen: Die Begriffe „Dance“, „Elektronische Tanzmusik“ und „EDM“ können im Grunde synonym verwendet werden. Manche Menschen verwenden die Begriffe „Elektro“ respektive „Electro“ ebenfalls synonym, was genau genommen jedoch falsch ist. „Elektro/Electro“ ist schlichtweg die Abkürzung für „Elektronische Musik“ – diese muss aber nicht tanzbar sein. Darüber hinaus steht „Electro“ als Abkürzung auch für das EDM-Subgenre namens „Elektro Funk“ sowie das House-Subgenre „Electro House“. Merke: Wenn von „Elektro“ respektive „Electro“ die Rede ist, fragt man sein Gegenüber am besten direkt nach dessen Auffassung dieses Begriffs, um Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Dance: auf die Ohren, fertig, los

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Rupert ist ein Illustrator und Designer aus München. Er arbeitet seit seinem Designstudium als freischaffender Illustrator und Designer, national und international hauptsächlich in der Musikbranche und im Editorial Bereich. Mehr findet ihr unter: www.rupertgruber.com.

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Illustration: Rupert Gruber

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