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Genre Guide: Was ist eigentlich Rap?

Die Worte fliegen heran, vermengen sich miteinander, schlingen sich wie Ketten um die Bassline.

Wenn der Beat in unseren Ohren dröhnt, sich Gänsehaut ankündigt und unsere Füße anfangen zu zappeln, dann möchten wir sie am liebsten auf ewig hören – diese Musik. Aber was hören wir da eigentlich? Unser Genre Guide hilft dir weiter. Alle zwei Wochen erklären wir dir einen anderen Musikstil. Dieses Mal gibt es Rap auf die Ohren.

Eine Zeile. Und noch eine. Und noch eine. Unaufhaltsam fliegen sie heran, die Worte, vermengen sich miteinander, schlingen sich wie Ketten um die Bassline und die Drums. Alles fließt wunderbar zusammen, regelrecht so, als träfen hier zwei Flüsse am Ende ihres Weges aufeinander und münden gemeinsam in etwas noch Größeres, noch Atemberaubenderes: das Meer. So ist sie, die Rap-Musik: Rhythmisch, vielschichtig und oftmals viel tiefgreifender, als man auf den ersten Hör vermuten mag.

Rap: die Definition

Die ursprüngliche Bedeutung des englischen Verbs to rap bezieht sich darauf, mehrmals und schnell mit einem Gegenstand gegen eine Oberfläche zu schlagen. Im US-amerikanischen Englisch besitzt es außerdem noch die Bedeutung unseres Verbes Quatschen. Nimmt man diese beiden Bedeutungen zusammen, macht die Bedeutung des Begriffs Rap im musikalischen Sinne durchaus Sinn: Ein schneller und ausdrucksstarker Sprechgesang.

Ein äußerst wichtiger Punkt: Obgleich Rap und Hip-Hop häufig synonym verwendet werden, sind es streng genommen zwei unterschiedliche Begrifflichkeiten. Denn Rap meint eigentlich „nur“ den rhythmischen Sprechgesang, während Hip-Hop die Kombination aus Sprechgesang mit einer bestimmten musikalischen Untermalung ist. Mit anderen Worten: Nahezu jeder Hip-Hop-Song enthält Rap, doch nicht jeder Song, der Rap-Musik aufweist, ist dem Genre Hip-Hop zuzuordnen.

Die drei Bausteine: Flow, content und delivery

Vereinfacht ausgedrückt, setzt sich Rap aus drei Bausteinen zusammen: Flow, content und delivery. Mit flow sind Rhythmus und Geschwindigkeit gemeint. Rap kann langsam, aber auch sehr schnell und stakkatoartig vorgetragen werden. Content beschreibt, was der Rapper zum Ausdruck bringt: Ist es eine Geschichte? Ist es ein Kommentar zu einem aktuellen Ereignis? Oder ist es vielleicht die direkte Ansprache einer bestimmten Person? Bei der delivery geht es um die Form des Rappings. Ein Rapper kann die Lyrics sehr aggressiv intonieren, kann sich aber auch anderen Gefühlen und Stimmungslagen bedienen, um seinen Worten Ausdruck zu verleihen. Logisch ist bei all dem auch: Oft hängen diese drei Faktoren zusammen. Beispiel: Wer schnell rappt und Lyrics vorträgt, die jemanden kritisieren oder etwas rechtfertigen, klingt in der Regel auch aggressiv und wütend – wie zum Beispiel Eminem in The Way I Am. (2000)

Verwandt und verschwägert

Die Tochter von: Funk

Beste Freundin: Hip-Hop

Hassliebe: Soul

Die kleine Cousine von: R’n’B

Können sich nicht ausstehen: Volksmusik

Verwechslungsgefahr mit: Hip-Hop

Rap: der Ursprung

Rap entstand dadurch, dass in den 1970ern DJs damit begannen, Funk- und Disco-Songs zu bearbeiten. Sie spielten ausschließlich deren Passagen ohne Gesang ab und fügten diese Passagen aneinander. Zunächst die DJs selbst, später dann auch die sogenannten MCs, riefen dabei gelegentlich kurze Sprüche hinein, um die Menschen zum Tanzen zu animieren, etwa „To the beat, y’all!“ oder „Are you ready? Rockin‘ steady!“. Es waren Leute wie DJ Kool Herc, die damals in New York City die ersten Hip-Hop-Partys veranstalteten und so den Grundstein für die Rap-Musik legten. Nelson George, Autor des Buches Hip Hop America, erinnert sich:

„The sun hadn’t gone down yet, and kids were just hanging out, waiting for something to happen. Van pulls up, a bunch of guys comes out with a table, crates of records. They unscrew the base of the light pole, take their equipment, attach it to that, get the electricity – Boom! We got a concert right here in the schoolyard and it’s this guy Kool Herc. And he’s just standing with the turntable, and the guys were studying his hands. There are people dancing, but there are as many people standing, just watching what he’s doing. That was my first introduction to in-the-street, hip hop Djing.“

 

Nicht zu missachten ist hierbei: Schon auf Songs von Soul- und Funk-Interpreten wie James Brown ist so etwas wie Rapping eindeutig zu hören. Songs wie James Browns Funky Drummer (1970) wurden später nicht nur wegen ihrer Beats gesampelt. Die Drums und Klänge der Horn Section sind durchsetzt von zahlreichen Ausrufen und schnellen Sätzen Browns, was quasi die Urform des Rappings darstellt.

Ab den späten 1970ern erschienen erste „echte“ Rap-Songs wie Rapper’s Delight (1979) von der Sugarhill Gang oder That’s The Joint (1980) von Funky Four Plus One. Interessanterweise stammt der erste Song, der Rapping enthält und Rang eins der US-amerikanischen Single-Charts erreichte, von einer Band, die mit Hip-Hop und Rap eigentlich nicht viel zu tun hat: Blondie. Die US-amerikanische Band, die mit ihrer Musik irgendwo zwischen Disco und Punkrock zu verorten ist, landete mit dem Song Rapture 1981 besagten Nummer-eins-Hit, in dem Blondie-Sängerin Debbie Harry ihre Rap-Künste offenbarte. Schon dies verdeutlicht: Rap ist zwar eng mit Hip-Hop verknüpft, lässt sich aber auch wunderbar mit anderen Genres wie Pop, Rock und EDM verschmelzen.

 

Rap: heute

Mit Rap angereicherte Pop-Songs sind schon längst keine Seltenheit mehr. Seien es Stücke von Pop-Sängerinnen wie Taylor Swift oder Rock-Bands wie Coldplay und den Gorillaz, sie alle scheuen nicht davor zurück, ihre Musik mit Rap anzureichern. Daraus sind auch durchaus neue Genres entstanden, wie zum Beispiel Nu Metal, eine Mischung aus Heavy Metal und Rap.

Darüber hinaus ist Rap längst nicht mehr nur ein US-amerikanisches Phänomen, sondern hat in vielen Ländern eine eigene musikalische Identität erlangt, die je nach Land durchaus über Eigenarten verfügt. Auf diversen Videoplattformen erfreut sich Rap heute auch dank sogenannter Rap-Battles großer Beliebtheit. Hier treten Rapper in Duellen gegeneinander an und stellen darin ihre Spontanität und Kreativität unter Beweis.

Rap: auf die Ohren, fertig los


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Rupert ist ein Illustrator und Designer aus München. Er arbeitet seit seinem Designstudium als freischaffender Illustrator und Designer, national und international hauptsächlich in der Musikbranche und im Editorial Bereich. Mehr findet ihr unter: www.rupertgruber.com.

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Bildquelle: Rupert Gruber

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